Bleisatz: Lettern, Winkelhaken, Schließrahmen
Bleisatz baut Text aus gegossenen Lettern, gesetzt im Winkelhaken und gespannt im Schließrahmen. Bis in die 1970er Jahre war er im Druck üblich.
Im Bleisatz wird ein Text vor dem Druck gebaut: Buchstabe für Buchstabe, aus gegossenem Metall, in Spiegelschrift, im Winkelhaken gesetzt und im Schließrahmen festgespannt. Als Jahr von Gutenbergs Erfindung in Mainz gilt nach Planet Wissen 1450; Bleitypen waren nach dem Lexikon von chemie.de im grafischen Gewerbe bis in die 1970er Jahre üblich, danach wurde weitgehend auf den Offsetdruck umgestellt. Was blieb, sind Werkzeuge mit eigenen Namen, Werkstätten in Museen und einige Wörter, die längst niemand mehr mit Blei verbindet.
Mainz, um 1450
Johannes Gutenberg hieß eigentlich Johannes Gensfleisch. Den Namen Gutenberg führt Planet Wissen auf den Familiensitz zurück, den Gutenberghof in Mainz. Ein Geburtsdatum ist nicht überliefert. Die Stadt Mainz nennt in ihrer Broschüre zum Gutenberg-Pfad „um 1400“ und einen Zeitraum von 1397/1400 bis 1405/06. Gestorben ist er nach der Stadt Mainz wohl im Februar 1468; Planet Wissen nennt den 3. Februar.
Von 1434 bis 1444 lebte er in Straßburg. Dort plante er nach der Mainzer Broschüre Ende 1438 ein Unternehmen, das in den Quellen „aventur und kunst“ heißt. 1448 kehrte er nach Mainz zurück und richtete mit einem Kredit eine Druckerei ein. Von 1450 bis 1454 lieh ihm Johannes Fust 800 Gulden, später weitere 800, und wurde Teilhaber. 1455 stritten beide um die Verwendung des Kapitals. Als Jahr der Erfindung gilt nach Planet Wissen 1450; die Stadt Mainz datiert die Einrichtung der Druckerei auf 1448.
Die 42-zeilige Bibel war laut Stadt Mainz spätestens Anfang 1455 fertig. Sie umfasst zwei Bände mit zusammen 1282 Seiten und etwa 290 verschiedene Zeichen und Figuren. Gedruckt wurden rund 180 Exemplare, vermutlich 150 auf Papier und 30 auf Pergament. 49 sind erhalten, zwei davon im Gutenberg-Museum. Eine Geschichte des Beschreibstoffs erzählt unser Beitrag Hanfpapier: eine Papiergeschichte.
Das Prinzip: Text in Teile zerlegen
Die Grundidee beschreibt die Mainzer Broschüre so: Ein Text wird in Einzelelemente zerlegt, in Buchstaben, Satzzeichen, Ligaturen und Abkürzungen. Für jede Letter wurde ein Stempel geschnitten, die Patrize. Sie wurde in Kupfer abgeschlagen, so entstand die Matrize. Aus ihr goss man die Letter, einen Würfel aus Blei mit seitenverkehrtem Buchstaben.
Dafür entwickelte Gutenberg ein Handgießinstrument. Es erlaubte, schnell zwischen verschiedenen Lettern zu wechseln, und die Stadt Mainz misst ihm innerhalb der Erfindung besonderes Gewicht bei. Gegossen wurde aus Blei, Zinn und weiteren Beimischungen. Die Mischung sollte schnell erkalten und unter dem Druck der Presse halten.
Letternmetall
Die Angaben dieses Abschnitts stammen aus dem Lexikon von chemie.de. Die spätere, genormte Legierung heißt dort Letternmetall, alter Name „Zeug“. Für Letternmetall im engeren Sinn nennt das Lexikon Blei als Hauptbestandteil, 28 bis 29 Prozent Antimon und 5 bis 6 Prozent Zinn, gelegentlich etwas Kupfer. Jedes Metall hat danach eine Aufgabe. Blei macht die Legierung weich und formbar, Antimon gibt ihr Härte, Zinn verbindet die Metalle und sorgt für Zähigkeit und Abriebfestigkeit.
