Porzellan-Orte: Meißen, Fürstenberg, Selb
Meißen (1710), Fürstenberg (1747) und Selb zeigen drei Abschnitte der deutschen Porzellangeschichte: Geheimnis am Hof, Gründung im Herzogtum, Industrie.
Drei Orte in Deutschland zeigen die Geschichte des Porzellans: Meißen an der Elbe, wo 1710 auf dem Burgberg die Manufaktur gegründet wurde, Fürstenberg über der Weser, wo 1747 die Einrichtung einer Manufaktur im Schloss befohlen wurde, und Selb im Fichtelgebirge, wo das Porzellanikon in Fabrikhallen die Industrie zeigt. An jedem dieser Orte erzählt ein Museum einen anderen Abschnitt derselben Geschichte: vom Geheimnis am Hof über die Gründung im Herzogtum bis zur Industrie. Diese Reise führt nach Meißen, nach Fürstenberg und nach Selb, mit einem Abstecher nach Hohenberg an der Eger. Sie folgt den Museen und den Gebäuden.
Zuerst das Material
Das Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin fasst es in einem Satz: „Porzellan besteht aus Kaolin, Feldspat und Quarz.“ Der Scherben sei strahlend weiß, hart, lichtdurchlässig und hell im Klang. Beim Brand sintert er, und deshalb ist Porzellan auch unglasiert flüssigkeitsabweisend.
Den Ausschlag gibt das Kaolin. Das Lexikon der Chemie bei Spektrum beschreibt es als feinteiliges Sedimentgestein, das aus der Verwitterung von Alumosilicaten entstanden ist, besonders von Feldspäten. Reines Kaolin ist weiß. Meist ist es durch Eisen- und Manganverbindungen gefärbt. Für Hartporzellan nennt dasselbe Lexikon eine Mischung aus 50 Prozent Kaolin, 25 Prozent Quarzsand und 25 Prozent Feldspat.
Gebrannt wird zweimal. Der Glühbrand bei 800 bis 1000 °C ergibt einen porösen Scherben, der die Glasur aufnehmen kann. Im Glattbrand wird das glasierte Stück dicht gebrannt, laut Spektrum bei 1410 bis 1420 °C. Das Berliner Museum schreibt, Hartporzellan werde bei bis zu 1450 Grad Celsius gebrannt. Wie sich Porzellan vom dicht gebrannten Steinzeug unterscheidet, steht in unserem Text über Steinzeug und die Deckeldose.
Meißen: das Arkanum auf dem Burgberg
Die Geschichte beginnt mit zwei Männern. Johann Friedrich Böttger galt als Goldmacher, Ehrenfried Walther von Tschirnhaus war Naturwissenschaftler und kursächsischer Rat. Nach dem Deutschen Patent- und Markenamt gelang beiden 1707 zunächst ein rotes Feinsteinzeug, das „Böttgersteinzeug“. Das weiße Hartporzellan folgte. Die Zeittafel der Albrechtsburg datiert die Herstellung europäischen Hartporzellans auf den 15. Januar 1708 in Dresden. Sie nennt Tschirnhaus als den, der Böttger zu den Experimenten riet, und Pabst von Ohain als weiteren Beteiligten. Das Kunstgewerbemuseum Berlin spricht von 1708/09 und verortet den Erfolg in Meißen.
Auch die Gründung der Manufaktur ist 1710 belegt, die Tagesdaten unterscheiden sich. Die Berliner Wandtexte nennen den 23. Januar 1710, die Zeittafel der Albrechtsburg den 6. Juni 1710, auf Geheiß Augusts des Starken. Die Zeittafel der Albrechtsburg führt Böttger als Direktor der Manufaktur; er starb 1719.
Die Rezeptur, das Arkanum, wurde in Meißen nach den Worten des Berliner Museums „eifersüchtig gehütet“. Der Ort passte dazu. Gearbeitet wurde in der Albrechtsburg selbst, vom Keller bis zum Boden; nur das Brennen fand in einem angrenzenden Gebäude statt. 1852 empfahl der Sächsische Altertumsverein, die Produktion zu verlagern. Die Albrechtsburg nennt 1863 als Jahr des Umzugs ins Meißener Triebischtal, das Patent- und Markenamt 1865. Dort hat die Manufaktur bis heute ihren Sitz.
Ein Zeichen begleitet diese Geschichte: die gekreuzten Schwerter. Möglich wurde die Marke nach dem Patent- und Markenamt mit der 1720 erfundenen blauen Unterglasurfarbe; die Schwerter stammen aus dem kursächsischen Wappen. Ab 1731 hatten sie sich durchgesetzt.
