Das Exlibris: ein Zeichen für das eigene Buch

Ein Exlibris ist ein kleines Blatt im Buchdeckel, das den Eigentümer nennt. Seit Ende des 15. Jahrhunderts belegt, hilft es heute der Provenienzforschung.

Text: Redaktion · 6 Minuten · Stand

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Ein Exlibris, lateinisch „aus den Büchern“, ist ein kleines, meist gestaltetes Blatt, das auf die Innenseite eines Buchdeckels geklebt wird und den Eigentümer des Buches nennt. Solche Blätter kennzeichnen Buchbesitz seit dem Ende des 15. Jahrhunderts. Ein Exlibris sagt nichts über den Inhalt, aber viel über den Weg, den das Buch genommen hat.

Was ein Exlibris ist

Der Ausdruck kommt aus dem Lateinischen und heißt „aus den Büchern“, so erklären es die Deutsche Nationalbibliothek und das Stadtmuseum Tübingen. Gemeint ist ein kleines, meist gestaltetes Blatt, das in ein Buch geklebt wird und dessen Eigentümer bezeichnet. Viele Exlibris lassen nach der Deutschen Nationalbibliothek Platz für einen persönlichen Eintrag.

Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg beschreibt Exlibris als meist kleinformatige Druckgrafiken mit dem Namen des Eigentümers. Sie kennzeichnen den Besitzer eines Buches seit dem Ende des 15. Jahrhunderts. Die Deutsche Nationalbibliothek verbindet den Brauch mit dem Buchdruck: Nach Gutenbergs Erfindung begannen Besitzer, ihre Namen in gedruckte Werke zu setzen, weil Bücher als Text und als Gegenstand geschätzt wurden.

Ein Blatt aus dem 15. Jahrhundert

Ein frühes Beispiel gehört Hilprand Brandenburg, in anderen Quellen Hildebrand von Brandenburg. Das Art Institute of Chicago bewahrt ein Exemplar seines Blatts auf und datiert es auf um 1470 bis 1480. Es ist ein Holzschnitt in Schwarz, von Hand koloriert, auf geripptem Papier. Der Druckstock misst 6,7 mal 6,5 Zentimeter, der Künstler ist unbekannt. Die Yale University Library beschreibt das Blatt als handkolorierten Holzschnitt, gedruckt auf Papierreste und in die Bücher geklebt, die Brandenburg dem Kartäuserkloster Buxheim gab. Yale datiert es auf etwa 1480.

Der Eigentümer lässt sich über das Consortium of European Research Libraries näher fassen. Die Datenbank nennt für Brandenburg die Lebensdaten 1442 bis 1514 und Biberach als Geburtsort. Er studierte in Pavia und Basel, war ab 1473 Pfarrer in Biberach und trat als Novize in die Kartause Buxheim bei Memmingen ein. Dem Kloster vermachte er seine Bibliothek. Das Blatt hatte also eine praktische Aufgabe: Es markierte Bücher, die zu einer bestimmten Sammlung gehörten, auch nachdem sie den Ort gewechselt hatten.

Yale weist auf einen weiteren Zug früher Exlibris hin. Viele zeigten ein Wappen, weil Buchbesitz lange vor allem eine Sache des Adels war und ein heraldisches Zeichen zur Bestimmung des Eigentümers genügte. Die Bibliothek unterscheidet Wappen-Exlibris, typografische und bildliche Exlibris, wobei frühe Blätter oft mehrere dieser Formen verbinden.

Dürer und das 16. Jahrhundert

Im 16. Jahrhundert arbeiteten bekannte Grafiker an solchen Blättern. Das Germanische Nationalmuseum zeigte vom 27. Februar 2014 bis 25. Januar 2015 die Studioausstellung „Kunstwerke im Kleinformat. Deutsche Exlibris vom Ende des 15. bis 18. Jahrhunderts“. Das Ausstellungsblatt bildet ein Exlibris für Johann Tscherte von Albrecht Dürer ab, datiert um 1518. Als weitere Künstler nennt das Ausstellungsblatt Jost Amman, Raphael Sadeler und Johannes E. Nilson.

