Hanf im Shintō: asa in Japan

Hanf, japanisch asa, dient im Shintō vor allem als Faser für Reinigungsstäbe und Ise-Seile. 2020 gab es laut Ministerium in Japan noch 30 Anbauer.

Text: Redaktion · 7 Minuten · Stand

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Laut dem japanischen Gesundheitsministerium gab es 2020 in Japan noch 30 Hanfanbauer mit zusammen 7 Hektar; als Zwecke des Anbaus nennt es Faser für Shintō-Rituale und das Stängelinnere für Feste. Hanf, japanisch asa (麻) oder taima (大麻), ist im Shintō, der einheimischen Religion Japans, vor allem Material: Aus der Faser werden Bänder für Reinigungsstäbe gefertigt, für den Ise-Schrein auch heilige Seile. Das Amulett des Ise-Schreins, das jedes Jahr an Haushalte im ganzen Land verteilt wird, heißt Jingū taima. Seit einem Gesetz von 1948 braucht der Anbau eine Erlaubnis, eine Reform von 2023 ordnet ihn seit 2024 und 2025 neu.

Was bedeuten asa und taima?

Beide Wörter bezeichnen im heutigen Japanisch den Hanf, taima hat aber auch eine religiöse Bedeutung. Das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales (MHLW) spricht in seinen Unterlagen vom taimasō (大麻草), der Hanfpflanze. Im religiösen Wortschatz ist taima zugleich ein Name für den Reinigungsstab: Das Amulett aus Ise hieß nach der Encyclopedia of Shinto der Kokugakuin-Universität früher ōharai taima, und in seiner Bedeutung stecken der Reinigungsstab harae no nusa und das kaiserliche Siegel.

Für asa ist die Übersetzung nicht immer eindeutig. Dieselbe Enzyklopädie gibt asa im Eintrag zum Reinigungsstab mit „flax“ wieder, also Flachs, und der englische Wikipedia-Artikel zum Ise-Amulett nennt Ramie. Die Übersetzungen deuten darauf hin, dass asa auch als Sammelwort für Bastfasern dient, also für Fasern aus dem Stängel von Pflanzen.

Wie wurde Hanf in Japan genutzt?

Hanf war lange eine Alltagsfaser. Der Volkskundler Shinozaki Shigeo beschreibt im Bulletin des Nationalmuseums für japanische Geschichte (2014), dass Hanf einst in ganz Japan angebaut wurde. Von der Edo-Zeit bis in die frühe Shōwa-Zeit war er in Tochigi, Nagano und Hiroshima eine Handelsfrucht; aus der Faser entstanden Riemen für Geta-Sandalen, Fischernetze und Seile. In den Bergregionen des Nordostens und der Landesmitte, wo Baumwolle schlecht gedieh, bauten Familien ihn mindestens bis vor dem Zweiten Weltkrieg für den eigenen Bedarf an, auch für Kleidung.

Zur Frage, seit wann es Hanf in Japan gibt, argumentiert Shinozaki vorsichtig. Wenn im Jōmon-Zeitalter Hanf wuchs, hätten die Menschen ihn auch ohne Spezialwerkzeug verarbeiten können; das ist ein Schluss aus ethnographischen Beispielen, kein Fundbericht. Der Journalist Jon Mitchell verweist auf Samen und Gewebe aus der Jōmon-Zeit im Westen Japans. Wie die Pflanze nach Ostasien kam, erzählt Woher der Hanf kommt, wie aus dem Stängel Faser wird, Hanffaser als Material.

Wofür braucht der Shintō die Faser?

Hanf und verwandte Bastfasern gehören im Shintō zu den alten Materialien der Reinigung; sichtbar wird das am Reinigungsstab. Der ōnusa ist nach Motosawa Masashi ein ehrender Name für nusa, einen Stab für Reinigungsriten. Frühe nusa bestanden vor allem aus dem inneren Bast des Papiermaulbeerbaums (yū) und aus asa-Fasern, später kamen Gewebe und Papier hinzu. Die Papierstreifen (shide) aus Leinen oder Papier werden an einem Sakaki-Zweig befestigt oder an einem sechs- oder achtkantigen Holzstab, dem haraegushi.