Für die Setzmaschinen gab es laut chemie.de eigene Mischungen, weil deren Gießwerke nur mit genau abgestimmten Legierungen störungsfrei liefen. Linotype-Metall enthielt nach derselben Quelle 4,5 bis 5,5 Prozent Zinn und 11,5 bis 12,5 Prozent Antimon, Monotype-Metall 8,5 bis 9,5 Prozent Zinn und 18,5 bis 19,5 Prozent Antimon. Im Betrieb verschoben sich die Anteile durch Abbrand und Krätze. Ausgeglichen wurde das nach dem Lexikon mit einem Zusatzmetall definierter Zusammensetzung.
Handsatz Schritt für Schritt
Am Anfang steht der Setzkasten. Das Austria-Forum nennt für Fraktur etwa 110 Fächer, für Antiqua etwa 160. Jede Schrift umfasste Großbuchstaben, die Versalien, Kleinbuchstaben, die Gemeinen, dazu Ziffern und Zeichen.
Gesetzt wird im Winkelhaken. Ein Exemplar im Rheinland-Pfälzischen Freilichtmuseum Bad Sobernheim, datiert zwischen 1920 und 1950, ist 17 Zentimeter lang. Es besteht aus einer Metallleiste und einer verschiebbaren Seitenwand, dem „Frosch“, die ein Hebelverschluss feststellt. In ihm fügte der Setzer die Lettern zu Wörtern und Zeilen. Die Zeilenbreite stellte er mit einer Setzlinie ein. Die Museumsfabrik Pritzwalk verwahrt ein Sortiment von 30 Setzlinien aus Messing, nach Länge von 8 bis 48 Cicero geordnet. Stege und anderes Blindmaterial lagen in eigenen Kästen.
Die fertigen Zeilen wanderten auf das Setzschiff. Das Bad Sobernheimer Stück ist eine Metallplatte mit Holzleisten an drei Seiten, die vierte bleibt offen. So ließ sich der Satz auf eine Arbeitsfläche oder in die Druckmaschine schieben. Nach Größe unterschied man Spalten-, Oktav-, Quart-, Folio- und große Schiffe. Den fertigen Satz umwickelte man laut Austria-Forum mit der Kolumnenschnur, damit er beim Heben oder Schieben zusammenhielt.
Dann kam die Korrektur. Der Satz wurde eingefärbt und auf einen angefeuchteten Papierstreifen abgezogen, die Fahne. Nach Korrektur und Revision folgte die Druckfreigabe, das Imprimatur. Beim Ausschießen ordnete man die Seiten so an, dass sie nach dem Falzen des Bogens in der richtigen Folge lagen.
Zuletzt der Schließrahmen. Die eisernen Rahmen in Bad Sobernheim aus den Jahren 1950 bis 1970 messen 55 mal 37,5 und 44 mal 34 Zentimeter. In ihnen wurde der Satz mit Stegen und Schließzeug festgespannt. Wie das funktioniert, zeigt ein Sortiment aus Pritzwalk, hergestellt zwischen 1890 und 1940. Dreht man den Verschluss mit einem Vierkantschlüssel, hebt er sich um einige Millimeter und baut Spannung im Rahmen auf. Die Form kann dann nicht mehr verrutschen.
Maschinensatz
Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde glatter Werk- und Zeitungssatz nach dem Austria-Forum auf Maschinen gesetzt. Handsetzer übernahmen das Schwierigere: Tabellen, Anzeigen, Gelegenheitsdrucksachen, Noten.
Die Linotype entwickelte Ottmar Mergenthaler (1854 bis 1899). Das Lexikon von wissen.de datiert sie auf 1884 in Baltimore, das TECHNOSEUM in Mannheim auf um 1885. Die Mergenthaler Linotype Company wurde laut Science Museum Group 1886 gegründet. Das Prinzip ist der Zeilenguss. Über eine Tastatur werden Matrizen aus einem Magazin abgerufen und in einer Schiene gesammelt, die dem Winkelhaken entspricht. Die ganze Zeile wird in einem Stück mit Letternmetall ausgegossen, die Matrizen kehren danach ins Magazin zurück. Die Linotype des TECHNOSEUM, 1923 in Berlin gebaut, wiegt 1,40 Tonnen.
Die Monotype von Tolbert Lanston (1844 bis 1913) gießt dagegen einzelne Buchstaben. Das Museum für Druckkunst Leipzig und wissen.de datieren ihre Entwicklung auf um 1890, das LWL-Freilichtmuseum Hagen auf 1897. Sie arbeitet in zwei Teilen. Am Taster werden Lochbänder gestanzt, in denen die Zeichen codiert sind. Das Band steuert die Gießmaschine, die die Lettern gießt und zu Zeilen zusammensetzt, nach Angaben beider Museen bis zu 10.000 in der Stunde. Das Hagener Gerät von 1900 hat 276 Tasten. Monotype-Maschinen waren bis in die 1980er Jahre verbreitet.
