Albarello: das Apothekengefäß mit Taille

Ein Albarello ist ein zylindrisches Vorratsgefäß mit eingezogener Mitte. Die Form kam aus der islamischen Keramik über Valencia nach Italien in die Apotheke.

Text: Redaktion · 8 Minuten · Stand

KI-Agenten haben diesen Text nach festen Regeln recherchiert, geschrieben und geprüft. Verantwortlich: siehe Impressum.

Faktencheck läuft. Einzelne Angaben in diesem Beitrag prüfen wir gerade noch einmal an den Quellen.

Ein Albarello ist ein zylindrisches Vorratsgefäß aus glasierter Keramik, dessen Wandung sich zur Mitte hin leicht einzieht. Laut dem Ashmolean Museum in Oxford stammt die Form unmittelbar aus der islamischen Keramik; aus Iran sind solche Gefäße nach dem Victoria and Albert Museum schon für das späte 12. Jahrhundert belegt. Über die Lüsterkeramik aus Valencia und Manises gelangte die Form nach Italien, wo Albarelli ab dem 15. Jahrhundert in Apotheken und Gewürzläden standen und ihren italienischen Namen tragen.

Auf einen Blick

  • Das Metropolitan Museum of Art (Met) nennt Gefäße mit langgestrecktem zylindrischem Körper und eingezogener Taille Albarelli, Einzahl Albarello.
  • Das Victoria and Albert Museum (V&A) zeigt einen Albarello aus Kaschan in Iran aus dem späten 12. Jahrhundert, 33 Zentimeter hoch.
  • Ein Albarello aus Manises bei Valencia im V&A ist im Katalog auf 1375 bis 1400 datiert.
  • Nach dem V&A wurde Lüsterkeramik aus Valencia in großen Mengen nach Italien ausgeführt; ab etwa 1450 kopierten italienische Töpfer Muster und Formen.
  • Die Taille erleichtert nach V&A und Met das Greifen; verschlossen wurden die Gefäße mit Pergament, Stoff oder Papier.
  • Italienische Albarelli tragen oft ein gemaltes Schriftband mit dem Inhalt, etwa „Ssuc nenuferi“, Seerosensaft, auf einem Gefäß aus Faenza von 1490 bis 1500.

Was ist ein Albarello?

Ein Albarello ist ein Standgefäß für Vorräte, in der Regel ohne festen Deckel; verschlossen wurde es mit Stoff, Papier oder Pergament. Das Met beschreibt in seinem Katalogtext zu einem venezianischen Paar die Gefäße als besonders häufig hergestellte Ware in Standardformen, gemacht, um auf den Regalen von Apotheken und Läden zu stehen. Die Schauseite sei meist reicher bemalt als die Rückseite; die Bemalung helfe heute, ein Stück einer Apotheke, einer Werkstatt oder einem Maler zuzuordnen.

Die Maße schwanken stark. Der Albarello aus Arnstadt im Deutschen Apotheken-Museum ist 14 Zentimeter hoch, ein Gefäß aus Faenza im V&A 17,5 Zentimeter, ein Stück aus Deruta im British Museum 38 Zentimeter. Das Bayerische Nationalmuseum in München verwahrt ein Vorratsgefäß, das das Museum Domenico da Venezia zuschreibt, von 39 Zentimetern Höhe und 30 Zentimetern Durchmesser.

Die europäischen Stücke, die hier genannt werden, sind aus zinnglasierter Irdenware, in Italien Majolika genannt. Jessie McNab erklärt in einem Aufsatz des Met, dass Zinnoxid die Glasur weiß und deckend macht und dass Zinn als teurer Importstoff die Majolika deutlich verteuerte. Wie sich Irdenware von Steinzeug unterscheidet, lesen Sie in Steinzeug und die Deckeldose.

Woher kommt die Form?

Die Form kommt aus der islamischen Keramik des Nahen Ostens. Das Ashmolean Museum schreibt zu einem syrischen Albarello aus dem 14. Jahrhundert, der unmittelbare Ursprung der Form sei islamisch; vermutlich gehe sie auf eine ägyptische Form aus Edelmetall der römischen Zeit zurück. Diese ältere Herleitung formuliert das Museum ausdrücklich als Vermutung.

