Höhenlinien: wie Karten Gelände zeigen
Höhenlinien verbinden Punkte gleicher Höhe: Liegen sie eng, ist es steil. Dazu kommen Schraffen und Schummerung; in Deutschland beziehen sich Höhen auf NHN.
Ein Blatt Papier ist flach, ein Gebirge nicht: Jede Karte, die Gelände zeigen will, muss deshalb eine dritte Dimension in Zeichen übersetzen, die man auf einer Fläche lesen kann. Die Kartografie hat dafür mehrere Lösungen gefunden; drei davon behandelt dieser Text: Schraffen, Höhenlinien, die benachbarte Punkte gleicher Höhe verbinden, und Schummerung.
Striche, die einen Hang hinunterlaufen
Bevor Höhenlinien zum Standard wurden, zeichnete man Gelände mit Strichen. Das Lexikon der Kartographie und Geomatik beschreibt Schraffen als grafisches Ausdrucksmittel für die Reliefdarstellung in Karten. Sie gehen auf die Schattenschraffuren zurück, mit denen Federzeichnung, Holzschnitt und Kupferstich plastische Wirkung erzeugten.
Ihre feste Form erhielten die Böschungsschraffen durch Johann Georg Lehmann. Die Deutsche Biographie führt ihn als Geodäten und Militärkartografen, geboren am 11. Mai 1765 bei Baruth in der Lausitz, gestorben am 6. September 1811 in Dresden. 1799 legte er sein System in der Schrift „Darstellung einer neuen Theorie zur Bezeichnung der schiefen Flächen im Grundriß“ vor. Die „Lehre vom Situationszeichnen“ erschien nach seinem Tod in zwei Bänden, 1812 und 1816.
Lehmanns Gedanke war einfach. Er nahm eine gleichmäßige senkrechte Beleuchtung des Geländes an. Ein flacher Hang erhält dann viel Licht, ein steiler wenig. Die Böschungswinkel von 0 bis 45 Grad stufte er in Schritten von 5 Grad ab und gab jeder Stufe eine eigene Kombination aus Strichen. Daraus folgt die Regel, die das Lexikon knapp zusammenfasst: je steiler, desto dunkler. Die einzelnen Striche zeigen in Richtung des größten Gefälles und stehen rechtwinklig zu den Höhenlinien. Bei gleichem Abstand hängen Länge und Breite der Striche von der Neigung ab.
Die Wirkung war beträchtlich. Laut Deutscher Biographie ließ Napoleon das Werk übersetzen. 1816 wurde das System in Preußen empfohlen, 1817 in Frankreich eingeführt, danach in England.
Neben den Böschungsschraffen gab es Schattenschraffen. Bei ihnen fällt das Licht schräg ein, meist von links oben, auf genordeten Karten also aus Nordwest. Hänge im Schatten werden dunkler gezeichnet als Hänge im Licht. Das Lexikon hält sie für geeigneter bei gestreckten, gleichmäßig geneigten Hängen im Steilrelief.
Schraffen hatten einen Preis. Ihre Vervielfältigung war an Kupferstich und Steingravur gebunden, beides aufwendige Handarbeit. Später wurden sie meist durch die Schummerung abgelöst, und das Lexikon merkt an, dass dabei oft grafische Wirkung verloren ging.
Die Linie gleicher Höhe
Eine Höhenlinie, fachlich Isohypse, verbindet benachbarte Punkte gleicher Höhenlage. So definiert sie das Lexikon der Geowissenschaften. In kleinen Gebieten ist sie die Schnittlinie einer waagerechten Ebene mit der Erdoberfläche. Man kann sich einen Berg vorstellen, der in gleichen Abständen waagerecht durchgeschnitten wird. Die Ränder der Schnitte, von oben auf das Papier projiziert, ergeben das Bild der Höhenlinien.
Das Lexikon datiert die Verwendung von Höhenlinien in einer Karte von Frankreich auf 1791. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzten sie sich als Hauptmethode der Reliefdarstellung in topografischen Karten durch. Die Deutsche Biographie sieht einen Zusammenhang mit Lehmann: Weil seine Schraffen rechtwinklig auf Höhenlinien gesetzt wurden, rückten die Horizontalen ins Zentrum der genauen Geländedarstellung.
Der senkrechte Abstand zwischen zwei benachbarten Höhenlinien heißt Äquidistanz. Er ist innerhalb eines Kartenblatts in der Regel einheitlich. Wie groß er gewählt wird, hängt nach dem Lexikon der Kartographie und Geomatik von Maßstab und Gelände ab. Für die topografische Karte 1:25 000 nennt das Lexikon (Stand 2001) das 5-Meter-Höhenliniensystem. Für die Deutsche Grundkarte 1:5000 und die Karte 1:10 000 gibt es für diesen Stand Werte von 1 Meter im Flachland, 2,5 Metern im Hügelland und 5 Metern im Bergland an. Der Deutsche Alpenverein nennt für seine Alpenvereinskarten in der Regel 20 Meter.