Wörter, die geblieben sind
Ein Klischee war zuerst ein Druckstock. Der Duden führt diese Bedeutung bis heute als fachsprachlich, daneben die übertragenen: Abklatsch, eingefahrene Vorstellung, abgegriffene Redensart. Das Wort kommt vom französischen cliché, dem Partizip von clicher, im Druckwesen „abklatschen“. Das Wahrig-Herkunftswörterbuch erklärt den Bedeutungswandel über die Abnutzung: Ein Druckmodel, das lange aufbewahrt und oft gebraucht wird, nutzt sich ab.
Ähnlich ist es beim Stereotyp. Das englische stereotype bezeichnete nach dem Online Etymology Dictionary 1798 den Druck von einer festen Platte und ab 1817 die Metallplatte selbst, die eine Seite Handsatz in einem Stück wiedergab. Den übertragenen Sinn belegt das Wörterbuch ab 1850. Das Austria-Forum erklärt das Verfahren dahinter: Vom Satz wurde eine Pappmatrize gepresst, aus der man die Druckplatte in einer Bleilegierung goss.
Andere Wörter blieben in der Werkstatt. Wer setzte und auch selbst druckte, hieß Schweizerdegen. Beim Gautschen erhielt der ausgelernte Lehrling einen Gautschbrief.
Werkstätten und Museen
Das Gutenberg-Museum in Mainz gründeten Mainzer Bürgerinnen und Bürger im Jahr 1900, zum 500. Geburtstag Gutenbergs. Auf etwa 3000 Quadratmetern zeigt es Handschriften, frühe Drucke, Setzmaschinen und Druckerpressen. In der Gutenberg-Werkstatt steht eine nachgebaute Presse, an der vorgeführt wird, wie zu Gutenbergs Zeit gedruckt wurde. Im Druckladen können Besucherinnen und Besucher selbst drucken.
Das Museum für Druckkunst Leipzig wurde 1994 gegründet und Ende 1999 in eine Stiftung überführt. Es liegt im früheren Industrieviertel Plagwitz, in einem denkmalgeschützten Haus, das über 100 Jahre eine Druckerei war. Den Grundstock bildet die Sammlung SchumacherGebler. Rund 100 Maschinen und Pressen sind funktionsfähig, darunter Linotype und Monotype. In der Schriftgießerei werden täglich Bleilettern gegossen, im Programm stehen Kurse zum Handsatz.
Viele Werkzeuge dieses Textes stammen aus weiteren Sammlungen: der Historischen Druckerei im Rheinland-Pfälzischen Freilichtmuseum Bad Sobernheim, der Museumsfabrik Pritzwalk, dem LWL-Freilichtmuseum Hagen und dem TECHNOSEUM in Mannheim. Ihre Objekte sind über museum-digital einsehbar.
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Häufige Fragen
Was ist Bleisatz?
Im Bleisatz wird ein Text aus gegossenem Metall zu einer Druckform zusammengesetzt, seitenverkehrt und Zeile für Zeile: im Handsatz aus einzelnen Lettern, im Maschinensatz der Linotype aus ganzen gegossenen Zeilen. Im Handsatz nimmt der Setzer die Lettern aus dem Setzkasten, fügt sie im Winkelhaken zu Zeilen, sammelt diese auf dem Setzschiff und spannt den fertigen Satz im Schließrahmen fest. Bleitypen waren im grafischen Gewerbe bis in die 1970er Jahre üblich.
Woraus besteht Letternmetall?
Nach dem Lexikon von chemie.de besteht Letternmetall im engeren Sinn vor allem aus Blei, dazu 28 bis 29 Prozent Antimon und 5 bis 6 Prozent Zinn, gelegentlich etwas Kupfer. Blei macht die Legierung formbar, Antimon gibt ihr Härte, Zinn sorgt für Zähigkeit und Abriebfestigkeit. Für Gutenberg ist nur eine Mischung aus Blei, Zinn und weiteren Beimischungen belegt.
Was ist der Unterschied zwischen Linotype und Monotype?
