Rammelsberg: tausend Jahre Bergbau bei Goslar

Am Rammelsberg bei Goslar wurde fast tausend Jahre lang Erz abgebaut, bis 1988. Seit 1992 ist das Bergwerk mit der Altstadt UNESCO-Welterbe.

Text: Redaktion · 5 Minuten · Stand

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Faktencheck läuft. Einzelne Angaben in diesem Beitrag prüfen wir gerade noch einmal an den Quellen.

Am Rammelsberg bei Goslar wurde nach Angaben der Europäischen Route der Industriekultur fast genau tausend Jahre lang Erz gewonnen; 1988 endete der Abbau. Seit 1992 steht das Bergwerk zusammen mit der Altstadt von Goslar auf der Welterbeliste der UNESCO. Was geblieben ist, ist ein Bergwerk, das man begehen kann, und eine Stadt, die von ihm erzählt. Dieser Guide ordnet beides.

Ein Erzlager aus dem Devonmeer

Die Lagerstätte ist älter als jeder Bergbau an ihr. Nach einem Beitrag in der Fachzeitschrift Der Anschnitt (2020) entstand sie vor rund 380 Millionen Jahren unter submarinen Verhältnissen. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie Niedersachsen ordnet das Hangende der Lagerstätte, also das Gestein darüber, der Eifel-Stufe des Mitteldevons zu.

Geologen ordnen den Rammelsberg dem sogenannten Sedex-Typ zu, den sedimentär-exhalativen Lagerstätten. Das Lexikon der Geowissenschaften beschreibt sie als massive, schichtgebundene Sulfide. Sie entstanden, als heiße Lösungen am Meeresboden austraten und ihre gelösten Stoffe ausfällten. Das Lexikon nennt den Rammelsberg als Beispiel in Mitteleuropa und vermerkt, er sei inzwischen ausgeerzt.

Das Erz lag in zwei großen Linsen, dem Alten und dem Neuen Lager. Das Neue Lager wurde nach dem Beitrag im Anschnitt 1859 entdeckt. Thomas Krassmann gibt die durchschnittlichen Gehalte mit 1 bis 2 Prozent Kupfer, 6 Prozent Blei und 14 Prozent Zink an. Dazu kamen Silber und Spuren von Gold. Die ursprünglichen Erzvorräte schätzt er auf etwa 30 Millionen Tonnen.

Eine Abweichung gehört offen benannt. Die UNESCO spricht auf ihrer Seite zur Welterbestätte von Kupfer, Blei und Zinn. Alle anderen hier gelesenen Quellen nennen Zink, und die Gehaltsangaben stützen das.

Tausend Jahre Abbau

Schriftlich erwähnt wird der Bergbau am Rammelsberg nach Krassmann im Jahr 968. Ältere Spuren sind möglich, aber schwer zu fassen. Der Anschnitt-Beitrag spricht von Rohstoffgewinnung spätestens seit der Bronzezeit, nennt dafür aber keinen konkreten Befund. Greifbarer ist ein Fundstück aus der Verfüllung eines alten Tagebaus: ein Lederschuh, naturwissenschaftlich auf um 1025 datiert.

Was man suchte, änderte sich. Nach ERIH ging es im Mittelalter vor allem um Kupfer und Silber. Ab dem späten 15. Jahrhundert rückte Blei in den Vordergrund, später kam Zink hinzu. Gearbeitet wurde lange mit dem Feuersetzen. Bergleute erhitzten das Gestein mit brennenden Fichtenbündeln, ein Verfahren, das sich am Rammelsberg bis ins 18. Jahrhundert hielt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts setzte der industrielle Bergbau ein, im 19. Jahrhundert trieb ihn die Dampfkraft voran.

Die UNESCO beschreibt den Abbau als ununterbrochen, vom 11. Jahrhundert bis in die 1980er Jahre. Der Anschnitt-Beitrag formuliert vorsichtiger: mindestens tausend Jahre, nahezu ohne Unterbrechung.

Das Rammelsbergprojekt und die Tagesanlagen

Wer heute vor dem Bergwerk steht, sieht vor allem Bauten der 1930er Jahre. Ihr Anlass war politisch. Nach einer Rezension im Anschnitt (2013) förderte die NS-Politik das Bergwerk mit Subventionen, um die Rüstungsproduktion unabhängiger von Erzimporten zu machen. Dieses sogenannte Rammelsbergprojekt umfasste eine neue Aufbereitungsanlage und den Ausbau von Grube und Hütte. 1938 zählte das Bergwerk nach derselben Quelle 910 Beschäftigte.

