Kork: ein Material aus Rinde

Kork ist die Rinde der Korkeiche. Sie wird von Hand geschält, ohne den Baum zu fällen, und nach neun bis vierzehn Jahren erneut geerntet.

Text: Redaktion · 7 Minuten · Stand

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Faktencheck läuft. Einzelne Angaben in diesem Beitrag prüfen wir gerade noch einmal an den Quellen.

Kork ist ein Material, das man einem Baum abnimmt, ohne ihn zu fällen. Er stammt aus der Rinde der Korkeiche und wächst nach der Ernte wieder nach. Daraus werden Bodenbeläge, Wandverkleidungen, Dämmplatten, Möbel und ganze Fassaden. Dieser Text folgt dem Material von der Rinde bis zum Bau, und er hält fest, was sich belegen lässt.

Ein Baum mit dicker Rinde

Die Korkeiche, botanisch Quercus suber, ist nach dem europäischen Forstgenetik-Programm EUFORGEN eine mittelgroße, immergrüne Eiche. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet sind die Küstenregionen des westlichen Mittelmeerraums. EUFORGEN nennt unter anderem Portugal, Spanien, Südwestfrankreich, Korsika, Sardinien, Italien, Marokko, Algerien und Tunesien.

Was den Baum von anderen Eichen unterscheidet, ist seine dicke, schwammige Rinde. So beschreiben ihn die Museen der Universität Lissabon. In Portugal gilt er seit Ende 2011 als Nationalbaum. Gebildet wird der Kork von einer teilungsfähigen Zellschicht in der Rinde, dem Phellogen. Das erklärt Helena Pereira vom Forschungszentrum für Forstwissenschaft der Universität Lissabon in einer Übersichtsarbeit.

Schälen statt fällen

Geschält wird nach Isabel Miranda und Helena Pereira von Hand. In der Wachstumsphase des Baums lässt sich die Korkschicht nach ihren Angaben abziehen, ohne die darunterliegende innere Rinde und das Kambium zu beschädigen. Die Museen der Universität Lissabon halten fest, dass der Baum dabei nicht stirbt und seine Vitalität nicht wesentlich leidet. In den folgenden Jahren wächst eine neue Korkschicht nach und nimmt an Dicke zu. Diese Fähigkeit zur Erneuerung ist nach derselben Quelle seit der Antike bekannt.

Die erste Ernte liegt weit vom Pflanzen entfernt. Miranda und Pereira nennen ein Baumalter von etwa 25 Jahren, Ana Paula Duarte und João Carlos Bordado sprechen von 20 bis 25 Jahren. Eine forstwissenschaftliche Studie zu spanischen Beständen beschreibt die Regel für ganze Bestände anders: Die Ernte beginnt, wenn etwa die Hälfte der Stämme einen Umfang von 70 Zentimetern über der Rinde erreicht. Der Kork der ersten und der zweiten Schälung heißt Jungfernkork und Sekundärkork. Er eignet sich nach dieser Studie nur zum Zerkleinern.

Der Zyklus der Ernte

Zwischen zwei Schälungen liegen Jahre. Wie viele, hängt nach den Quellen von Klima, Boden und Region ab.

  • Die Museen der Universität Lissabon nennen eine Ernte in der Regel alle neun Jahre.
  • EUFORGEN sowie Duarte und Bordado nennen 9 bis 12 Jahre.
  • Die Studie von María Pasalodos-Tato und anderen (2018) nennt 9 bis 14 Jahre.

Ganz ohne Fällen kommt die Bewirtschaftung trotzdem nicht aus. Miranda und Pereira nennen Schälungen bis zu einem Baumalter von etwa 150 Jahren. Die Studie von Pasalodos-Tato und anderen rechnet mit einer Verjüngung der Bestände, wenn die Bäume 150 bis 180 Jahre alt sind.

Hooke und die Zellen

Dass Kork aus Zellen besteht, hat eine lange Vorgeschichte in der Wissenschaft. Robert Hooke, ein Gründungsmitglied der Royal Society, veröffentlichte 1665 sein Buch Micrographia. So beschreiben es die Bodleian Libraries in Oxford. Nach dem Royal Collection Trust untersuchte Hooke darin unter dem Mikroskop den Aufbau von Kork. Er sah kleine, wabenförmige Strukturen und nannte sie „cells“, weil sie ihn an die Kammern eines Klosters erinnerten. Auch Pereira verweist in ihrer Übersichtsarbeit auf Hooke 1665 als frühe Untersuchung der Zellstruktur von Kork.

Heute ist dieser Aufbau vermessen. Pereira beschreibt Korkzellen als Prismen, im Mittel etwa sechseckig, die Boden an Boden gestapelt sind. In einem Kubikzentimeter liegen nach ihren Angaben 40 bis 70 Millionen Zellen. Das Gewebe ist kompakt, ohne Hohlräume zwischen den Zellen. Kork ist, in ihren Worten, ein Schaum mit geschlossenen Zellen.