Das Museum. Die Albrechtsburg gehört zu den Staatlichen Schlössern, Burgen und Gärten Sachsen. Ihre Dauerausstellung, seit 2011 eingerichtet, hat einen eigenen Teilbereich Porzellan. Zum 300. Gründungstag zeigte die Burg 2010 die Ausstellung „Der Stein der Weis(s)en“. Wer die Räume betritt, steht dort, wo die Manufaktur über 150 Jahre arbeitete.
Fürstenberg: Porzellan im Jagdschloss
An der Weser beginnt die Geschichte als Auftrag eines Landesherrn. Das Museum Schloss Fürstenberg schreibt in seiner Online-Sammlung, Herzog Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel habe die Porzellanmanufaktur gegründet. Geplant wurde demnach ab 1744. Der Befehl zur Einrichtung der Manufaktur im Schloss Fürstenberg datiert vom 11. Januar 1747. Die Normdaten von museum-digital nennen Johann Georg von Langen als Gründer, im Auftrag des Herzogs. Auch das Kunstgewerbemuseum Berlin führt Fürstenberg in seiner Liste der Gründungen mit 1747.
Das Gebäude ist älter als das Porzellan. Die Deutsche Märchenstraße beschreibt es als Bau der Weserrenaissance, zuerst Grenzposten, später Jagdschloss der Herzöge von Braunschweig.
Das Museum. Das Museum Schloss Fürstenberg ist das Museum der Manufaktur und liegt im Schloss. Nach der Märchenstraße verteilt sich die Ausstellung auf acht Themenräume, unter anderem zur Geschichte der Manufaktur, zur Dekorationskunst, zum Design und zur Produktionstechnik.
Selb und Hohenberg: Porzellan als Industrie
Im Nordosten Bayerns wird aus der höfischen Kunst ein Gewerbe. Die Broschüre des Porzellanikons zu seinem 40-jährigen Bestehen beginnt in Hohenberg an der Eger. 1814 kam Carolus Magnus Hutschenreuther dorthin; die Überlieferung nennt dieses Jahr als Gründungsjahr, die Broschüre hält eine spätere Datierung für nötig. 1816 beantragte er die Konzession für eine eigene Porzellanproduktion, 1822 wurde sie erteilt. Gebaut wurde ab 1819 auf dem Gelände eines ehemaligen Alaunwerks. Westlich der Stadt liegt am Steinberg ein Kaolinvorkommen. Seit 1958 erinnert ein Gedenkstein der Städte Hohenberg, Arzberg, Selb und Schirnding daran.
Von dort führt der Weg nach Selb. Lorenz Hutschenreuther, der Sohn, verließ 1856 das Unternehmen und begann im Jahr darauf in Selb mit der Porzellanproduktion. 1866 folgte Jacob Zeidler mit einem Werk in Selb-Plößberg, an der Bahnlinie Hof–Asch. 1879 legte Philipp Rosenthal mit einer Porzellanmalerei auf Schloss Erkersreuth bei Selb den Grundstein für seine Firma. 1917 erwarb er das Plößberger Werk als persönlichen Besitz. 1969/70 wurde die Produktion dort eingestellt.
Aus der stillgelegten Fabrik wurde ein Museum. 1987 kam das Areal auf die Denkmalliste, 1988 kaufte es ein Zweckverband. Nach der European Route of Industrial Heritage stehen dort noch Dampfmaschinen. 2004 eröffnete im ehemaligen Brennhaus das Rosenthal-Museum, 2005 das Europäische Museum für Technische Keramik.
Das Museum. Heute heißt das Haus Porzellanikon, Staatliches Museum für Porzellan. Seit dem 1. Januar 2014 trägt es der Freistaat Bayern. Nach dem Europarat entstand es aus vier Einrichtungen: dem Europäischen Industriemuseum für Porzellan, dem Europäischen Museum für Technische Keramik, dem Rosenthal-Museum und dem Deutschen Porzellanmuseum in Hohenberg. Seit 2018 gehört es zur Europäischen Route der Keramik.
Die beiden Standorte teilen sich die Geschichte. In Hohenberg wurde die Direktorenvilla des Hutschenreuther-Werks am 10. August 1982 als Museum eröffnet. Die Ausstellung dort reicht nach Angaben des Museums vom frühen 18. Jahrhundert bis zur Wende 1989. In Selb lässt sich der Weg vom Rohstoff bis zum bemalten Stück verfolgen, an Maschinen, an einem begehbaren alten Brennofen und in einer Malerei. Die technische Keramik zeigt, wo das Material heute steckt: in Isolatoren für Stromleitungen, in Dichtungen von Wasserhähnen, in Knie- und Hüftgelenken.