Beim Seil ist das Bild gemischter. Ein shimenawa markiert nach der Kokugakuin-Enzyklopädie einen heiligen oder reinen Bezirk, etwa vor dem Allerheiligsten eines Schreins oder am Eingang eines Bezirks. Der Eintrag nennt als Material Stroh und Papierstreifen, keinen Hanf. Für Ise gibt es eine eigene Angabe: Nach der Präfektur Tochigi wird ihr veredelter Hanf, Yashū-asa (野州麻) genannt, auch für die shimenawa des Ise-Schreins verwendet.

Als zweiten Zweck nennt das Ministerium die ogara, das holzige Stängelinnere, etwa für die Fackeln eines Sannō-Fests.

Was ist das Jingū taima?

Das Jingū taima ist das Amulett des Ise-Schreins, das jedes Jahr an Haushalte im ganzen Land verteilt wird. Nach Nakanishi Masayuki verbreiteten seit der späten Heian-Zeit Schreinpriester aus Ise, die oshi, die Verehrung Ises und gaben jedem Haushalt ein Amulett; in der Mitte der Edo-Zeit waren in Uji und Yamada mehr als 800 oshi tätig. Ein Dokument von 1777 zählt rund 4,3 Millionen Haushalte, etwa 89 Prozent des Landes.

1871 verloren die oshi das Recht zur Verteilung, 1872 übernahm die Schreinverwaltung Herstellung und Ausgabe, und die Amulette erhielten den Namen Jingū taima. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellt das Amulettbüro der Schreinverwaltung sie her, der Schreinverband Jinja Honchō verteilt sie. 1992 waren es nach Nakanishi 9.253.137 Stück, 2011 nach Wikipedia rund 8,9 Millionen. In seiner bekanntesten Form ist das Amulett nach der englischen Wikipedia ein Holztäfelchen mit einem Span aus Zedernholz, eingeschlagen in Papier aus Ise. Okada Yoshiyuki zählt es zu den shinsatsu, den Schreintafeln, die oft auf dem Hausaltar kamidana stehen. Ob das heutige Amulett Hanffaser enthält, geht aus den geöffneten Quellen nicht eindeutig hervor; Wikipedia nennt seinen Kern auch asakushi (麻串), Hanfspieß.

Wer baut den Hanf heute an?

Der Anbau ist klein geworden und konzentriert sich auf wenige Anbauer. Nach einer Übersicht des Ministeriums gab es 2011 landesweit 50 Hanfanbauer mit 5 Hektar, 2020 waren es 30 mit 7 Hektar. Mitchell zählte 2014 weniger als 60 genehmigte Betriebe und nennt für 1948 mehr als 25.000; die Zahlen stammen aus unterschiedlichen Zählungen und lassen sich nicht direkt vergleichen.

Tochigi im Norden der Kantō-Ebene steht bei der Erntemenge von asa nach Angaben der Präfektur landesweit vorn, und ihr Yashū-asa gilt dort als fest und wertvoll. Viele genehmigte Betriebe bauen nach Mitchell eine THC-arme Sorte namens Tochigi shiro an. Wie sehr der Anbau an den Ritualen hängt, zeigte die Pandemie: Als Feste ausfielen, erlaubte das Ministerium in einem Schreiben, überschüssige Faser auch an Schreine in anderen Präfekturen sowie an Textil-, Papier- und Instrumentenhandwerk abzugeben. Zur Papierseite des Materials lesen Sie Hanfpapier, eine Papiergeschichte.

Was regelt das Recht?