Die Zellwände enthalten viel Suberin. Pereira beziffert seinen Anteil im Mittel auf 53 Prozent der Strukturbestandteile. Duarte und Bordado nennen durchschnittlich etwa 40 Prozent, daneben Lignin, Polysaccharide und Extraktstoffe. Die Werte unterscheiden sich, die Rolle des Suberins in der Zellwand beschreiben beide Arbeiten.

Leicht, elastisch, dämmend

Aus diesem Aufbau folgen die Eigenschaften, für die Kork verwendet wird.

Er ist leicht. Luftgetrockneter Kork hat nach Pereira meist eine Dichte von 150 bis 160 Kilogramm pro Kubikmeter.

Er ist elastisch. Nach einer Belastung kehrt Kork laut Pereira rasch in seine ursprünglichen Maße zurück. Wird er zusammengedrückt, weicht er seitlich kaum aus. Duarte und Bordado sprechen von hoher Elastizität und einer niedrigen Poissonzahl. Struktur und Mechanik von Kork untersuchten L. J. Gibson, K. E. Easterling und M. F. Ashby 1981 in den Proceedings der Royal Society. Eine Vorlesung des MIT zu zellularen Werkstoffen von 2015 verweist auf diese Arbeit.

Er dämmt. Wärme wird nach Pereira wegen der Struktur nur langsam durch Kork übertragen. Miranda und Pereira geben für natürlichen Kork eine Wärmeleitfähigkeit von 0,040 bis 0,045 Watt pro Meterkelvin an.

Vom Granulat zur Platte

Ein Weg in Bau und Design führt über das Granulat. Daraus entstehen Verbundwerkstoffe, die nach Duarte und Bordado für Wand- und Bodenbeläge verwendet werden. Auf das Bauwesen entfallen nach ihren Angaben etwa 22 Prozent der Korkverwendung.

Ein eigenes Material ist das expandierte Korkagglomerat. Miranda und Pereira beschreiben das Verfahren: Das Granulat wird in geschlossenen Autoklaven mit überhitztem Dampf bei 300 bis 350 Grad und 40 Kilopascal erhitzt, für 17 bis 30 Minuten. Dabei entstehen aus dem Kork selbst Stoffe, die die Körner verbinden. Ein zusätzliches Bindemittel braucht die Platte nicht. Die Dichte liegt meist bei 90 bis 110 Kilogramm pro Kubikmeter. Verwendet wird das Material vor allem zur Wärmedämmung, zur Schallabsorption und zur Dämpfung von Schwingungen.

Kork in der Architektur

Die Verwendung im Bau ist nicht neu. Bei Sintra in Portugal ließ D. Álvaro de Castro 1560 das Kapuzinerkloster bauen. Nach der Verwaltung der Parques de Sintra diente Kork von den Eichen des Geländes dort als Dämmung. Das Kloster heißt auch „Korkkloster“, William Beckford gebrauchte den Namen 1787 in seinem Tagebuch.

Miranda und Pereira stellen eine Reihe neuerer Bauten vor. Den Pavillon Portugals auf der Expo 2000 in Hannover entwarfen Álvaro Siza und Eduardo Souto de Moura, 2002 wurde er in Coimbra wieder aufgebaut. Der Pavillon Portugals auf der Expo 2010 in Shanghai von Carlos Couto war vollständig mit 3.640 Quadratmetern Dämmkorkplatten verkleidet. Für den Serpentine Pavilion 2012 in London von Herzog & de Meuron und Ai Weiwei wurden 80 Kubikmeter Dämmkorkplatten zu Stufen, Podesten, Bänken und Hockern geschnitzt. Weitere Beispiele in der Übersicht sind das Corkhouse in Berkshire von 2019 und The Float in Leiden von 2021.

An diesen Bauten zeigt sich, was das Material im Design kann. Dieselbe Platte ist Dämmung, Oberfläche und, wie in London, auch Sitzmöbel. Die Museen der Universität Lissabon zählen neben Baustoffen ausdrücklich Möbel und Designobjekte zu den Verwendungen von Kork.

Montado und Dehesa

Kork stammt aus einer Kulturlandschaft. In Portugal heißen die Korkeichenwälder Montado, in Spanien Dehesa, in Marokko Azaghar. Miranda und Pereira beziffern ihre Fläche auf rund 2,1 Millionen Hektar. Für Portugal nennt die Studie von Pasalodos-Tato und anderen 713.000 Hektar, für Spanien 475.000 Hektar.

Teresa Pinto-Correia und Kollegen beschreiben den Montado als agro-silvo-pastorales System, ähnlich der spanischen Dehesa. Er bedeckt weite Teile des Alentejo im Süden Portugals. Die Bäume sind Kork- oder Steineichen, das Landschaftsbild gleicht einer Savanne, und das System liefert mehrere, einander ergänzende Erträge. Bekannt sei es vor allem wegen des Korks. Auch die Museen der Universität Lissabon halten fest, dass die meisten Korkeichen Portugals in Montados stehen, die mehr leisten als die Korkernte.