Frühe Stücke stammen aus Iran. Das V&A zeigt einen Albarello aus Kaschan aus dem späten 12. Jahrhundert, aus Quarzfritte, schwarz unter türkisfarbener Glasur bemalt, mit „leicht eingezogenen Seiten“ (Übersetzung der Redaktion). Das Met besitzt ein Gefäß mit Deckel aus dem Iran der Ilchanidenzeit, zweite Hälfte 13. bis 14. Jahrhundert, in der Lajvardina-Technik mit Blattgold; der Name dieser Glasur leitet sich nach dem Museum vom persischen Wort für Lapislazuli ab.

In Syrien entstand im 14. Jahrhundert Ware mit Unterglasurmalerei in Blau und Schwarz, wie der Albarello im Ashmolean. Seine arabische Inschrift auf der Schulter geht nach dem Museum auf übliche Segenswünsche zurück, ergibt aber keinen Sinn. Islamische Albarelli nennen nach dem Ashmolean selten ihren Inhalt; was in ihnen lag, lässt sich deshalb nicht genau bestimmen.

Wie kam der Albarello nach Europa?

Der Weg führte über die Lüsterkeramik der Iberischen Halbinsel, also Keramik mit metallisch schimmernder Bemalung. Nach dem Katalogtext des Met zu einem Teller aus Manises entstand die Lüstertechnik im 9. Jahrhundert unter den Abbasiden im heutigen Irak, erreichte die Iberische Halbinsel bis zum 12. Jahrhundert und hatte ihren Schwerpunkt im 15. Jahrhundert in Manises bei Valencia, wo christliche und muslimische Töpfer arbeiteten.

Aus Manises stammt ein Albarello im V&A, im Katalog datiert 1375 bis 1400, 38 Zentimeter hoch, mit Schachbrettmuster in Lüster und Blau. Ein Gefäß aus Valencia von etwa 1450 bis 1475 ist mit Efeublättern in Blau und Lüster bemalt.

Zu diesem Stück hält das V&A fest, dass solche Gefäße in wohlhabenden Haushalten auch getrocknete Früchte wie Rosinen aufnahmen. Lüsterkeramik aus Valencia sei in großen Mengen nach Italien ausgeführt worden. Ab etwa 1450 kopierten italienische Töpfer valencianische Muster und Formen, zunächst mit Orange oder Violett neben Blau; den Lüster beherrschten sie nach dem Museum um 1500.

Wie sieht der italienische Albarello aus?

In Italien wurde der Albarello zur Majolika mit Wappen, Ornament und Schriftband. McNab nennt Florenz als führendes Zentrum im 15. Jahrhundert; seine Werkstätten hätten ein Verfahren verbessert, das man aus dem islamischen Spanien kannte. Dem Florentiner Raum ordnet das V&A, gestützt auf eine Zuschreibung von Cora, einen Albarello von etwa 1450 bis 1470 zu, mit dem Wappen der Familie Marzalogli oder Buffoni aus Bologna, in Blau und Gelb bemalt.

Faenza und Deruta zählt McNab zu den bedeutenden Zentren vor 1500; in Deruta spezialisierten sich mehrere Werkstätten auf Lüsterfarben. Der Albarello des British Museum aus Deruta, vielleicht aus der Werkstatt der Familie Masci, trägt die Jahreszahl 1501 und auf der Vorderseite einen Kranz mit einer Kampfszene. Ein Deruta-Gefäß im V&A von etwa 1510 zeigt einen Lorbeerkranz mit einem Band in gotischen Buchstaben; unter dem Boden sind die Zahl 28 und weitere Apothekenzeichen eingeritzt.

Venedig nennt McNab unter den Zentren des 16. Jahrhunderts. Aus dieser Zeit stammt das Paar im Met, um 1550 bis 1570, 32 Zentimeter hoch. Das Münchner Gefäß des Domenico da Venezia ist nach dem Museum mit Ranken und menschlichen Köpfen auf blauem Grund bemalt; als Herkunft nennt das Museum Venedig oder Sizilien.

Warum hat der Albarello eine Taille?

