Emaille: Glas auf Metall

Email ist fein gemahlenes Glas, im Ofen auf Metall geschmolzen. Es splittert bei Stößen und löst sich, wenn Hitze oder Korrosion den Verbund stören.

Text: Redaktion · 6 Minuten · Stand

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Faktencheck läuft. Einzelne Angaben in diesem Beitrag prüfen wir gerade noch einmal an den Quellen.

Email ist eine Schicht aus Glas, die im Ofen auf Metall geschmolzen wird. Ein Blechbecher und eine Kassette aus dem späten 12. Jahrhundert, wie sie das Victoria and Albert Museum zeigt, tragen beide dieses Material. Museen schreiben teils Email, teils Emaille; das Museum unterm Trifels führt seine Sammlung unter dem zweiten Namen.

Was Email ist

Das Victoria and Albert Museum fasst es in einem Satz: Email entsteht, indem fein gemahlenes Glas mit Metall verschmolzen wird. Die Heilbrunn Timeline des Metropolitan Museum of Art nennt die Zutaten genauer. Email gleicht in seiner Zusammensetzung dem Glas, es besteht aus Kieselsäure und einem Flussmittel. Gefärbt wird es mit Metalloxiden oder Carbonaten, und erst die Hitze verbindet es mit der Metalloberfläche. Eine Studie im International Journal of Conservation Science von 2017 beschreibt den Vorgang als Auftragen feiner Emailkörnchen auf Metall und anschließendes Brennen bei hoher Temperatur.

Zur Temperatur gehen die Angaben auseinander. Die Seite von Oberösterreich Tourismus zum Emailmuseum Gertrude Stöhr in Vorchdorf nennt einen kurzen Brand bei 800 bis 900 °C. Das Museo Francesco Gonzaga in Mantua schreibt von etwa 990 °C. Beide Werte beziehen sich auf künstlerisches Email; warum sie abweichen, erklären die Quellen nicht.

Die Seite zum Vorchdorfer Museum hält außerdem fest, dass Email opak oder transparent sein kann. Die Farben behalten ihre Leuchtkraft. Auch ein Essay des Metropolitan Museum hält fest, dass Emailfarben nicht verblassen. Das ist der Unterschied zu einer Malschicht aus Pigment und Bindemittel: Die Farbe sitzt im Glas.

Grube, Zelle, Pinsel

Die Techniken unterscheiden sich darin, wie die Farbfelder voneinander getrennt werden. Die Seite zum Vorchdorfer Museum erklärt drei davon in je einem Satz.

Beim Grubenschmelz, französisch Champlevé, wird das Email in Vertiefungen gebracht, die zuvor in das Metall geätzt wurden. Die Heilbrunn Timeline spricht davon, dass das Metall ausgehoben wurde, um das Motiv festzulegen. Dünne Trennungen aus Metall sollten laut Heilbrunn Timeline verhindern, dass sich die Farben vermischen; das gilt dort für Grubenschmelz wie für Zellenschmelz.

Beim Zellenschmelz, Cloisonné, liegt das Email auf dem Metallgrund zwischen aufgesetzten Metallstegen. Die Trennung entsteht hier durch Aufbauen statt durch Abtragen.

Beim Maleremail wird das Email direkt auf den Untergrund gemalt, ohne Stege. Das Museo Francesco Gonzaga unterscheidet dabei mehrfarbige Arbeiten und solche en grisaille, also in Schwarz und Weiß, oft mit Goldverzierung.