Für Gestalterinnen und Gestalter ist das ein Hinweis auf die Zeitskala. Eine Korkplatte setzt einen Baum voraus, der 20 bis 25 Jahre wächst, bevor er überhaupt geschält wird, und danach im Abstand von neun Jahren oder mehr. Das Material erneuert sich, aber langsam.

Weiterlesen: Hanffaser als Material

Häufige Fragen

Wird die Korkeiche für die Korkgewinnung gefällt?

Nein. Die Korkschicht wird von Hand geschält, in der Wachstumsphase des Baums lässt sie sich abziehen, ohne die innere Rinde und das Kambium zu beschädigen. Der Baum stirbt dabei nicht, und in den folgenden Jahren wächst eine neue Korkschicht nach. Ganz ohne Fällen geht es dennoch nicht: Eine forstwissenschaftliche Studie rechnet mit einer Verjüngung der Bestände, wenn die Bäume 150 bis 180 Jahre alt sind.

Wie oft kann man Kork ernten?

Die erste Schälung erfolgt bei einem Baumalter von etwa 20 bis 25 Jahren. Danach liegen je nach Quelle, Klima, Boden und Region neun bis vierzehn Jahre zwischen zwei Ernten. Geschält wird bis zu einem Baumalter von etwa 150 Jahren.

Warum dämmt Kork?

Kork ist nach Helena Pereira von der Universität Lissabon ein Schaum mit geschlossenen Zellen, in einem Kubikzentimeter liegen 40 bis 70 Millionen davon. Wegen dieser Struktur wird Wärme nur langsam durch das Material übertragen. Für natürlichen Kork nennen Miranda und Pereira eine Wärmeleitfähigkeit von 0,040 bis 0,045 Watt pro Meterkelvin.

Was wir nicht wissen

Die Angaben zum Ernteabstand reichen je nach Quelle von 9 bis 14 Jahren, und für den Suberinanteil nennen zwei Fachquellen verschiedene Werte. Wie viel des geernteten Korks heute in Bodenbeläge, Dämmplatten und Möbel geht, beziffern die gelesenen Quellen nur für das Bauwesen insgesamt. Für Gefäße aus Kork fanden wir keine Fachquelle.

Weiterlesen: Patina: wie Kupfer und Messing altern · Urushi: eine Materialgeschichte des Lacks

Stand: 13.10.2026. Quellen siehe unten.

Quellen

  1. Museus da Universidade de Lisboa, Objeto do mês (März 2019): O sobreiro, a Árvore Nacional de Portugal (öffnet in neuem Tab)museus.ulisboa.pt · abgerufen am
  2. EUFORGEN, European Forest Genetic Resources Programme: Quercus suber (öffnet in neuem Tab)euforgen.org · abgerufen am
  3. Helena Pereira: The Rationale behind Cork Properties: A Review of Structure and Chemistry, BioResources 10(3), 2015, S. 6207–6229 (Universidade de Lisboa) (öffnet in neuem Tab)bioresources.cnr.ncsu.edu · abgerufen am
  4. Isabel Miranda, Helena Pereira: Cork Façades as an Innovative and Sustainable Approach in Architecture: A Review of Cork Materials, Properties and Case Studies, Materials 17(17), 4414, 2024 (öffnet in neuem Tab)mdpi.com · abgerufen am
  5. Ana Paula Duarte, João Carlos Bordado: Cork – A Renewable Raw Material: Forecast of Industrial Potential and Development Priorities, Frontiers in Materials 2, 2015 (öffnet in neuem Tab)frontiersin.org · abgerufen am
  6. María Pasalodos-Tato, Timo Pukkala, Isabel Cañellas, Mariola Sánchez-González: Optimizing the debarking and cutting schedule of cork oak stands, Annals of Forest Science 75, Art. 61, 2018 (öffnet in neuem Tab)link.springer.com · abgerufen am
  7. Royal Collection Trust: Micrographia, or some physiological descriptions of minute bodies made by magnifying glasses (RCIN 1090263) (öffnet in neuem Tab)rct.uk · abgerufen am
  8. Bodleian Libraries, University of Oxford: Moments in Medicine, Micrographia (öffnet in neuem Tab)bodwhatson.web.ox.ac.uk · abgerufen am
  9. Teresa Pinto-Correia, Nuno Ribeiro, Paulo Sá-Sousa: Introducing the montado, the cork and holm oak agroforestry system of Southern Portugal, 2011 (Datensatz in AGRIS, FAO) (öffnet in neuem Tab)agris.fao.org · abgerufen am
  10. Parques de Sintra – Monte da Lua: Convent of the Capuchos (Informationsblatt, englisch) (öffnet in neuem Tab)parquesdesintra.pt · abgerufen am
  11. MIT OpenCourseWare: 3.054 Cellular Solids, Spring 2015, Lecture 6, Cork (Lorna J. Gibson) (öffnet in neuem Tab)ocw.mit.edu · abgerufen am

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