Entworfen haben die Anlage nach der Rezension in den Jahren 1935 und 1936 die Architekten Fritz Schupp (1896 bis 1974) und Martin Kremmer (1894 bis 1945). Beide hatten zuvor die Zeche Zollverein in Essen geplant, wie der Harzer Tourismusverband festhält. Die Rezension beschreibt, dass die Aufbereitung der Hanglinie folgt. Nach Angaben des Tourismusverbands wurde sie ab 1936 errichtet und hat sieben Ebenen.

ERIH nennt die Ausstattung: Kegelbrecher, Kugelmühlen und Flotationsmaschinen. Mit der Flotation ließ sich das Erz ab 1936 in getrennte Konzentrate aus Kupfer, Blei und Zink zerlegen. Wer Zollverein kennt, kann vergleichen: dort eine Anlage in der Ebene, hier eine, die dem Hang folgt.

Stilllegung 1988

1988 wurde die Erzgewinnung eingestellt. Der Grund war nach dem Anschnitt-Beitrag nicht wirtschaftlicher Art, sondern die Erschöpfung der Lagerstätte. ERIH bestätigt, die Vorräte seien aufgebraucht gewesen. Betreiber war zuletzt nach Krassmann der Preussag-Konzern. Auch der Steinbruch Schiefermühle am Berg, aus dem Tonschiefer als Versatz zur Verfüllung unter Tage kam, lief nach Angaben des Landesamts bis 1988.

Welterbe mit der Altstadt

1992 nahm die UNESCO den Rammelsberg in die Welterbeliste auf, zusammen mit der Altstadt von Goslar. Die UNESCO beschreibt Goslar als einen der Sitze des Heiligen Römischen Reiches im 10. bis 12. Jahrhundert und als Stadt, die über die Erze des Rammelsbergs an der Hanse teilhatte. Die Altstadt umfasst nach derselben Quelle rund 1.500 Fachwerkhäuser aus dem 15. bis 19. Jahrhundert.

Für das Bergwerk nennt der Verein UNESCO-Welterbestätten Deutschland Denkmale aus mehreren Epochen: den Rathstiefsten Stollen aus dem 12. Jahrhundert, das Feuergezähe Gewölbe aus dem 13. Jahrhundert (eine gemauerte Grubenkammer unter Tage), den Maltermeisterturm aus dem 15. Jahrhundert und den Röderstollen aus dem 18. und 19. Jahrhundert, in dem zwei originale Wasserräder erhalten sind.

Die Erweiterung: Wasser für den Oberharz

Die UNESCO verzeichnet für die Stätte eine deutliche Änderung der Grenzen im Jahr 2010. Ihr Text beschreibt die Erweiterung auf den Oberharz und seine Wasserwirtschaft: künstliche Teiche, kleine Kanäle, Tunnel und unterirdische Entwässerungen, die zusammen ein System bilden. Es lieferte Wasserkraft für Bergbau und Hüttenwesen.

Die Anfänge reichen nach der UNESCO ins Mittelalter, zu Zisterziensermönchen; zur Stätte gehören auch Reste des Klosters Walkenried. Großflächig ausgebaut wurde das System vom Ende des 16. bis ins 19. Jahrhundert. Die UNESCO hält auch fest, dass Teile davon bis heute in Betrieb sind.

Museum und Besucherbergwerk

Das Gelände ist heute ein Museum mit Besucherbergwerk unter dem Namen Weltkulturerbe Rammelsberg, Museum und Besucherbergwerk. Nach ERIH führen Führungen in die Stollen, dazu kommt eine Fahrt mit der Grubenbahn. Der Harzer Tourismusverband nennt eigene Führungen zur Architektur und zur Erzaufbereitung. Für Öffnungszeiten und Führungen gilt, was das Museum selbst angibt.

Wie man den Ort liest

Man kann den Rammelsberg vom Berg aus lesen: von den Stollen über die Stufen der Aufbereitung am Hang. Und man kann ihn von der Stadt aus lesen. Die Fachwerkhäuser Goslars und die Stahlbauten am Hang gehören zu derselben Geschichte, nur zu verschiedenen Jahrhunderten. Wer vorher in Essen war, sieht in der Aufbereitung dieselbe Haltung von Schupp und Kremmer, angewandt auf einen anderen Rohstoff und ein anderes Gelände.

Weiterlesen: Zeche Zollverein: Architektur der Arbeit · Völklinger Hütte: ein Eisenwerk als Denkmal · Montanregion Erzgebirge: Bergbau, Stadt, Handwerk

Häufige Fragen

Wann endete der Bergbau am Rammelsberg?