Ein Höhenliniensystem besteht aus mehreren Linienarten. Die Haupthöhenlinien tragen das Bild. Etwa jede fünfte wird kräftiger gezogen und heißt Zähllinie oder verstärkte Haupthöhenlinie. Sie erleichtert das Ablesen absoluter Höhen. Wo das Gelände sehr flach ist, ergänzen gestrichelte Hilfshöhenlinien mit halber oder viertel Äquidistanz das Bild. In der Digitalen Topographischen Karte 1:25 000 liegen die Höhenlinien zusammen mit Böschungen, Dämmen und Höhenzahlen auf einer eigenen Ebene in Reliefbraun, wie die Dokumentation des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie (BKG) beschreibt.
Null ist eine Vereinbarung
Eine Höhenangabe braucht einen Bezug. In Deutschland wird die Nullfläche heute nicht mehr allein über einen Pegel bestimmt, sondern durch ein berechnetes Modell realisiert. Das BKG erläutert, dass in Deutschland Normalhöhen im System DHHN2016 verwendet werden. Die Nullfläche dieser Normalhöhen heißt seit 1992 Normalhöhennull, kurz NHN. Sie wird durch ein Quasigeoidmodell realisiert, für das DHHN2016 durch das Modell GCG2016. Vor 1992 sprach man von Normalnull, NN, mit dem Normaal Amsterdams Peil als Bezug.
Das BKG weist auch auf eine Eigenheit hin, die man auf Karten nicht sieht. Die Nullfläche eines nationalen Höhennetzes ist eine Festlegung, die an einen gewählten Pegel gebunden ist. Der dort gemessene mittlere Meeresspiegel entspricht nicht dem globalen, weil die Meeresoberfläche keine Gleichgewichtsfläche ist. Höhen in Karten verschiedener Länder beziehen sich deshalb nicht zwingend auf dieselbe Null. Für die DTK25 nennt die BKG-Dokumentation als Höhensystem DHHN2016.
Licht von links oben
Höhenlinien sind genau, aber sie verlangen Übung. Plastisch wirkt eine Karte erst, wenn Licht und Schatten hinzukommen. Diese Aufgabe übernimmt die Schummerung. Der Alpenverein beschreibt sie so: Eine gedachte Lichtquelle lässt die abgewandten Hänge in einem Schattenton erscheinen, die zugewandten heller. In den Alpenvereinskarten steht diese Lichtquelle links oben, also in der Richtung, die das Lexikon auch für Schattenschraffen als üblich nennt.
Heute wird Schummerung häufig berechnet. Das Lexikon der Geowissenschaften beschreibt die Schummerungskarte als Darstellung, bei der aus einem Punktnetz der Geländeoberfläche Neigung und Ausrichtung jeder Fläche ermittelt werden. Daraus ergibt sich der Schattenwurf einer angenommenen Lichtquelle, umgesetzt als Fläche mit wechselnder Helligkeit. Die Höhenlinie misst, die Schummerung macht anschaulich, und beide werden auf einem Blatt kombiniert.
Wer die Karten macht
In Deutschland teilen sich Länder und Bund die topografische Kartografie. Das Lexikon der Kartographie und Geomatik beschreibt den Stand von 2001: Die Landesvermessungsämter bearbeiteten damals Karten bis einschließlich 1:100 000, das BKG war für 1:200 000 zuständig. Die Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder sorgte mit Richtlinien für ein einheitliches Erscheinungsbild. Die aktuelle Dokumentation des BKG zur DTK25 zeigt, wie das heute zusammenläuft: Die Vermessungsverwaltungen der Länder leiten die Karte automatisiert aus dem Basis-Landschaftsmodell und dem Digitalen Geländemodell ab. Das BKG führt die Länderdaten zu einem bundesweiten Datensatz ohne Blattschnitt zusammen. Für den Maßstab 1:250 000 nennt der Metadatensatz des Kartendienstes das BKG als Anbieter.
In der Schweiz liegt die Landesvermessung beim Bundesamt für Landestopografie swisstopo. Es wurde nach eigener Darstellung 1838 von Guillaume Henri Dufour in Carouge als Bureau topographique fédéral gegründet. Die Dufourkarte erschien zwischen 1845 und 1865. Es folgte der Topographische Atlas der Schweiz, die Siegfriedkarte, mit 604 Blättern zwischen 1870 und 1926 in den Maßstäben 1:25 000 und 1:50 000, dreifarbig und mit Höhenlinien. Seit 1938 erscheinen die Landeskarten. Das Historische Lexikon der Schweiz beschreibt eine Folge dieser Höhenlinienblätter: Reliefbauer konnten die Höhenschichten auf Karton oder Gips übertragen und zu Stufenmodellen stapeln. Die Höhenlinie wurde so wieder zu dem, was sie gedanklich immer war, einem Schnitt durch einen Berg.