Das japanische Recht verlangt für den Hanfanbau eine Erlaubnis; Grundlage ist seit 1948 ein eigenes Cannabiskontrollgesetz, das 2023 reformiert wurde (Stand: 15.10.2026, keine Rechtsberatung). Tempei Miyaji und Kollegen haben die Entstehung des Gesetzes anhand amtlicher Akten von 1945 bis 1948 untersucht. Danach hatte das Hauptquartier der Besatzungsmächte ein allgemeines Betäubungsmittelgesetz verlangt, Japan entschied sich aber, Cannabis gesondert zu regeln; das Verbot von Arzneimitteln aus Cannabis in Artikel 4 sollte nach den Akten die Hanfbauern schützen.

Das Änderungsgesetz (Reiwa 5, Gesetz Nr. 84) wurde am 13. Dezember 2023 verkündet. Nach dem Ministerium gilt seit dem 12. Dezember 2024 die unerlaubte Verwendung von Cannabis als Straftat nach dem Betäubungsmittelgesetz. Cannabis und THC zählen nun als Betäubungsmittel; Erzeugnisse unterhalb festgelegter THC-Restwerte sind nach dem Ministerium davon ausgenommen. Laut Jiji Press stieg die Höchststrafe für Besitz und Weitergabe von fünf auf sieben Jahre. Das Verbot von Arzneimitteln aus Cannabis entfiel. Mit der zweiten Stufe am 1. März 2025 wurde vor allem der Anbau neu geregelt; das alte Gesetz trägt nach der Reform den Namen „Gesetz über die Regulierung des Anbaus von Cannabis“ und kennt zwei Erlaubnisse: eine für Rohstoffe zu Hanferzeugnissen, mit Saatgut von Pflanzen mit höchstens 0,3 Prozent Δ9-THC, und eine für Arzneimittelrohstoffe. Etwa fünf Jahre nach Inkrafttreten soll die Regierung die Anwendung des Gesetzes überprüfen. Den europäischen Strang der Hanfgeschichte erzählt Eine kurze Geschichte des Hanfs.

Häufige Fragen

Welche Rolle spielt Hanf im Shintō?

Hanf und verwandte Bastfasern, japanisch asa, dienen im Shintō vor allem als Material, etwa für Reinigungsstäbe wie den ōnusa und, am Ise-Schrein, für heilige Seile. Das japanische Gesundheitsministerium nennt als Zweck des heutigen Hanfanbaus Faser für Shintō-Rituale und das Stängelinnere für Feste.

Was bedeutet Jingū taima?

Jingū taima ist der Name des Amuletts des Ise-Schreins, das jedes Jahr an Haushalte im ganzen Land verteilt wird; den Namen trägt das Amulett seit 1872. Taima bezeichnet hier den Reinigungsstab, in der Alltagssprache zugleich den Hanf. 1992 wurden nach der Encyclopedia of Shinto 9.253.137 Amulette verteilt.

Ist Hanfanbau in Japan erlaubt?

Hanfanbau ist in Japan nur mit Erlaubnis zulässig. Seit der Reform kennt das Gesetz über die Regulierung des Anbaus von Cannabis eine Erlaubnis für Rohstoffe zu Hanferzeugnissen und eine für Arzneimittelrohstoffe (Stand: 15.10.2026, keine Rechtsberatung). 2020 gab es nach dem japanischen Gesundheitsministerium 30 Hanfanbauer.

Was wir nicht wissen

Den Gesetzestext auf dem Portal e-Gov haben wir nicht geöffnet; die Angaben zur Reform folgen dem Ministerium und dem Fachverlag Shin-Nippon Hōki. Ein Diagramm in der Ministeriumsübersicht nennt 37.313 Anbauer, aber kein Jahr; wir übernehmen die Zahl deshalb nicht. Gründe für den Rückgang des Anbaus nennt die Übersicht nicht. Welche Faser in einzelnen Schreinen tatsächlich verwendet wird, Hanf, Flachs oder Ramie, lässt sich aus den geöffneten Quellen nicht allgemein sagen. Fundberichte zu Hanf aus der Jōmon-Zeit haben wir nicht geöffnet. Die Untersuchung von Miyaji und Kollegen kennen wir nur aus der Kurzfassung.