Die Erzgewinnung am Rammelsberg wurde 1988 eingestellt. Der Grund war nach einem Beitrag in der Fachzeitschrift Der Anschnitt nicht wirtschaftlicher Art, sondern die Erschöpfung der Lagerstätte; auch die Europäische Route der Industriekultur nennt die Vorräte aufgebraucht. Betreiber war zuletzt der Preussag-Konzern.

Welche Erze wurden am Rammelsberg abgebaut?

Das Erz enthielt nach Thomas Krassmann im Durchschnitt 1 bis 2 Prozent Kupfer, 6 Prozent Blei und 14 Prozent Zink, dazu Silber und Spuren von Gold. Im Mittelalter ging es vor allem um Kupfer und Silber, ab dem späten 15. Jahrhundert rückte Blei in den Vordergrund, später kam Zink hinzu. Die UNESCO nennt auf ihrer Seite Zinn statt Zink; die übrigen Quellen sprechen von Zink.

Wer hat die Erzaufbereitung am Rammelsberg gebaut?

Entworfen haben die Anlage in den Jahren 1935 und 1936 die Architekten Fritz Schupp und Martin Kremmer, die zuvor die Zeche Zollverein in Essen geplant hatten. Die Aufbereitung wurde ab 1936 errichtet, folgt der Hanglinie und hat sieben Ebenen. Sie gehörte zum sogenannten Rammelsbergprojekt, mit dem die NS-Politik das Bergwerk subventionierte.

Was wir nicht wissen

Die UNESCO nennt Zinn, alle anderen Quellen Zink; wir folgen der Mehrheit, haben den Widerspruch aber nicht am Original der UNESCO-Nominierung geprüft. Wann am Rammelsberg tatsächlich der Abbau begann, bleibt offen: Die Quellen nennen 968 als Erwähnung, um 1025 als datierten Fund und die Bronzezeit ohne konkreten Beleg. Für das Neue Lager stehen 1858 und 1859 nebeneinander. Den Silbergehalt je Tonne geben die Quellen unterschiedlich an. Wann genau die Aufbereitung fertig war, belegen die gelesenen Quellen nicht.

Stand: 13.10.2026. Quellen siehe unten.

Quellen

  1. Mines of Rammelsberg, Historic Town of Goslar and Upper Harz Water Management System (UNESCO World Heritage Centre) (öffnet in neuem Tab)whc.unesco.org · abgerufen am
  2. Katharina Malek u. a.: Neue Forschungen zum Rammelsberg im Rahmen des Vorhabens „Altbergbau 3D“, in: Der Anschnitt 72 (2020), H. 1–2 (Deutsches Bergbau-Museum Bochum) (öffnet in neuem Tab)bergbaumuseum.de · abgerufen am
  3. Hans-Joachim Krascilewski: Rezension zu Kai Gurski, „Schönheit der Arbeit“. Der Künstler Karl Reinecke-Altenau am Rammelsberg Goslar (2011), in: Der Anschnitt 65 (2013), H. 1–2, S. 72 (öffnet in neuem Tab)bergbaumuseum.de · abgerufen am
  4. World Heritage Site Rammelsberg, Museum and Visitors' Mine (European Route of Industrial Heritage, ERIH) (öffnet in neuem Tab)erih.net · abgerufen am
  5. Mines of Rammelsberg, Historic Town of Goslar and Upper Harz Water Management System (UNESCO-Welterbestätten Deutschland e. V.) (öffnet in neuem Tab)welterbedeutschland.de · abgerufen am
  6. Thomas Krassmann: Letzter Blick auf den Rammelsberg (Befahrungsbericht 1994, Online-Fassung 2013) (öffnet in neuem Tab)mineral-exploration.de · abgerufen am
  7. Die Schiefermühle des ehemaligen Erzbergwerks Rammelsberg bei Goslar (Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie Niedersachsen) (öffnet in neuem Tab)lbeg.niedersachsen.de · abgerufen am
  8. Sedimentär-exhalative Lagerstätten (Lexikon der Geowissenschaften, Spektrum der Wissenschaft) (öffnet in neuem Tab)spektrum.de · abgerufen am
  9. Erzaufbereitung des Weltkulturerbes Rammelsberg (Harzer Tourismusverband, harzinfo.de) (öffnet in neuem Tab)en.harzinfo.de · abgerufen am
  10. Rammelsberg (Wikipedia, englisch, ergänzend) (öffnet in neuem Tab)en.wikipedia.org · abgerufen am

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