Streichholz und Schachtel: eine Designgeschichte
Das Sicherheitszündholz geht auf Gustaf Erik Pasch 1844 zurück; die Brüder Lundström machten es marktfähig, ihr Etikett machte die Schachtel zum Designobjekt.
Das Sicherheitszündholz geht auf den schwedischen Chemiker Gustaf Erik Pasch zurück: Laut dem schwedischen Snus- och tändsticksmuseum lief seine Produktion am 1. Oktober 1844 in Stockholm an, mit rotem Phosphor auf einer eigenen Reibfläche statt Phosphor im Kopf. Marktfähig machten es die Brüder Johan Edvard und Carl Frans Lundström in Jönköping; sie zeigten es 1855 in Paris, und im selben Jahr führte Johan Edvard Lundström eine Schachtel aus Hülle und herausziehbarer Schale ein. Zum Designobjekt wurde die Schachtel über ihr Etikett, das Drucker gestalteten, Konkurrenten kopierten und Sammler seit den 1940er Jahren unter dem Namen Phillumenie ordnen.
Auf einen Blick
- John Walker aus Stockton-on-Tees fand 1826 ein Reibzündholz und verkaufte es ab 1827, ohne es patentieren zu lassen.
- Gustaf Erik Pasch ließ das Sicherheitszündholz in Schweden patentieren; die Produktion begann nach Angaben des schwedischen Museums am 1. Oktober 1844.
- Rudolf Christian Böttger entwickelte 1848 in Frankfurt am Main eine Sicherheitszündmasse mit rotem Phosphor.
- Die Brüder Lundström erhielten für ihr Sicherheitszündholz auf der Pariser Weltausstellung 1855 ein Diplom und eine Medaille.
- Die Berner Konvention vom 26. September 1906 verpflichtete die Unterzeichner, Herstellung, Einfuhr und Verkauf von Zündhölzern mit weißem Phosphor zu verbieten.
- Das Wort Phillumenie prägte nach Angaben der britischen Sammlergesellschaft Marjorie S. Evans 1943.
Wer erfand das Reibzündholz?
Das Reibzündholz im heutigen Sinn wird dem Engländer John Walker zugeschrieben. Nach dem Österreichischen Patentamt fand der Apotheker 1826 heraus, dass ein Holzstäbchen mit der passenden Chemikalienmischung zündet, wenn man es über eine raue Fläche zieht. Er verkaufte seine „Friction Lights“ ab 1827, beantragte nie ein Patent und gab die Herstellung um 1830 auf. Den Markt übernahmen andere, etwa der Chemiker Samuel Jones mit seinen „Lucifers“.
Wie das Feuer später auf den Tisch kam, zeigt unser Beitrag Vom Feuerschlag zum Tischfeuerzeug.
Warum wurde weißer Phosphor verboten?
Weißer Phosphor (eine giftige, selbstentzündliche Form des Elements) machte Zündhölzer an jeder Fläche entzündlich und die Arbeit in den Fabriken gefährlich. Die Chronik der British Matchbox Label and Bookmatch Society datiert Zündhölzer mit weißem Phosphor auf Charles Sauria 1832; nach der Online-Ausstellung derselben Gesellschaft blieb weißer Phosphor bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts die Grundlage der meisten Zündhölzer.
Die Folge war eine Berufskrankheit, die Arbeiterinnen und Arbeiter „phossy jaw“ nannten, eine Phosphornekrose des Kiefers. Der Zahnmediziner Hugh Devlin von der University of Manchester beschreibt sie im British Dental Journal als Knocheninfektion, die nach der Mitteilung der Universität etwa ein Prozent der Menschen traf und vollständig vermeidbar gewesen wäre. 1888 legten bei Bryant and May im Londoner East End rund 1.400 Arbeiterinnen die Arbeit nieder; nach drei Wochen sagte die Firma zu, Strafgelder und Abzüge abzuschaffen. Auch in Jönköping erkrankten nach Angaben der Europäischen Route der Industriekultur viele Beschäftigte, darunter Kinder.
