Bergpark Wilhelmshöhe: Wasser als Bauwerk

Im Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel laufen Kaskade, Wasserfälle und Fontäne ohne Pumpen, allein über das Gefälle. Seit 2013 ist er UNESCO-Welterbe.

Text: Redaktion · 6 Minuten · Stand

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Der Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel ist ein Bauwerk aus Wasser an einem Hang, begonnen 1689 unter Landgraf Carl von Hessen-Kassel und seit 2013 UNESCO-Welterbe; seine Wasserkünste funktionieren ohne Pumpen, allein über das Gefälle. Oben steht ein Oktogon mit einer Herkulesfigur, darunter eine lange Kaskade, weiter unten Wasserfälle, ein Aquädukt, eine Fontäne und unterhalb der Wasserkünste das Schloss. Was den Park zusammenhält, ist nicht eine Blickachse allein, sondern ein Weg, den das Wasser nimmt. Dieser Guide folgt ihm von oben nach unten.

Ein Landgraf und ein Hang

Der Bauherr ist Landgraf Carl von Hessen-Kassel. Die gelesenen Quellen schreiben den Namen mit C. Nach KuLaDig, dem Kulturlandschaftsportal des Landschaftsverbands Rheinland, lebte er von 1654 bis 1730 und begann die Wasserkünste zum Ende des 17. Jahrhunderts. Die UNESCO nennt als Beginn das Jahr 1689 und beschreibt eine Anlage, die um eine Ost-West-Achse angelegt ist.

Das Nominierungsdossier, mit dem das Land Hessen die Aufnahme in die Welterbeliste beantragte, schildert den Anfang so: Carl erkannte die Topografie des Ortes und plante die Wasserkünste. 1699 und 1700 reiste er nach Italien. In Rom lernte er den Architekten Giovanni Francesco Guerniero kennen, der nach dem Dossier um 1665 geboren wurde und 1745 starb. Carl nahm ihn mit nach Kassel und betraute ihn mit der Ausführung der Anlage. Seit Oktober 1701 leitete Guerniero den Bau.

Das Oktogon und der Herkules

Die barocken Wasserkünste entstanden nach dem Dossier in den Jahren 1689 bis 1717. Oben steht das Oktogon, ein achteckiger Bau, den das Dossier mit rund 60 Metern Höhe angibt. Am 19. September 1713 wurde der Plan nach derselben Quelle erweitert: um eine Pyramide und eine monumentale Nachbildung des Herkules Farnese, einer antiken Statue.

Die UNESCO beschreibt die Figur als aus Kupferblechen gefertigt und 11,5 Meter hoch. Die englische Wikipedia nennt eine andere Höhe, 8,25 Meter, und datiert das Monument auf 1701 bis 1717. Die Abweichung lässt sich mit den gelesenen Quellen nicht auflösen. Als Werkstoff nennen beide Kupfer, KuLaDig ebenso: eine Großskulptur aus getriebenem Kupfer. Wie Kupfer altert, beschreibt unser Beitrag Patina: wie Kupfer und Messing altern.

Wasser ohne Pumpen

Hinter dem Herkules liegen die Speicher. Die UNESCO schreibt von Reservoirs und Kanälen hinter dem Monument, die ein System hydropneumatischer Vorrichtungen versorgen, also Vorrichtungen, die mit Wasser und Luftdruck arbeiten. Dazu gehören nach der UNESCO das barocke Wassertheater, eine Grotte, Fontänen und die Große Kaskade.

Das Dossier nennt die Speicher mit Namen und Höhen. Das Sichelbachreservoir fasst 40.000 Kubikmeter und liegt auf 541 Metern über dem Meer. Darunter folgen der Feuerlöschteich auf 530 und der Unglücksteich auf 502 Metern. Der entscheidende Satz im Dossier ist kurz: „Die Wasserkünste im Bergpark funktionieren ausnahmslos aufgrund des vorhandenen Gefälles.“ Pumpwerke braucht es also nicht. Das Wasser wird oben gesammelt, den Rest erledigt der Höhenunterschied. Die englische Wikipedia beschreibt das System ähnlich, als Druck aus Reservoirs und unterirdischen Leitungen, und ergänzt, dass die Schleusen von Hand geöffnet werden.