Hinweis: Dieser Beitrag informiert über Geschichte, Kultur und Rechtslage und ruft weder zum Konsum noch zum Erwerb von Cannabis auf. Keine Rechtsberatung. Stand: 15.10.2026.

Quellen

  1. Nakanishi Masayuki: Jingū taima (Encyclopedia of Shinto, Kokugakuin University Digital Museum) (öffnet in neuem Tab)d-museum.kokugakuin.ac.jp · abgerufen am
  2. Motosawa Masashi: Ōnusa (Encyclopedia of Shinto, Kokugakuin University Digital Museum) (öffnet in neuem Tab)d-museum.kokugakuin.ac.jp · abgerufen am
  3. Motosawa Masashi: Shimenawa (Encyclopedia of Shinto, Kokugakuin University Digital Museum) (öffnet in neuem Tab)d-museum.kokugakuin.ac.jp · abgerufen am
  4. Okada Yoshiyuki: Shinsatsu, Mamorifuda (Encyclopedia of Shinto, Kokugakuin University Digital Museum) (öffnet in neuem Tab)d-museum.kokugakuin.ac.jp · abgerufen am
  5. Wikipedia (englisch): Jingū taima (ergänzend) (öffnet in neuem Tab)en.wikipedia.org · abgerufen am
  6. Shinozaki Shigeo: Folkloric Study of Hemp Utilization. To Investigate the Usage of Hemp in the Jomon Period. Bulletin of the National Museum of Japanese History 187 (2014), S. 405–424 (Repositorium des Rekihaku) (öffnet in neuem Tab)rekihaku.repo.nii.ac.jp · abgerufen am
  7. Präfektur Tochigi: Hauptsächliche Agrarprodukte, Abschnitt zu 麻 / 野州麻 (PDF, 2025) (öffnet in neuem Tab)pref.tochigi.lg.jp · abgerufen am
  8. Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales (MHLW): 大麻草の栽培規制と栽培管理について, Material 5 zur 2. Sitzung des Unterausschusses Cannabisregulierung, 29.06.2022 (PDF) (öffnet in neuem Tab)mhlw.go.jp · abgerufen am
  9. MHLW: Schreiben 薬生監麻0910第1号 zur Erlaubnispraxis für Hanfanbauer unter den Folgen der Corona-Pandemie (PDF, ohne lesbares Datum, wohl 2021 [A]) (öffnet in neuem Tab)mhlw.go.jp · abgerufen am
  10. MHLW: Informationsseite zum Gesetz zur Änderung des Cannabiskontrollgesetzes und des Betäubungsmittelgesetzes (öffnet in neuem Tab)mhlw.go.jp · abgerufen am
  11. Shin-Nippon Hōki: Gesetzesänderungen im Überblick, 大麻取締法及び麻薬及び向精神薬取締法の一部を改正する法律 (Reiwa 5, Gesetz Nr. 84) (öffnet in neuem Tab)sn-hoki.co.jp · abgerufen am
  12. Jiji Press über nippon.com: Japan Implements Revised Laws to Criminalize Cannabis Use (11.12.2024) (öffnet in neuem Tab)nippon.com · abgerufen am
  13. Tempei Miyaji, Michiyuki Nagasawa, Takuhiro Yamaguchi, Kiichiro Tsutani: Tackling the Pharmaceutical Frontier. Regulation of Cannabinoid-Based Medicines in Postwar Japan. Cannabis and Cannabinoid Research 1(1), 2016, S. 31–37 (Kurzfassung) (öffnet in neuem Tab)journals.sagepub.com · abgerufen am
  14. Jon Mitchell: The Secret History of Cannabis in Japan. The Asia-Pacific Journal: Japan Focus 12(49), Dezember 2014 (öffnet in neuem Tab)apjjf.org · abgerufen am

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