Drei Orte, drei Abschnitte
Wer die drei Orte nacheinander besucht, sieht das Material in drei Rollen. In Meißen ist Porzellan ein Staatsgeheimnis hinter Burgmauern. In Fürstenberg ist es das Vorhaben eines Herzogs in einem Jagdschloss. In Selb und Hohenberg ist es Arbeit in Fabriken, mit Bahnanschluss, Kaolin vor der Stadt und Dampfmaschinen in der Halle. Die Rohstoffe bleiben dieselben: Kaolin, Feldspat, Quarz und Feuer.
Häufige Fragen
Woraus besteht Porzellan?
Porzellan besteht nach dem Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin aus Kaolin, Feldspat und Quarz. Für Hartporzellan nennt das Lexikon der Chemie bei Spektrum eine Mischung aus 50 Prozent Kaolin, 25 Prozent Quarzsand und 25 Prozent Feldspat. Gebrannt wird zweimal, im Glühbrand bei 800 bis 1000 °C und im Glattbrand bei 1410 bis 1420 °C oder, nach dem Berliner Museum, bis zu 1450 °C.
Wann und wo wurde europäisches Hartporzellan erfunden?
Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus gelang 1707 zunächst ein rotes Feinsteinzeug, danach folgte das weiße Hartporzellan. Die Zeittafel der Albrechtsburg datiert seine Herstellung auf den 15. Januar 1708 in Dresden, das Kunstgewerbemuseum Berlin spricht von 1708/09 in Meißen. Die Manufaktur in Meißen wurde 1710 gegründet.
Welche Porzellanmuseen gibt es in Meißen, Fürstenberg und Selb?
In Meißen hat die Dauerausstellung der Albrechtsburg einen eigenen Teilbereich Porzellan, dort, wo die Manufaktur über 150 Jahre arbeitete. In Fürstenberg ist das Museum Schloss Fürstenberg das Museum der Manufaktur, mit acht Themenräumen. In Selb und Hohenberg an der Eger zeigt das Porzellanikon, Staatliches Museum für Porzellan, die Industriegeschichte in einer stillgelegten Fabrik und in einer Direktorenvilla.
Was wir nicht wissen
Die Quellen datieren die Gründung in Meißen auf den 23. Januar oder auf den 6. Juni 1710; wie sich beide Daten zueinander verhalten, haben wir nicht belegt. Ob Böttgers Erfolg in Dresden oder in Meißen gelang, beschreiben sie unterschiedlich, ebenso das Jahr des Umzugs ins Triebischtal, 1863 oder 1865. Für den Glattbrand von Hartporzellan nennen sie 1410 bis 1420 °C oder bis zu 1450 °C. Woher die Meißener Manufaktur ihr Kaolin bezog, haben wir nicht am Original geprüft. Seit wann Böttger die Manufaktur leitete und bis wann im Schloss Fürstenberg Porzellan hergestellt wurde, belegen unsere Quellen nicht.
Weiterlesen: Terrazzo: Stein im Guss · Delfter Fliesen: Zinnglasur und Kobaltblau · Seladon: Grün aus Eisen und Feuer
Stand: 13.10.2026. Quellen siehe unten.
Quellen
- Rokokowelten, Museumsjournal (Kunstgewerbemuseum, Staatliche Museen zu Berlin, Pressematerial März 2019) (öffnet in neuem Tab)
- Rokokowelten, Wandtexte (Kunstgewerbemuseum, Staatliche Museen zu Berlin, Pressematerial März 2019) (öffnet in neuem Tab)
- Porzellan (Lexikon der Chemie, Spektrum der Wissenschaft) (öffnet in neuem Tab)
- Kaolin (Lexikon der Chemie, Spektrum der Wissenschaft) (öffnet in neuem Tab)
- Albrechtsburg Meissen: Zeittafel, historische Fakten (Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen) (öffnet in neuem Tab)
- Gekreuzte Schwerter (Deutsches Patent- und Markenamt, 30 Jahre Einheit, Ostmarken) (öffnet in neuem Tab)
- Tabatiere mit Reliefporträt von Herzog Carl I. von Braunschweig, Inv. 396 (Museum Schloss Fürstenberg, museum-digital OWL; Angaben zur Gründung der Manufaktur) (öffnet in neuem Tab)
- Porzellanmanufaktur Fürstenberg (museum-digital, Normdaten) (öffnet in neuem Tab)
- Fürstenberg (Weser) (Deutsche Märchenstraße) (öffnet in neuem Tab)
- 40 Jahre Porzellanikon, Broschüre (Porzellanikon, Staatliches Museum für Porzellan) (öffnet in neuem Tab)
- About us (Porzellanikon, Staatliches Museum für Porzellan) (öffnet in neuem Tab)
- Porzellanikon Museum, Selb State Museum of Porcelain (Europarat, Cultural Routes) (öffnet in neuem Tab)
- Porzellanikon (European Route of Industrial Heritage, ERIH) (öffnet in neuem Tab)