Seladon: Grün aus Eisen und Feuer
Seladons grüne Glasur entsteht aus Eisen in Ton und Glasur und einem Brand mit wenig Sauerstoff, in Longquan in China wie im Korea der Goryeo-Zeit.
Seladon bezeichnet vor allem die Farbe einer Glasur, ein Grün von Graugrün über Olivgrün bis zu einem bläulichen Ton, das viele Betrachter an Jade erinnert. Es entsteht im Ofen aus zwei Zutaten, die unscheinbar klingen: ein wenig Eisen in Ton und Glasur und ein Feuer, dem Sauerstoff fehlt.
Eisen, Sauerstoff und ein Glasurrezept
Das Metropolitan Museum of Art in New York erklärt die graugrüne Farbe koreanischen Seladons mit dem Eisen im Ton, mit Eisen, Mangan und Quarz in der Glasur und mit einem Brand, in dem der Sauerstoff im Ofen in einer Phase stark verringert wird. Fachleute nennen das einen reduzierenden Brand. Die englischsprachige Wikipedia fasst es für die chinesische Longquan-Ware kurz: Die Farbe entsteht aus Eisenoxid, das in reduzierender Atmosphäre gebrannt wird. Sie hängt dort von der Temperatur ab und davon, wie stark und wann reduziert wird.
Wie viel Spielraum allein in der Eisenmenge steckt, zeigt ein Stück aus jüngerer Zeit. Die Online-Sammlung der Stadt Aberdeen verzeichnet eine Steinzeugschale um 2010 von einer Keramikerin aus Deutschland, mit olivgrüner Seladonglasur. Die Glasur entsteht dort durch fein gemahlene Eisenoxide, die einer Grundglasur zugesetzt werden. Je nach Menge ergeben sie laut Sammlungstext blasse Grün- und Blautöne oder dunkleres Olivgrün bis Schwarz.
Der Scherben unter der Glasur ist in der Regel dicht gebranntes Steinzeug. Was Steinzeug technisch von Irdenware und Porzellan trennt, erklärt der Beitrag über Steinzeug und die Deckeldose. Ganz scharf ist die Grenze bei Seladon allerdings nicht gezogen, wie sich an Longquan zeigt.
Longquan: ein Handwerk auf der UNESCO-Liste
Longquan liegt in der chinesischen Küstenprovinz Zhejiang. Seit 2009 steht die traditionelle Brenntechnik des Longquan-Seladons auf der Repräsentativen Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO. Der Eintrag beschreibt einen violett-goldenen Ton und eine Glasur aus gebranntem Feldspat, Kalkstein, Quarz und Pflanzenasche. Die Rezepte werden nach der UNESCO oft über Generationen weitergegeben, von Lehrern oder innerhalb von Familien.
Den Ablauf schildert der Eintrag so: Die Glasur kommt auf ein bereits gebranntes Steinzeuggefäß, das danach erneut gebrannt wird, in sechs Stufen aus Erhitzen und Abkühlen. Die Temperatur steigt dabei bis 1310 °C. Wird zu stark oder zu schwach gebrannt, misslingt das Stück. Die Handwerker überwachen den Brand mit dem Thermometer und an der Farbe der Flamme.
Zwei Spielarten nennt die UNESCO beim Namen. Seladon des „älteren Bruders“ hat eine schwarze Oberfläche mit Craquelé, also einem feinen Rissnetz in der Glasur. Die Variante des „jüngeren Bruders“ trägt eine dicke Glasur in Lavendelgrau und Pflaumengrün. Den Grundton beschreibt der Eintrag als jadeähnliches Grün. Getragen wird das Handwerk von familiengeführten Betrieben in Longquan, die Stücke gelten als Kunst und zugleich als Hausrat.
Wie die Grenze zwischen Steinzeug und Porzellan verläuft, beschreiben die Quellen unterschiedlich. Die UNESCO spricht von Steinzeug. Das British Museum führt ein Räuchergefäß aus Longquan, datiert 1127 bis 1279 in die Südliche Song-Dynastie, als Porzellan. Eine Schale derselben Herkunft beschreibt es als Steinzeug, auf dem Raumtext als „porzellanartig“.
Grün wie Jade
Die Nähe zur Jade ist kein Zufall der Betrachtung. In der Datenbank des British Museum heißt es zu dem Räuchergefäß mit Verweis auf eine Veröffentlichung von Rawson (1992), die Longquan-Öfen hätten früh Formen von Bronzegefäßen in Keramik umgesetzt. Die feine Farbe ließ die Stücke wie Jade aussehen und verband sie mit alten Ritualobjekten. Altargefäße aus Longquan seien in Japan, Korea und China verwendet worden. Der Rand dieses Stücks ist mit Goldlack repariert.