Die Linotype von Ottmar Mergenthaler gießt eine ganze Zeile in einem Stück, den sogenannten Zeilenguss. Die Monotype von Tolbert Lanston gießt dagegen einzelne Buchstaben: Am Taster werden Lochbänder gestanzt, die eine Gießmaschine steuern. Diese gießt die Lettern und setzt sie zu Zeilen zusammen, nach Angaben zweier Museen bis zu 10.000 in der Stunde.
Was wir nicht wissen
Die Quellen datieren die Linotype auf 1884, um 1885 oder über die Firmengründung auf 1886, die Monotype auf um 1890 oder 1897. Wann Gutenbergs Mainzer Werkstatt zu drucken begann, steht nicht fest. Die Mainzer Quelle nennt für seine Legierung Blei, Zinn und weitere Beimischungen. Ob Antimon dazugehörte, haben wir nicht belegt. Frühere bewegliche Lettern außerhalb Europas behandelt dieser Text nicht. Wie viele Werkstätten heute noch im Bleisatz arbeiten, fanden wir in keiner geöffneten Quelle.
Stand: 13.10.2026. Alle Angaben stammen aus den am Ende genannten Quellen.
Quellen
- Stadt Mainz: Gutenberg-Pfad Mainz (Broschüre, 2023) (öffnet in neuem Tab)
- Gutenberg-Museum Mainz: Pressetext zum Museum (Stadt Mainz) (öffnet in neuem Tab)
- Planet Wissen: Johannes Gutenberg, Wegbereiter einer neuen Kommunikation (öffnet in neuem Tab)
- Museum für Druckkunst Leipzig: Faltblatt Museum 2026 (öffnet in neuem Tab)
- Museum für Druckkunst Leipzig: Monotype-Gießmaschine, Inv. MO-2243 (museum-digital Sachsen) (öffnet in neuem Tab)
- Letternmetall (chemie.de, Lexikon) (öffnet in neuem Tab)
- Setzmaschine (wissen.de, Lexikon) (öffnet in neuem Tab)
- TECHNOSEUM Mannheim: Linotype-Setzmaschine, Inv. EVZ:1984/0071 (museum-digital Baden-Württemberg) (öffnet in neuem Tab)
- Science Museum Group Collection: Mergenthaler Linotype Company (öffnet in neuem Tab)
- LWL-Freilichtmuseum Hagen: Monotype-Setzmaschine, Inv. 0001-4396 (museum-digital Westfalen) (öffnet in neuem Tab)
- Rheinland-Pfälzisches Freilichtmuseum Bad Sobernheim: Winkelhaken, Inv. 0000:2045.184/0 (museum-digital Rheinland-Pfalz) (öffnet in neuem Tab)
- Rheinland-Pfälzisches Freilichtmuseum Bad Sobernheim: Großer Winkelhaken, Inv. 0000:2045.239/0 (museum-digital Rheinland-Pfalz) (öffnet in neuem Tab)
- Rheinland-Pfälzisches Freilichtmuseum Bad Sobernheim: Setzschiff, Inv. 0000:2045.144/0 (museum-digital Rheinland-Pfalz) (öffnet in neuem Tab)
- Rheinland-Pfälzisches Freilichtmuseum Bad Sobernheim: Setzkasten mit Füllmaterial, Inv. 0000:2045.148/2 (museum-digital Rheinland-Pfalz) (öffnet in neuem Tab)
- Rheinland-Pfälzisches Freilichtmuseum Bad Sobernheim: Schließrahmen, Inv. 0000:2045.174/1-3 (museum-digital Rheinland-Pfalz) (öffnet in neuem Tab)
- Rheinland-Pfälzisches Freilichtmuseum Bad Sobernheim: Schubladen mit Stegen und Schließzeug, Inv. 0000:2045.274/3-4 (museum-digital Rheinland-Pfalz) (öffnet in neuem Tab)
- Museumsfabrik Pritzwalk: Setzlinien-Sortiment, Inv. 015.3034-04 (museum-digital Brandenburg) (öffnet in neuem Tab)
- Museumsfabrik Pritzwalk: Sicherheits-Schließzeug-Sortiment (museum-digital Brandenburg) (öffnet in neuem Tab)
- Austria-Forum, Heimatlexikon: Schriftsetzer (nach R. Palla, Verschwundene Arbeit, 2010) (öffnet in neuem Tab)
- Duden: Klischee, das (öffnet in neuem Tab)
- wissen.de, Wahrig Herkunftswörterbuch: Klischee (öffnet in neuem Tab)
- Online Etymology Dictionary: stereotype (öffnet in neuem Tab)