Verbote kamen Land für Land und dann völkerrechtlich. Finnland verbot weißen Phosphor in der Zündholzherstellung nach der Chronik der Sammlergesellschaft 1872. In Schweden war der Verkauf von Phosphorzündhölzern nach Destination Jönköping ab 1901 verboten, hergestellt wurden sie bis 1920.
Die Konvention von Bern vom 26. September 1906 unterzeichneten nach dem Vertragstext Deutschland, Dänemark, Frankreich, Italien, Luxemburg, die Niederlande und die Schweiz. Nach Artikel 1 verpflichten sie sich, Herstellung, Einfuhr und Verkauf von Zündhölzern mit weißem (gelbem) Phosphor zu verbieten. In Kraft trat sie nach der englischen Wikipedia am 1. Januar 1912. Das Vereinigte Königreich trat am 28. Dezember 1908 bei; sein Verbotsgesetz, der White Phosphorus (Matches) Prohibition Act, trat nach der Chronik 1910 in Kraft. Das Lexikon der Chemie nennt ein Verbot seit 1907, ohne das Gesetz zu bezeichnen.
Stand der Angaben: 15.10.2026, keine Rechtsberatung.
Wer erfand das Sicherheitszündholz?
Das Sicherheitszündholz, das nur an einer eigenen Reibfläche zündet, entstand fast zeitgleich in Stockholm und in Frankfurt am Main. Gustaf Erik Pasch trennte den Zündkopf von der Reibfläche und ersetzte weißen durch roten Phosphor. Der Chemiker, geboren 1788 in Norrköping, lehrte am Karolinska-Institut in Stockholm.
Das schwedische Snus- och tändsticksmuseum schildert den Weg: 1841 wurde Pasch Teilhaber der Stockholmer Fabrik J. S. Bagge, er ließ seine Erfindung patentieren, und am 1. Oktober 1844 lief dort die Produktion der Sicherheitszündhölzer an. Sie waren zu teuer, und die Fabrik schloss 1848.
Rudolf Christian Böttger arbeitete parallel an derselben Idee. Nach der Neuen Deutschen Biographie lehrte er ab 1842 Physik am Physikalischen Verein in Frankfurt am Main und stellte 1848 Sicherheitszündhölzer mit rotem Phosphor her; die Allgemeine Deutsche Biographie nennt sie „Schwedische Zündhölzer“. Das Lexikon der Chemie schreibt ihm die Sicherheitszündmasse von 1848 zu, das Österreichische Patentamt die Serienreife.
Das Prinzip ist bis heute dasselbe. Nach dem Lexikon der Chemie enthält der Kopf Kaliumchlorat als Sauerstoffträger und Schwefel als Flammenträger, dazu Füllstoffe, Leim und Farbe. Roter Phosphor sitzt in der Reibfläche, zusammen mit Antimontrisulfid und Bindemitteln. Erst die Reibung bringt beide Hälften zusammen; daher zündet das Holz nur an der Schachtel.
Wie wurde Jönköping zur Streichholzstadt?
Jönköping wurde durch die Brüder Lundström zum Zentrum. Nach dem schwedischen Museum begannen Johan Edvard und Carl Frans Lundström 1845 dort mit Phosphorzündhölzern; die Chronik der britischen Sammlergesellschaft datiert die große Fabrik auf 1847.
Nach dem Ende von Paschs Patent erhielten die Brüder ein Patent auf eine verbesserte Fassung. Auf der Weltausstellung in Paris 1855 bekam ihr Zündholz ein Diplom und eine Silbermedaille, weil es sich ohne Gefahr der Phosphornekrose für die Beschäftigten herstellen ließ, so das Museum. Im selben Jahr zahlte Bryant and May nach der Chronik 100 Pfund für die britischen Rechte.