Die eingezogene Mitte dient vor allem dem Griff. Das Met schreibt, die zylindrische Form sei in der Mitte schmaler, damit man das Gefäß leichter fassen könne; das V&A sagt dasselbe über das mit Efeublättern bemalte Gefäß aus Valencia.

Zum Verschluss gehört der Rand. Nach dem Met hielt eine ausgestellte Lippe Verschlüsse aus Stoff oder Papier, nach dem V&A wurde Pergament am Hals festgebunden. Einen festen Deckel brauchte das Gefäß dafür nicht. Der Deckel des iranischen Stücks im Met zeigt, dass es auch Ausnahmen gab.

Was steht auf den Gefäßen?

Italienische Albarelli tragen oft den Namen des Inhalts, auf Latein und in Abkürzung. Das Ashmolean nennt solche Inschriften als Beleg dafür, dass die Gefäße in Gewürzläden oder Spitalapotheken standen. Auf dem Gefäß aus Faenza im V&A steht in gotischer Schrift „Ssuc nenuferi“, nach dem Museum Seerosensaft. Das Deruta-Gefäß von etwa 1510 trägt „Ioc Sanum“; das Museum beschreibt den Inhalt als Zubereitung von honigartiger Konsistenz.

Auch nördlich der Alpen blieb das Prinzip erhalten. Das Deutsche Apotheken-Museum im Heidelberger Schloss besitzt einen tonnenförmigen Albarello aus Arnstadt in Thüringen, 17. Jahrhundert, aus Fayence mit Blaumalerei, 14 Zentimeter hoch. Im selben Eintrag steht eine Sirupkanne aus Arnstadt, die nach dem Museum zu einer Kannengruppe für die Ratsapotheke in Eisenach gehört.

Die Beschriftung macht das Gefäß zum Teil eines Systems: gleiche Form, gleiche Größe, verschiedene Namen. Dieselbe Logik prägt später die Glasgefäße der Apotheke, über die Braun, violett, blau: Glas in der Apotheke berichtet. Wo Sie Apothekenkeramik sehen können, sammelt Sammlungen und Ausstellungen.

Häufige Fragen

Was ist ein Albarello?

Ein Albarello ist ein zylindrisches, glasiertes Keramikgefäß mit leicht eingezogener Mitte, in der Regel ohne festen Deckel. Ein Albarello diente als Vorratsgefäß in Apotheken, Gewürzläden und Haushalten. Die Gefäße standen in Reihen im Regal und trugen in Italien oft ein Schriftband mit dem Inhalt.

Woher kommt die Form des Albarello?

Nach dem Ashmolean Museum ist der unmittelbare Ursprung der Albarello-Form islamisch; Stücke aus Iran sind für das späte 12. Jahrhundert belegt, aus Syrien für das 14. Jahrhundert. Über die Lüsterkeramik aus Valencia und Manises kam die Form nach Italien. Dort kopierten Töpfer nach dem V&A ab etwa 1450 valencianische Muster und Formen.

Warum hat ein Albarello eine Taille?

Die eingezogene Mitte eines Albarello erleichtert nach dem Metropolitan Museum und dem V&A das Greifen. Verschlossen wurden die Gefäße mit Pergament, Stoff oder Papier, das am Hals oder am ausgestellten Rand befestigt wurde. Ein fester Deckel war deshalb nicht nötig.

Was wir nicht wissen

Woher das Wort Albarello kommt, ist nicht geklärt. Die englische Wikipedia nennt unter Berufung auf das Oxford English Dictionary einen Beleg von 1344 in der Form „alberello“ und mehrere Herleitungen, darunter das lateinische albus, weiß, und ein arabisches Wort für ein Gefäß; das Wörterbuch selbst haben wir nicht geöffnet, deshalb lassen wir die Frage offen.

Die Herleitung aus einer römisch-ägyptischen Metallform ist beim Ashmolean eine Vermutung. Ob die iranischen Gefäße des 12. Jahrhunderts schon als Apothekengefäße dienten, sagen die geöffneten Katalogeinträge nicht. Für den Albarello aus Manises nennt das V&A im Katalog 1375 bis 1400, auf dem Saalschild um 1400 bis 1450 und „wahrscheinlich Manises“. Den Katalog von Anthony Ray zur spanischen Keramik, auf den sich das V&A stützt, haben wir nicht eingesehen. Zur Entstehung des Wortes Majolika haben wir keine geöffnete Quelle, darum führen wir sie nicht aus. Die Website des Deutschen Apotheken-Museums selbst haben wir nicht geöffnet; die Angaben stammen aus dem Eintrag bei museum-digital. Ob die genannten Stücke derzeit ausgestellt sind, kann sich ändern.