Limoges

Für alle drei Verfahren ist Limoges ein Bezugspunkt. Der Katalog „Enamels of Limoges, 1100–1350“, 1996 vom Metropolitan Museum gemeinsam mit dem Musée du Louvre herausgegeben, erschien zur gleichnamigen Ausstellung und stellt fast 200 Stücke vor. Er beschreibt, dass diese Art Email Anfang des 12. Jahrhunderts in der Abtei Conques aufkam und in den 1160er Jahren in Limoges etabliert war. Die Arbeiten liefen unter dem Namen opus lemovicense. Zu den Auftraggebern zählten Heinrich II. und Eleonore von Aquitanien sowie Papst Innozenz III. Gefunden wurden Limoger Stücke im Limousin, in Paris, an Klöstern entlang des Jakobswegs und in skandinavischen Kathedralen. In den Bildunterschriften der Katalogseite steht etwa die Formel: Grubenschmelz auf vergoldetem Kupfer. Der Katalogtext hebt hervor, dass hier gewöhnliches Kupfer mit Farbe und Gold kostbar wirkt.

Vom 12. bis zum 15. Jahrhundert arbeiteten die Werkstätten in Limoges laut Heilbrunn Timeline mit Gruben- und Zellenschmelz. Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts kamen neue Materialien und Techniken hinzu, die einen freieren Auftrag auf Kupfer erlaubten, ohne sichtbare Trennlinien und in der Wirkung der Ölmalerei ähnlich. Im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts blieben religiöse Themen vorherrschend, ab den 1530er Jahren überwogen griechische und römische Motive, verbreitet über Stiche und Holzschnitte. Ian Wardropper vom Metropolitan Museum nennt als Beispiel eine Serie zur Aeneis, von der 82 Platten bekannt sind, 15 davon im Metropolitan Museum; die abgebildete Platte datiert er wohl um 1530 bis 1535. Das Museo Francesco Gonzaga ergänzt, dass Maleremail nach Limoger Art im 19. Jahrhundert in Paris wieder aufgegriffen wurde.

Schilder und Geschirr aus Stahlblech

Im 19. Jahrhundert kam ein neuer Untergrund hinzu: Eisen- und Stahlblech.

Die Objektbeschreibung einer Suppenschüssel aus den 1920er Jahren im Heimatmuseum Loßburg erzählt die Entwicklung knapp. Im 19. Jahrhundert verdrängte die industrielle Blechfertigung mit Tiefziehpressen und Falzmaschinen das Geschirr aus Kupfer und Messing. Mit besserer Beschichtungstechnik wurde emailliertes Stahlblech etwa ab der Jahrhundertwende zur Konkurrenz für keramisches Geschirr. Um 1930 stellten allein in Deutschland über 100 Firmen emailliertes Küchengeschirr her. Die Loßburger Schüssel kopiert die Form einer Porzellanterrine, verspricht aber eine längere Lebensdauer.

Das Hüttenmuseum Thale bewahrt eine Sammlung zum Stanz- und Emaillierwerk des Eisenhüttenwerks Thale, die 1835 beginnt und 1986 endet. Darin liegen eine weiß emaillierte Tasse mit blauem Rand von etwa 1910 und ein vierteiliger brauner Essenträger von 1950. Ein braun-weiß gesprenkelter Henkeltopf von 1945 gehört laut Museum zu einer Reihe von Geschirrteilen, die aus Rüstungsrohlingen gefertigt wurden.

Dieselbe Technik trug die Werbung in den öffentlichen Raum. Ein Findbuch des Vereins Vorarlberger Wirtschaftsgeschichte von 1994 nennt eine um 1873 in Knittelfeld gegründete Emailgeschirrfabrik, aus der später ein Unternehmen hervorging, das um die Jahrhundertwende auch Emailwerbeschilder herstellte. Für Offenburg verzeichnet es den Beginn eines Fabrikbaus 1899. Aus dieser Offenburger Fertigung stammt ein Emailplakat aus den 1930er Jahren im Landesmuseum Württemberg: Eisenblech, emailliert, bedruckt und an den Rändern gekantet, gedacht für ein Bahnhofsgebäude und mit den Produkten eines Schokoladenherstellers aus Waldenbuch. Aus dem Jahr 1966 stammt ein Merkblatt im Museum unterm Trifels. Die Beratungsstelle für Stahlverwendung in Düsseldorf gab es gemeinsam mit dem Deutschen Email-Zentrum in Hagen heraus, auf 35 Seiten zum emailliergerechten Konstruieren in Stahlblech.