Die Kaskade als Treppe

Unterhalb des Oktogons beginnt die Große Kaskade. Nach dem Dossier strömt das Wasser hier auf einer Länge von 350 Metern abwärts, der Höhenunterschied beträgt 109 Meter. Das ergibt eine durchschnittliche Neigung von etwa 31 Prozent, als Höchstwert nennt das Dossier rund 61 Prozent. Die UNESCO gibt die Länge ebenfalls mit 350 Metern an. Sie beschreibt den Weg des Wassers über die barocke Kaskade bis zum Neptunbassin.

Wer die Anlage als Bauwerk betrachtet, sieht hier eine Treppe, die nicht für Menschen gedacht ist. Jede Stufe, jedes Becken bremst und leitet das Wasser. Das Gefälle, das den Park antreibt, ist an dieser Stelle zugleich sein deutlich sichtbares Gestaltungsmittel.

Vom Barock zur Romantik

Die Wasserkünste sind nicht in einem Zug entstanden. Nach der UNESCO wurde die Anlage bis ins 19. Jahrhundert weiterentwickelt. Unter Carls Urenkel, dem späteren Kurfürsten Wilhelm I., kam ein Landschaftsgarten der Romantik hinzu, mit Wasserfällen und Stromschnellen. Das Dossier führt diesen Fürsten als Landgraf Wilhelm IX., der von 1785 bis 1821 regierte und seit 1803 Kurfürst war.

Für diese Phase nennt das Dossier mehrere Namen. Die Wasserfälle entstanden zwischen 1785 und 1828. Den Wassersturz am Aquädukt und den Wasserfall an der Teufelsbrücke schufen nach dem Dossier der Architekt Heinrich Christoph Jussow und der Brunnenmeister Carl Steinhofer gemeinsam. Steinhofer lebte von 1747 bis 1829; der Steinhöfer Wasserfall trägt heute seinen Namen. Den Neuen Wasserfall baute Steinhofer nach dem Dossier von 1826 bis 1828. Er wurde nach derselben Quelle seit 1943 nicht mehr geflutet. Die UNESCO bestätigt, dass alle Wasserspiele außer dem Neuen Wasserfall noch betrieben werden können.

KuLaDig beschreibt den Ablauf der Wasserspiele an fünf zentralen Stationen, darunter die barocken Kaskaden, der Steinhöfer Wasserfall und die Teufelsbrücke. Dafür werden nach dieser Quelle 750.000 Liter Wasser eingesetzt.

Die Fontäne

Am Ende des Weges steht die Große Fontäne. Die UNESCO beschreibt sie als Geysir von 50 Metern Höhe, gebaut 1767. Das Dossier nennt ebenfalls rund 50 Meter und erklärt, dass auch sie allein vom natürlichen Druck des Gefälles getrieben wird. Unter Landgraf Friedrich II. war sie um 1767 voll funktionsfähig. Später wurde sie umgestaltet; das Dossier nennt dafür an einer Stelle 1789 (Zuleitung und Fontänenkopf), an einer anderen die Zeit vor 1783 (Fontänenkopf).

Schloss Wilhelmshöhe

Unterhalb der Wasserkünste liegt das Schloss. Nach dem Dossier wurde es zwischen 1786 und 1798 am Platz des alten Renaissanceschlosses gebaut. Bauherr war Wilhelm IX. Die Ludwig Stiftung beschreibt das klassizistische Schloss als in Etappen errichtet, beginnend 1786. Die englische Wikipedia nennt Simon Louis du Ry und Heinrich Christoph Jussow als Architekten.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss nach der Ludwig Stiftung schwer beschädigt, danach wiederhergestellt und für die Nutzung als Museum umgestaltet. Heute beherbergt es nach derselben Quelle eine Antikensammlung, eine Gemäldegalerie Alter Meister und eine Graphische Sammlung. Zu den Bauten des Kurfürsten gehört auch die Löwenburg, die das Dossier als Burg in mittelalterlichem Stil beschreibt.