Hinweis: Dieser Beitrag behandelt die Geschichte eines historischen Gefäßes. Er wirbt für keine Apotheke und macht keine Aussagen über die Wirkung von Arzneien. Stand: 15.10.2026.

Quellen

  1. Ashmolean Museum, Yousef Jameel Centre for Islamic and Asian Art: Albarello, or storage jar, with vegetal and epigraphic decoration, Syrien, 14. Jh., EA1978.1683 (öffnet in neuem Tab)jameelcentre.ashmolean.org · abgerufen am
  2. Jessie McNab: Maiolica in the Renaissance (The Metropolitan Museum of Art, Heilbrunn Timeline of Art History, Oktober 2002) (öffnet in neuem Tab)metmuseum.org · abgerufen am
  3. Victoria and Albert Museum: Albarello, Iran (Kaschan), spätes 12. Jh., 325-1903 (öffnet in neuem Tab)collections.vam.ac.uk · abgerufen am
  4. The Metropolitan Museum of Art: Covered Jar (Albarello), Iran, 2. Hälfte 13. bis 14. Jh., 57.61.12a, b (öffnet in neuem Tab)metmuseum.org · abgerufen am
  5. The Metropolitan Museum of Art: Plate, Spanien (wohl Manises), 1450–70, 56.171.125 (öffnet in neuem Tab)metmuseum.org · abgerufen am
  6. Victoria and Albert Museum: Drug jar (albarello), Manises, 1375–1400, C.122-1931 (öffnet in neuem Tab)collections.vam.ac.uk · abgerufen am
  7. Victoria and Albert Museum: Drug jar, Valencia, um 1450–75, 10-1907 (öffnet in neuem Tab)collections.vam.ac.uk · abgerufen am
  8. Victoria and Albert Museum: Drug jar (albarello), Italien, um 1450–70, 372-1889 (öffnet in neuem Tab)collections.vam.ac.uk · abgerufen am
  9. Victoria and Albert Museum: Drug jar, Faenza, 1490–1500, 708-1894 (öffnet in neuem Tab)collections.vam.ac.uk · abgerufen am
  10. Victoria and Albert Museum: Drug jar (albarello), Deruta, um 1510, C.2094-1910 (öffnet in neuem Tab)collections.vam.ac.uk · abgerufen am
  11. British Museum: Albarello, Deruta, 1501, 1855,1201.61 (öffnet in neuem Tab)britishmuseum.org · abgerufen am
  12. The Metropolitan Museum of Art: Storage jar (one of a pair), Venedig, um 1550–70, 41.100.275 (öffnet in neuem Tab)metmuseum.org · abgerufen am
  13. Bayerisches Nationalmuseum: Sehr großes Apotheker-Vorratsgefäß, Albarello, Domenico da Venezia, um 1560–1580, Ker 3421 (öffnet in neuem Tab)bayerisches-nationalmuseum.de · abgerufen am
  14. Deutsches Apotheken-Museum über museum-digital: Sirupkanne und Albarello aus Arnstadt in Thüringen, 17. Jh. (öffnet in neuem Tab)bawue.museum-digital.de · abgerufen am
  15. Wikipedia (englisch): Albarello (nur ergänzend) (öffnet in neuem Tab)en.wikipedia.org · abgerufen am

Weiterlesen

Die Sonntagsausgabe

Drei Objekte, ein Ort und eine Frage, mit Quelle und Stand-Datum. Jeden Sonntag.

Mehr über die Sonntagsausgabe

Sie erhalten eine E-Mail zur Bestätigung (Double-Opt-in). Abmelden ist jederzeit möglich.

CULTIVÉ

CULTIVÉ richtet sich an Erwachsene. Bitte bestätigen Sie, dass Sie mindestens 18 Jahre alt sind.

Seite verlassen

Wir speichern Ihre Bestätigung nur auf diesem Gerät.