Eine Schale mit geschnitzten, überlappenden Lotosblättern, datiert 1200 bis 1279, nennt der Raumtext ein typisches Erzeugnis der südlichen Longquan-Öfen. Ähnliche Schalen wurden demnach lange hergestellt und weit exportiert. Ihre blaugrüne Glasur zeigt zwei Lagen eines engen braunen Craquelés. Dass Eisen auch als Schmuck dient, zeigt eine Vase aus dem 14. Jahrhundert: blass graugrüne Glasur mit eisenbraunen Flecken.
Goryeo: Seladon in Korea
Auf der koreanischen Halbinsel war Seladon während der Goryeo-Zeit von 918 bis 1392 die hauptsächlich hergestellte Keramik. So schreibt es das Metropolitan Museum. Glasur- und Ofentechnik kamen aus China. Die frühen Töpfer lernten nach dem Met von den Seladon-Traditionen der Song-Dynastie, vor allem an deren Südküste, und übernahmen Formen und Motive. Der Song-Gesandte Xu Jing bemerkte nach einem Besuch in Gaeseong 1123 die Ähnlichkeit mit Seladon aus den chinesischen Öfen von Yue und Ru.
Ab der Mitte des 12. Jahrhunderts entwickelten Töpfer und Auftraggeber laut Met einen eigenen Geschmack. Die Produktion konzentrierte sich in der Provinz Jeolla, besonders in den Regionen Buan und Gangjin. Gangjin ist nach dem Met, Stand 2003, das Zentrum der modernen Seladonherstellung. Ein Bericht der Korea JoongAng Daily nennt Yucheon-ri in Buan als Ort, an dem hochwertiges Seladon für den Königshof und die Zentralregierung entstand.
Die Farbe hat in Korea einen eigenen Namen. Nach dem Bericht der Korea JoongAng Daily heißt der Farbton bisaek, „Jadefarbe“; ein ähnlicher Ton bei Song-Seladon heißt feise. Für den Farbton macht auch dieser Bericht Rohstoffe, Eisen im Ton und den Sauerstoffgehalt im Ofen verantwortlich.
Eingelegte Muster
Eine Technik verbindet das Met besonders mit Goryeo: eingelegtes Seladon, auf Koreanisch sanggam, in China selten. Die Töpfer ritzen Motive in den Ton, füllen sie mit schwarzem oder weißem Schlicker, glasieren und brennen das Gefäß. Das Met spricht vom trockenen Ton, die Korea JoongAng Daily von einem halb getrockneten Gefäß. Nach der Zeitung entfaltete sich die Einlegetechnik im 13. Jahrhundert. Daneben kannte Goryeo glatte, geschnitzte, geritzte und in Formen gepresste Stücke sowie Farbakzente aus Eisen, Kupferoxiden und Gold.
Wie das National Museum of Korea diese Stücke zeigt, berichteten zwei Zeitungen. 2012 versammelte das Museum laut The Korea Herald 350 Seladonobjekte aus Museen in Korea und Japan, darunter 18 Nationalschätze. Im November 2022 eröffnete es nach Angaben der Korea JoongAng Daily seine umgestaltete Seladon-Halle mit etwa 150 Stücken, darunter 12 Nationalschätze.
Ein Name aus Frankreich, Stücke in Europa
Das Wort Seladon stammt nicht aus China oder Korea. Nach dem Metropolitan Museum geht der Begriff vermutlich auf den Namen des Helden eines französischen Schäferstücks aus dem 17. Jahrhundert zurück. Manche Fachleute halten den Namen deshalb für beliebig, schreibt das Met, er passe aber zur Spanne der Grün- und Blautöne.
Wann Seladon Europa erreichte, belegen unsere Quellen nicht. Gut dokumentiert sind dagegen die Wege einzelner Stücke in Sammlungen. Das British Museum erwarb das Räuchergefäß aus Longquan vom Sammler George Eumorfopoulos. Lotosschale und Fleckenvase stammen aus der Sammlung von Sir Percival David. Die Schale kam nach den Unterlagen von 1934 aus der kaiserlichen Sammlung in Peking, die Vase nach denselben Unterlagen aus der Sammlung eines Grafen Sakai in Japan; erworben wurde sie 1928 auf einer Versteigerung in Osaka. Seit 2009 waren die Stücke Leihgaben, 2024 übergab die Stiftung die Sammlung dauerhaft dem Museum. Wie sich solche Wege einordnen lassen, beschreibt der Beitrag über die Wunderkammer.