Welterbe seit 2013

2013 nahm die UNESCO den Bergpark in die Welterbeliste auf, nach den Kriterien iii und iv. Für Kriterium iii sieht die UNESCO im Herkules und den Wasserspielen ein Symbol der Epoche des europäischen Absolutismus. Für Kriterium iv beschreibt sie die Wasserspiele als Beispiel monumentaler Wasserbauten. Die Fläche der Welterbestätte beträgt nach der UNESCO 558,7 Hektar, dazu kommt eine Pufferzone von 2.665,7 Hektar. Zur Echtheit hält die UNESCO fest, die für die Wasserspiele nötige Technik sei vollständig und funktionsfähig erhalten.

Die Institution

Der Bergpark ist nach dem Dossier eine Liegenschaft der Museumslandschaft Hessen Kassel. Sie ist zugleich Trägerin der Museen im Schloss. Die Ludwig Stiftung führt die Institution unter dem Namen Hessen Kassel Heritage. Für Öffnungszeiten, Eintritt und die Termine der Wasserspiele gilt, was die Institution selbst angibt.

Wie man den Park liest

Man kann den Bergpark wie die Fabrik eines anderen Jahrhunderts lesen. Oben liegen die Speicher, in der Mitte die Leitung, unten das Ergebnis. Das Wasser ist dabei Rohstoff und Werkstück zugleich. Wer vorher im Fagus-Werk war, kennt den Gedanken, dass sich ein Bau aus seinem Ablauf erklärt. In Kassel ist dieser Ablauf ein Gefälle, allein an der Kaskade 109 Meter.

Häufige Fragen

Wie funktionieren die Wasserkünste im Bergpark Wilhelmshöhe?

Die Wasserkünste im Bergpark funktionieren nach dem Nominierungsdossier ausnahmslos über das vorhandene Gefälle, Pumpwerke braucht es nicht. Das Wasser wird oben in Speichern gesammelt, etwa im Sichelbachreservoir mit 40.000 Kubikmetern auf 541 Metern über dem Meer. Auch die Große Fontäne wird nach dem Dossier allein vom natürlichen Druck des Gefälles getrieben.

Wie hoch ist der Herkules in Kassel?

Die UNESCO gibt die Herkulesfigur auf dem Oktogon mit 11,5 Metern an, die englische Wikipedia mit 8,25 Metern; die Abweichung ist mit den gelesenen Quellen nicht aufzulösen. Die Figur ist eine Nachbildung des Herkules Farnese aus Kupfer. Das Oktogon darunter ist nach dem Dossier rund 60 Meter hoch.

Seit wann ist der Bergpark Wilhelmshöhe Welterbe?

Die UNESCO hat den Bergpark Wilhelmshöhe 2013 in die Welterbeliste aufgenommen, nach den Kriterien iii und iv. Sie sieht im Herkules und den Wasserspielen ein Symbol der Epoche des europäischen Absolutismus und ein Beispiel monumentaler Wasserbauten. Die Welterbestätte umfasst 558,7 Hektar, dazu kommt eine Pufferzone von 2.665,7 Hektar.

Was wir nicht wissen

Die Höhe der Herkulesfigur geben die Quellen unterschiedlich an, 11,5 Meter bei der UNESCO und 8,25 Meter bei der englischen Wikipedia. Wer das Schloss entworfen hat, belegt nur die Wikipedia; das Dossier nennt für das Schloss keinen Architekten. Wann die Große Fontäne umgestaltet wurde, gibt das Dossier an zwei Stellen unterschiedlich an, 1789 und vor 1783. Das Nominierungsdossier trägt im gelesenen Exemplar kein Erscheinungsjahr. Eine Seite der Museumslandschaft selbst haben wir nicht geöffnet, auch nicht zur Frage, seit wann sie unter dem Namen Hessen Kassel Heritage auftritt.

Stand: 14.10.2026. Quellen siehe unten.

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