Der Begleitband von Claudia Valter beschreibt, wie sehr Farbe den Wert eines Blatts bestimmte. Die Illuminierung eines Exlibris steigerte das Prestige des Eigentümers, und in grafischen Sammlungen haben sich bemalte Holzschnitte und Kupferstiche dieser Zeit erhalten, darunter Werke von Dürer, Solis oder Amman. Als Beispiel nennt der Band das Exlibris des Nürnbergers Hans Gundlach von Virgil Solis aus dem Jahr 1555, einen farbig gefassten Kupferstich. Solis bettete das Wappen in eine Landschaft, im Hintergrund sind Nürnbergs Stadtmauer und Burg angedeutet.

Holzschnitt, Kupferstich, Radierung

Die Technik prägt das Aussehen eines Exlibris. Die Universität Leipzig ordnet den Holzschnitt dem Hochdruck zu, Kupferstich und Radierung dem Tiefdruck.

Beim Holzschnitt entsteht die Druckform mechanisch. Nach dem Glossar des Musée Unterlinden in Colmar wird die Holzplatte in Richtung der Faser gesägt und mit Hohlmeißel und Messer bearbeitet. Die erhabenen Teile nehmen die Farbe auf, die vertieften Stellen bleiben im Abzug weiß. Grautöne sind mit dem Hochdruck nach diesem Glossar nicht möglich. Farbe kam bei frühen Blättern wie dem Brandenburgs von Hand hinzu.

Beim Tiefdruck liegen die druckenden Partien vertieft. Das Motiv wird direkt in eine Metallplatte eingraviert, so beschreibt es das Glossar, und die Tiefe des Einschnitts bestimmt die Strichfarbe: Tiefe Linien wirken schwarz, leichte Kratzer grau. Bei der Radierung wird die Metallplatte mit einem Schutzlack überzogen. Mit einer Nadel kratzt man das Motiv in diese Schicht, dann wird die Platte in eine Ätzlösung getaucht, die nur die freigelegten Stellen angreift. Die Ätzzeit bestimmt die Tiefe der Töne. Gedruckt wird nach dem Entfernen des Lacks mit einer Walzendruckpresse.

Auch ein bekannter Name steht für die Radierung. Laut Germanischem Nationalmuseum radierte Goethe um 1767 ein Exlibris für Käthchen Schönkopf. Der Begleitband nennt radierte Exlibris auch für Johann J. Wiedmann und für Gottsched.

Sammeln und Vereine

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts lebte das Exlibris wieder auf. Die Deutsche Nationalbibliothek verbindet das mit künstlerisch anspruchsvollen Entwürfen des Jugendstils und nennt den Maler und Grafiker Max Klinger. Exlibris wurden zu gesuchten Sammelstücken unter Bibliophilen.

In dieser Zeit entstand auch die Vereinsstruktur, die bis heute besteht. Nach der Deutschen Nationalbibliothek wurde die Deutsche Exlibris-Gesellschaft 1891 in Berlin gegründet und existiert noch. Der Begleitband des Germanischen Nationalmuseums spricht für 1891 vom Deutschen Exlibris-Verein in Berlin. Zu seinen frühen Mitgliedern zählte Graf Karl Emich zu Leiningen-Westerburg (1856 bis 1906), der 1888 in Breslau eine international angelegte Sammlung begann und Beiträge für die „Zeitschrift für Bücherzeichen, Bibliothekskunde und Gelehrtengeschichte“ schrieb.

1916 verkaufte seine Witwe die Sammlung an das Germanische Nationalmuseum. Dort bildet sie den Kern eines Bestands, der mit Altbestand, Erwerbungen und Schenkungen heute rund 40.000 Exlibris umfasst. Eine private Leidenschaft wurde so zu einem öffentlichen Archiv der Druckgrafik. Ein ähnlicher Übergang vom privaten Sammeln zur Institution prägt auch die Wunderkammer.