Wettbewerbsfähig wurde das Sicherheitszündholz um 1868, als roter Phosphor billiger und die Fertigung maschinell wurde. Alexander Lagerman von der Jönköpings Tändsticksfabrik stellte 1892 eine Komplettmaschine vor, die fünf Maschinen ersetzte und nach Angaben des Museums 20 Jahre geheim blieb. Nach Destination Jönköping arbeiteten in der Spitze rund 2.000 Menschen in der Fabrik, etwa ein Drittel der Stadtbevölkerung. 1917 übernahm Ivar Kreuger alle schwedischen Fabriken und bildete die STAB, die 1930 nach derselben Quelle 60 bis 70 Prozent der Zündhölzer weltweit herstellte.
Wie wurde die Schachtel zum Designobjekt?
Die Schachtel wurde zuerst durch ihre Bauform, dann durch ihr Etikett zum Gestaltungsthema. Die Chronik der britischen Sammlergesellschaft schreibt Johan Edvard Lundström für 1855 einen neuen Schachteltyp zu: eine Hülle um eine herausziehbare Innenschale. Die Reibfläche gehört beim Sicherheitszündholz zwingend zur Schachtel; Verpackung und Funktion sind seither eins.
Das Etikett entstand in der Druckerei. Ben Jones zeigt in seiner Abschlussarbeit an der University of Reading (2004), dass meist Drucker und nicht eigene Gestalter die Etiketten setzten. Fast alle trugen einen Rand, der ungenaues Schneiden der Bögen verzieh; ein Rahmen aus abwechselnd hellen und dunklen Feldern ist seit 1847 belegt.
Kopien prägten den Stil. Schweden hatte damals nach Jones keinen wirksamen Markenschutz, die Schachteln trugen nur Herstellername und Ort. Das Etikett der Jönköpinger Fabrik, der „Jönköping Original“, wurde über 450-mal nachgeahmt. Erst ein Markenschutzgesetz von 1884 zwang die Nachahmer zu eigenen Entwürfen, und so entstanden Hunderte verschiedene Etiketten. Die überwiegend typografische Anordnung mit Medaillen wurde zum Muster; Kartusche und Doppeloval bestimmten die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Was zeigt das Tändsticksmuseet?
Das Tändsticksmuseet in Jönköping zeigt die Geschichte der schwedischen Zündholzindustrie. Es steht nach Angaben der Europäischen Route der Industriekultur in einem Holzbau der Zündholzfabrik von 1848, Tändsticksgränd 27. Nach Destination Jönköping gehört es der Gemeinde und zeigt Maschinen, das Leben der Beschäftigten und ihrer Kinder sowie Etiketten, die sich vom einfachen Fabrikstempel zu Motiven mit bekannten Personen, Maschinen und Fahrzeugen entwickelten. Dazu gehört nach Destination Jönköping Einar Nermans Zeichnung für eine Zündholzschachtel, die seit 1936 verkauft wird. Weitere Häuser finden Sie unter Sammlungen und Ausstellungen.
Was ist Phillumenie?
Phillumenie ist das Sammeln von Streichholzschachteln, Etiketten und Zündholzbriefchen. Nach der British Matchbox Label and Bookmatch Society prägte Marjorie S. Evans das Wort 1943 aus griechisch philos (Liebe) und lateinisch lumen (Licht). Die Gesellschaft wurde am 1. Januar 1945 von Ken Morris, Ian Clark und Dick Whitely gegründet.
Gesammelt werden nach ihren Angaben Schachteln, Etiketten und flachgelegte Briefchen, daneben Plakate und Originalentwürfe. Viele ordnen nach Land, Hersteller oder Thema wie Schiffe, Tiere oder Flaggen. Als bekannte Serien nennt die Gesellschaft die schwedischen Reihen „Nursery Land“ und „Pygmy“.
Häufige Fragen
Wer hat das Sicherheitszündholz erfunden?
Das Sicherheitszündholz geht auf den schwedischen Chemiker Gustaf Erik Pasch zurück; nach dem schwedischen Snus- och tändsticksmuseum lief seine Produktion am 1. Oktober 1844 an. Rudolf Christian Böttger entwickelte 1848 in Frankfurt am Main eine Sicherheitszündmasse mit rotem Phosphor. Marktfähig machten das Sicherheitszündholz die Brüder Lundström in Jönköping, ausgezeichnet 1855 in Paris.