Warum Email abplatzt

Email ist Glas, und Glas bricht. Das ist die einfache Antwort. Die genauere liegt in der Spannung zwischen den beiden Schichten.

Ein Aufsatz aus den Tagungsbänden des Porcelain Enamel Institute von 1998 beschreibt, wie Email auf Stahl ausgelegt wird. Sein Wärmeausdehnungskoeffizient liegt bei Raumtemperatur unter dem des Stahls. Dadurch steht das Glas nach dem Brand unter Druckspannung, und das ist gewollt. Die Autoren nennen auch die Grenzen: Zu viel Spannung führt zu Verzug und Abplatzen, zu wenig zu feinen Rissen. Verliert das Email seine Druckspannung, etwa durch starke Hitze, können sich Risse bilden und Stücke lösen.

Die Konservierungswissenschaft ergänzt die mechanische Seite. Die Studie von 2017, verfasst an der Universität Kairo und im ägyptischen Antikenministerium, hält fest, dass Email bei Stößen oder Stürzen leicht splittert. Wasser gilt dort als ein wesentlicher chemischer Schadensfaktor für Glas, es laugt Flussmittel aus. Korrosion des Metalls kann das Email von unten anheben. Was danach geschieht, zeigt ein Bericht im studentischen Konservierungsblog D.U.C.T. Tape der Durham University über ein emailliertes Eisenteil einer Feuerstelle aus dem Beamish Museum. Wo das Email fehlte, lag Eisen frei, und das freiliegende Eisen korrodierte.

Für Sammlungsstücke folgt daraus vor allem Vorsicht, schon wegen der Bruchgefahr bei Stößen und Stürzen, die die Kairoer Studie beschreibt. Als ideal gelten dort stabile, reversible Maßnahmen, die Email und Metall zugleich berücksichtigen. Heißreparaturen mit Lötzinn gelten dort als nicht rückgängig zu machen. Eine abgeplatzte Stelle ist also kein Schönheitsfehler allein, sondern eine offene Tür für Korrosion am Metall darunter.

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Häufige Fragen

Was ist Email?

Email, auch Emaille geschrieben, entsteht, indem fein gemahlenes Glas im Ofen mit Metall verschmolzen wird. Es gleicht in seiner Zusammensetzung dem Glas, besteht aus Kieselsäure und einem Flussmittel und wird mit Metalloxiden oder Carbonaten gefärbt. Weil die Farbe im Glas sitzt, verblasst sie nicht.

Was ist der Unterschied zwischen Grubenschmelz und Zellenschmelz?

Beim Grubenschmelz, französisch Champlevé, kommt das Email in Vertiefungen, die zuvor aus dem Metall ausgehoben oder geätzt wurden. Beim Zellenschmelz, Cloisonné, liegt es auf dem Metallgrund zwischen aufgesetzten Metallstegen. Die Trennung der Farbfelder entsteht also einmal durch Abtragen, einmal durch Aufbauen.

Warum platzt Email ab?

Email ist Glas und splittert bei Stößen oder Stürzen leicht. Auf Stahl steht es nach dem Brand unter gewollter Druckspannung; zu viel Spannung führt zu Verzug und Abplatzen, und verliert das Email seine Druckspannung, etwa durch starke Hitze, können sich Stücke lösen. Auch Korrosion des Metalls kann das Email von unten anheben.

Was wir nicht wissen

Für die Brenntemperatur nennen unsere Quellen 800 bis 900 °C und etwa 990 °C; welche Temperatur für Industrieemail auf Stahlblech üblich war, haben wir nicht belegt. Eine Pflegeanleitung für Emailgeschirr im Haushalt aus einer Fachinstitution haben wir nicht gefunden; die Hinweise oben stammen aus der Konservierung. Das Deutsche Emailmuseum in Hagen haben wir nicht am Original geprüft, ebenso wenig die Bestände des Louvre. Der Aufsatz zur Druckspannung stammt von Autoren eines Herstellers von Emailrohstoffen und betrifft technisches Email auf Stahl, nicht Kunsthandwerk.