Ein Merkmal für die Provenienz

Für Bibliotheken ist das Exlibris heute vor allem ein Beleg. Die Universitätsbibliothek Marburg beschreibt die Kennzeichnung von Buchbesitz als lange Tradition, die von handschriftlichen Besitzvermerken über Exlibris bis zu Bibliotheksstempeln reicht. Die Empfehlungen des Deutschen Bibliotheksverbands zählen Exlibris zu den Spuren, die Vorbesitzer im Buch hinterlassen, neben Marginalien, Stempeln und Widmungen. Erfasst werden sie nach dem Thesaurus der Provenienzbegriffe, kurz T-PRO, der auf Deutsch, Englisch und Französisch vorliegt. Ein Vortrag aus der Staatsbibliothek zu Berlin von 2014 führt „Exlibris“ als einen der Deskriptoren dieses Thesaurus auf.

Besonderes Gewicht hat das Merkmal in der Suche nach NS-Raubgut. Die Universitätsbibliothek Tübingen verweist auf die Washingtoner Prinzipien von 1998 und die Gemeinsame Erklärung von 1999. Die Handreichung in der Neufassung von 2025 erwartet von öffentlich getragenen Einrichtungen, ihre Bestände proaktiv und systematisch zu untersuchen. Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste ist dabei die zentrale Anlaufstelle in Deutschland und betreibt die Lost-Art-Datenbank mit Such- und Fundmeldungen.

Wie die Arbeit aussieht, beschreibt die Stadtbibliothek Hannover. Zuerst werden die Zugangsbücher ausgewertet, dann wird jedes verdächtige Buch auf Autogramme, Exlibris und Stempel geprüft, danach folgt die Recherche zu Personen und Erben. Die Bibliothek hat nach eigenen Angaben (Stand der Seite: 26.08.2024) bislang rund 14.600 Bücher überprüft, 107 Fälle sind eindeutig NS-Raubgut, in 19 Fällen wurden Bücher zurückgegeben. Die Förderung kam von der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste. In Marburg wurden laut Universitätsbibliothek bisher etwa 110 Bände zurückgegeben oder blieben auf Wunsch der Eigentümer in der Bibliothek.

Das Stadtmuseum Tübingen zeigte im April 2020 drei Exlibris aus der Sammlung der Provenienzforschung. In einem Fall ist der Name des Besitzers ausgekratzt, nur das Bildmotiv blieb stehen. Solche Lücken zeigen, warum das kleine Blatt zählt: Es kann ein Hinweis auf einen Menschen sein, dem ein Buch einmal gehörte, und auf die Frage, wie es ihm abhandenkam.

Häufige Fragen

Was bedeutet Exlibris?

Exlibris kommt aus dem Lateinischen und heißt „aus den Büchern“. Gemeint ist ein kleines, meist gestaltetes Blatt, das in ein Buch geklebt wird und dessen Eigentümer bezeichnet. Meist ist es eine kleinformatige Druckgrafik mit dem Namen des Besitzers, oft mit Platz für einen persönlichen Eintrag.

Seit wann gibt es Exlibris?

Exlibris kennzeichnen den Besitzer eines Buches nach dem Germanischen Nationalmuseum seit dem Ende des 15. Jahrhunderts. Ein frühes Beispiel ist der handkolorierte Holzschnitt für Hilprand Brandenburg, den das Art Institute of Chicago auf um 1470 bis 1480 datiert. Im 16. Jahrhundert arbeiteten bekannte Grafiker an solchen Blättern, darunter Albrecht Dürer.

Warum sind Exlibris für die Provenienzforschung wichtig?

Die Empfehlungen des Deutschen Bibliotheksverbands zählen Exlibris zu den Spuren, die Vorbesitzer in einem Buch hinterlassen, neben Stempeln, Widmungen und Randnotizen. Bei der Suche nach NS-Raubgut prüft etwa die Stadtbibliothek Hannover jedes verdächtige Buch auf Autogramme, Exlibris und Stempel und recherchiert dann zu Personen und Erben. Ein Exlibris kann so auf einen Menschen hinweisen, dem ein Buch einmal gehörte.