Warum zündet ein Sicherheitszündholz nur an der Schachtel?
Der Kopf eines Sicherheitszündholzes enthält Kaliumchlorat und Schwefel, der rote Phosphor sitzt in der Reibfläche der Schachtel. Erst die Reibung bringt beide Bestandteile zusammen. Weißer Phosphor ist in Sicherheitszündwaren nicht erlaubt.
Was ist Phillumenie?
Phillumenie ist das Sammeln von Streichholzschachteln, Etiketten und Zündholzbriefchen. Das Wort Phillumenie prägte nach der britischen Sammlergesellschaft Marjorie S. Evans 1943 aus philos und lumen.
Was wir nicht wissen
Die Seiten der Tees Valley Museums und des Science Museum zu John Walker konnten wir am 15. Oktober 2026 nicht öffnen; Walkers Daten stützen sich auf das Österreichische Patentamt und die Chronik der Sammlergesellschaft. Die Angaben zum Beginn in Jönköping weichen ab (1845 nach dem Museum, 1847 nach der Chronik der Sammlergesellschaft). NDB und ADB datieren Böttgers Lehrtätigkeit am Physikalischen Verein unterschiedlich (1842 und 1835). Das Patentjahr 1844 nennt nur die englische Wikipedia; den Text des britischen Verbotsgesetzes haben wir nicht geprüft.
Den Volltext von Devlins Aufsatz haben wir nicht gelesen, nur die Mitteilung der Universität. Die Angabe zur STAB stammt aus einer touristischen Quelle.
Hinweis: Dieser Beitrag informiert über Design- und Industriegeschichte. Stand: 15.10.2026. Keine Rechtsberatung.
Quellen
- Snus- och tändsticksmuseum: The Safety Match (Geschichte des Sicherheitszündholzes) (öffnet in neuem Tab)
- Österreichisches Patentamt: Striking Ideas. 200 Years of the Matchstick (Nachricht) (öffnet in neuem Tab)
- British Matchbox Label and Bookmatch Society: The Match, from danger to safety (Online-Ausstellung John Walker, Kapitel 6) (öffnet in neuem Tab)
- British Matchbox Label and Bookmatch Society: Chronology of the global match industry (Online-Ausstellung John Walker) (öffnet in neuem Tab)
- British Matchbox Label and Bookmatch Society: Phillumeny and John Walker's legacy (Online-Ausstellung John Walker, Kapitel 12) (öffnet in neuem Tab)
- Gustaf Erik Pasch (Wikipedia, englisch) (öffnet in neuem Tab)
- Robert Klement: Böttger, Rudolf von, in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 410; Robert Knott, in: Allgemeine Deutsche Biographie 47 (1903), S. 143–144 (Deutsche Biographie) (öffnet in neuem Tab)
- Zündwaren, in: Lexikon der Chemie (Spektrum der Wissenschaft) (öffnet in neuem Tab)
- Ben Jones: Matchbox Cover Design, Teil I (Abschlussarbeit BA Typography & Graphic Communication, University of Reading 2004, PDF über matchpro.org) (öffnet in neuem Tab)
- Tändsticksmuseet, Matchstick Museum (Destination Jönköping, jkpg.com) (öffnet in neuem Tab)
- Match Museum, Jönköping (European Route of Industrial Heritage) (öffnet in neuem Tab)
- University of Manchester: Match girls were trailblazers for workers' rights, argues researcher (Nachricht zu Hugh Devlin, British Dental Journal) (öffnet in neuem Tab)
- International Convention respecting the Prohibition of the use of White (Yellow) Phosphorus in the Manufacture of Matches, Bern, 26.09.1906, Treaty Series No. 4 (1909) (UK Foreign, Commonwealth & Development Office, PDF) (öffnet in neuem Tab)
- Berne Convention (1906) (Wikipedia, englisch) (öffnet in neuem Tab)