Seladon steht in Europas Sammlungen neben eigenen Antworten auf importierte Keramik aus China. In den Niederlanden war es Irdenware mit Zinnglasur und Kobalt, beschrieben im Beitrag über Delfter Fliesen. In Deutschland entstand Porzellan aus eigener Produktion, zu sehen an den Porzellan-Orten Meißen, Fürstenberg und Selb.
Häufige Fragen
Wie entsteht die grüne Farbe von Seladon?
Das Grün entsteht nach dem Metropolitan Museum of Art aus Eisen im Ton, aus Eisen, Mangan und Quarz in der Glasur und aus einem Brand, in dem der Sauerstoff im Ofen in einer Phase stark verringert wird. Fachleute nennen das einen reduzierenden Brand. Bei der chinesischen Longquan-Ware hängt der Ton nach der englischsprachigen Wikipedia außerdem von der Temperatur ab und davon, wie stark und wann reduziert wird. Wie viel Eisenoxid einer Glasur zugesetzt wird, verschiebt ihn nach einem Sammlungstext der Stadt Aberdeen zwischen blassen Grün- und Blautönen und dunklem Olivgrün bis Schwarz.
Woher kommt der Name Seladon?
Das Wort stammt nicht aus China oder Korea. Nach dem Metropolitan Museum geht es vermutlich auf den Namen des Helden eines französischen Schäferstücks aus dem 17. Jahrhundert zurück. Manche Fachleute halten den Namen deshalb für beliebig, er passt aber zur Spanne der Grün- und Blautöne.
Was ist Goryeo-Seladon?
So heißt das Seladon, das auf der koreanischen Halbinsel während der Goryeo-Zeit von 918 bis 1392 die hauptsächlich hergestellte Keramik war. Glasur- und Ofentechnik kamen aus China, ab der Mitte des 12. Jahrhunderts entwickelte sich nach dem Met ein eigener Geschmack, mit Zentren in Buan und Gangjin in der Provinz Jeolla. Besonders verbindet das Met mit Goryeo das eingelegte Seladon, auf Koreanisch sanggam, bei dem geritzte Motive mit schwarzem oder weißem Schlicker gefüllt werden.
Was wir nicht wissen
Die Website des National Museum of Korea haben wir nicht selbst geöffnet; die Angaben zum Museum stammen aus Zeitungsberichten. Ob die Einlegetechnik in trockenen oder halb getrockneten Ton geritzt wird, beschreiben unsere Quellen unterschiedlich. Wann die ersten Stücke Europa erreichten, haben wir an keiner Museumsquelle geprüft. Titel und Autor des französischen Schäferstücks, auf das der Name zurückgehen soll, nennt unsere Quelle nicht. Ob Longquan-Ware als Steinzeug oder Porzellan gilt, hängt von der Quelle ab.
Weiterlesen: Schellack: Harz einer Laus
Stand: 14.10.2026. Quellen siehe unten.
Quellen
- Traditional firing technology of Longquan celadon (UNESCO, Intangible Cultural Heritage, Representative List, Eintrag 2009) (öffnet in neuem Tab)
- Goryeo Celadon (Soyoung Lee, Heilbrunn Timeline of Art History, The Metropolitan Museum of Art, Oktober 2003) (öffnet in neuem Tab)
- Incense-burner, Longquan ware, Museum number 1938,0524.9 (British Museum, Sammlungsdatenbank) (öffnet in neuem Tab)
- Bowl, Museum number PDF.65 (British Museum, Sammlungsdatenbank, Sir Percival David Collection) (öffnet in neuem Tab)
- Vase, Museum number PDF.217 (British Museum, Sammlungsdatenbank, Sir Percival David Collection) (öffnet in neuem Tab)
- Goryeo celadon takes center stage at remodeled gallery (Korea JoongAng Daily, 27.11.2022, über die Seladon-Halle des National Museum of Korea) (öffnet in neuem Tab)
- Goryeo celadon from museums in Korea and Japan brought together for a special exhibition (The Korea Herald, 16.10.2012, über eine Ausstellung im National Museum of Korea) (öffnet in neuem Tab)
- Stoneware Bowl with Green Celadon Glaze, ABDMS095708.189 (Online-Sammlung der Stadt Aberdeen, The Sandy Dunbar Studio Ceramics Collection) (öffnet in neuem Tab)
- Longquan celadon (Wikipedia, englisch; ergänzend) (öffnet in neuem Tab)