Stand: 13.10.2026. Dieser Beitrag beschreibt Technik, Geschichte und Erhaltung eines Werkstoffs. Er enthält keine Kaufempfehlungen. Die Quellen stehen am Ende des Beitrags.

Quellen

  1. Enamels – Explore the Collections (Victoria and Albert Museum) (öffnet in neuem Tab)vam.ac.uk · abgerufen am
  2. Limoges, Heilbrunn Timeline of Art History (The Metropolitan Museum of Art) (öffnet in neuem Tab)metmuseum.org · abgerufen am
  3. Images of Antiquity in Limoges Enamels in the French Renaissance (Ian Wardropper, The Metropolitan Museum of Art, 2008) (öffnet in neuem Tab)metmuseum.org · abgerufen am
  4. Enamels of Limoges, 1100–1350 (The Metropolitan Museum of Art, MetPublications, 1996) (öffnet in neuem Tab)metmuseum.org · abgerufen am
  5. Sala degli smalti dipinti Limoges (Museo Francesco Gonzaga, Mantua) (öffnet in neuem Tab)museofrancescogonzaga.it · abgerufen am
  6. Emailmuseum Gertrude Stöhr, Vorchdorf (Oberösterreich Tourismus) (öffnet in neuem Tab)oberoesterreich.at · abgerufen am
  7. Suppenschüssel, Stahlblech emailliert, 1920er Jahre (Heimatmuseum Altes Rathaus Loßburg, museum-digital Baden-Württemberg, Inv. I01264) (öffnet in neuem Tab)bawue.museum-digital.de · abgerufen am
  8. Emailplakat, 1930er Jahre (Landesmuseum Württemberg, museum-digital Baden-Württemberg, Inv. E 4596) (öffnet in neuem Tab)bawue.museum-digital.de · abgerufen am
  9. Tasse, weiß mit blauem Rand, um 1910 (Hüttenmuseum Thale, museum-digital Sachsen-Anhalt, Inv. V/839/C) (öffnet in neuem Tab)st.museum-digital.de · abgerufen am
  10. Vierteiliger Essenträger, 1950 (Hüttenmuseum Thale, museum-digital Sachsen-Anhalt, Inv. VI/845/C a-d) (öffnet in neuem Tab)st.museum-digital.de · abgerufen am
  11. Emaillierter Henkeltopf, 1945 (Hüttenmuseum Thale, museum-digital Sachsen-Anhalt, Inv. VI/828/C) (öffnet in neuem Tab)st.museum-digital.de · abgerufen am
  12. Emailliergerechtes Konstruieren in Stahlblech, Merkblatt 1966 (Museum unterm Trifels, museum-digital Rheinland-Pfalz, Inv. 2012/205) (öffnet in neuem Tab)rlp.museum-digital.de · abgerufen am
  13. Findbuch Emailtafel-Sammlung Baschnegger (Verein Vorarlberger Wirtschaftsgeschichte, 1994) (öffnet in neuem Tab)wirtschaftsarchiv-v.at · abgerufen am
  14. Stress Reduction in Porcelain Steel Systems (Jozefowski, Mazzuca, Proceedings of the PEI Technical Forum 60, 1998; bereitgestellt vom International Enamellers Institute) (öffnet in neuem Tab)iei-world.org · abgerufen am
  15. Testing Coatings for Enameled Metal Artifacts (Mohamed, Mohamed, International Journal of Conservation Science 8/1, 2017) (öffnet in neuem Tab)ijcs.ro · abgerufen am
  16. Enamelled Hearth (Vicky Garlick, D.U.C.T. Tape, Durham University, 2020) (öffnet in neuem Tab)duct-tape.webspace.durham.ac.uk · abgerufen am

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