Was wir nicht wissen

Die Quellen widersprechen sich bei Hilprand Brandenburg. Das Art Institute of Chicago datiert das Blatt auf um 1470 bis 1480 und lässt Brandenburg um 1480 in Buxheim eintreten, Yale nennt für das Blatt etwa 1480. Die CERL-Datenbank setzt den Eintritt ins Kloster auf 1505. Für den Umfang seiner Bibliothek nennt Chicago 143 identifizierte Bücher, CERL mehr als 450. Ob die 1891 gegründete Vereinigung von Beginn an Deutsche Exlibris-Gesellschaft hieß, haben wir nicht geklärt. Wie viele Exlibris Dürer selbst entwarf, haben wir nicht an einer Museumsquelle geprüft.

Weiterlesen: Bleisatz: Lettern, Winkelhaken, Schließrahmen · Die Wunderkammer: Sammeln, bevor es Museen gab · Marmorpapier: Farbe auf dem Schleimgrund

Stand: 13.10.2026. Quellen siehe unten.

Quellen

  1. Bookplates (ex-libris) (Deutsche Nationalbibliothek, Deutsches Buch- und Schriftmuseum, Mediengeschichte) (öffnet in neuem Tab)mediengeschichte.dnb.de · abgerufen am
  2. Kunstwerke im Kleinformat. Deutsche Exlibris vom Ende des 15. bis 18. Jahrhunderts (Germanisches Nationalmuseum, Ausstellungsblatt 2014/2015) (öffnet in neuem Tab)gnm.de · abgerufen am
  3. Claudia Valter: Kunstwerke im Kleinformat. Deutsche Exlibris vom Ende des 15. bis 18. Jahrhunderts (Verlag des Germanischen Nationalmuseums, 2014, Leseprobe) (öffnet in neuem Tab)gnm.de · abgerufen am
  4. Bookplate of Hildebrand von Brandenburg (Art Institute of Chicago, 1947.453) (öffnet in neuem Tab)artic.edu · abgerufen am
  5. [Your Name Here]: The Ex-Libris and Image Making, History (Yale University Library, Online-Ausstellung) (öffnet in neuem Tab)onlineexhibits.library.yale.edu · abgerufen am
  6. Brandenburg, Hilprand (CERL Material Evidence in Incunabula, Owners) (öffnet in neuem Tab)data.cerl.org · abgerufen am
  7. Kleines Vokabular der Drucktechniken (Musée Unterlinden, Colmar) (öffnet in neuem Tab)musee-unterlinden.com · abgerufen am
  8. Druckverfahren (Universität Leipzig, Studienseite Druckgrafik und Medien) (öffnet in neuem Tab)studienart.gko.uni-leipzig.de · abgerufen am
  9. Empfehlungen zur Provenienzverzeichnung (Deutscher Bibliotheksverband, AG Handschriften und Alte Drucke) (öffnet in neuem Tab)bibliotheksverband.de · abgerufen am
  10. Julia Neumann: Möglichkeiten des Catalog enrichments im Bereich der Provenienzforschung (Staatsbibliothek zu Berlin, Vortrag 2014) (öffnet in neuem Tab)staatsbibliothek-berlin.de · abgerufen am
  11. Provenienzforschung (Universitätsbibliothek Tübingen) (öffnet in neuem Tab)uni-tuebingen.de · abgerufen am
  12. April 2020: Drei Exlibris aus der Sammlung der Provenienzforschung (Stadtmuseum Tübingen, Webarchiv der Stadt Tübingen, archivierte Fassung, Stand 26.10.2022) (öffnet in neuem Tab)webarchiv.tuebingen.de · abgerufen am
  13. Suche nach NS-Raubgut im historischen Bestand der StaBi (Stadtbibliothek Hannover) (öffnet in neuem Tab)hannover.de · abgerufen am
  14. Besitzstempel (Universitätsbibliothek Marburg, Historische Bestände) (öffnet in neuem Tab)uni-marburg.de · abgerufen am

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