Eine Karte lesen
Die Grundregel steht in der Broschüre der Landesvermessung Baden-Württemberg zum Kartenlesen: Wo die Höhenlinien eng beieinanderliegen, ist es steil, wo sie weit auseinanderliegen, ist es flacher. Der Grund ist die gleichbleibende Äquidistanz. Jede Linie steht für dieselbe Höhendifferenz. Liegen viele davon auf kurzer Strecke, steigt das Gelände dort schnell an.
Ein Beispiel zum Nachrechnen: Bei 20 Metern Äquidistanz liegen zwischen 1000 und 1100 Metern vier Höhenlinien, bei 1020, 1040, 1060 und 1080 Metern. Ob diese fünf Abstände auf einem Zentimeter oder auf fünf Zentimetern Karte verteilt sind, entscheidet darüber, ob man einen Steilhang oder einen sanften Rücken vor sich hat. Höhenlinienzahlen kennzeichnen einzelne Linien. Die Broschüre nennt zudem Höhenpunkte mit Höhenangabe, etwa am höchsten Punkt eines Geländes. Wer dazu die Zähllinien sucht, findet schnell die absoluten Werte.
Wer sich für die Frage interessiert, wie man die Erde als Ganzes abbildet, findet im Globus das Gegenstück zur flachen Karte.
Weiterlesen: Der Globus: die Welt als Kugel · Sonnenuhren: Zeit aus Schatten
Häufige Fragen
Was ist eine Höhenlinie?
Eine Höhenlinie, fachlich Isohypse, verbindet auf einer Karte benachbarte Punkte gleicher Höhenlage. Man kann sie sich als Rand eines waagerechten Schnitts durch einen Berg vorstellen, von oben auf das Papier projiziert. Der senkrechte Abstand zwischen zwei benachbarten Höhenlinien heißt Äquidistanz und ist innerhalb eines Kartenblatts in der Regel einheitlich.
Wie liest man Höhenlinien auf einer Karte?
Wo die Höhenlinien eng beieinanderliegen, ist es steil, wo sie weit auseinanderliegen, ist es flacher, weil jede Linie für dieselbe Höhendifferenz steht. Etwa jede fünfte Linie ist kräftiger gezogen; diese Zähllinie erleichtert das Ablesen absoluter Höhen. Höhenlinienzahlen und Höhenpunkte mit Höhenangabe ergänzen das Bild.
Worauf beziehen sich Höhenangaben in deutschen Karten?
In Deutschland werden nach dem Bundesamt für Kartographie und Geodäsie Normalhöhen im System DHHN2016 verwendet. Ihre Nullfläche heißt seit 1992 Normalhöhennull, kurz NHN, und wird durch ein berechnetes Quasigeoidmodell realisiert. Vor 1992 sprach man von Normalnull, NN, mit dem Normaal Amsterdams Peil als Bezug.
Was wir nicht wissen
Wer die Höhenlinie in der Karte von Frankreich 1791 gezeichnet hat, nennt das geöffnete Lexikon nicht. Eine aktuelle Darstellung der Aufgabenteilung zwischen BKG und Landesvermessung haben wir nicht an einer Quelle des BKG geprüft; die Angaben zu den Maßstäben stammen aus einem Lexikon von 2001 und aus Produktdokumentationen. Die Äquidistanz der heutigen DTK25 nennt die BKG-Dokumentation nicht. Ob und wie die Dufourkarte Schraffen verwendete, belegen die hier gelesenen Quellen nicht.
Stand: 13.10.2026. Quellen siehe unten.
Quellen
- Schraffen (Lexikon der Kartographie und Geomatik, Spektrum Akademischer Verlag, 2001) (öffnet in neuem Tab)
- Lehmann, Johann Georg (Deutsche Biographie: Neue Deutsche Biographie und Allgemeine Deutsche Biographie) (öffnet in neuem Tab)
- Höhenlinie (Lexikon der Geowissenschaften, Spektrum Akademischer Verlag) (öffnet in neuem Tab)
- Äquidistanz (Lexikon der Kartographie und Geomatik, Spektrum Akademischer Verlag) (öffnet in neuem Tab)
- Höhenliniensystem (Lexikon der Kartographie und Geomatik, Spektrum Akademischer Verlag, 2001) (öffnet in neuem Tab)
- Schummerungskarte (Lexikon der Geowissenschaften, Spektrum Akademischer Verlag, 2000) (öffnet in neuem Tab)
- Kartographie-Glossar (Deutscher Alpenverein) (öffnet in neuem Tab)
- Tipps zum Kartenlesen (Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Baden-Württemberg mit der Deutschen Gesellschaft für Kartographie, 4. Auflage 2024) (öffnet in neuem Tab)
- Erläuterungen zu Höhen und Quasigeoid (Bundesamt für Kartographie und Geodäsie, Geoid-Informationsdienst) (öffnet in neuem Tab)
- Digitale Topographische Karte 1:25 000 (DTK25), Dokumentation (Bundesamt für Kartographie und Geodäsie, Stand 01.09.2026) (öffnet in neuem Tab)
- WMS Digitale Topographische Karte 1:250 000 (Metadatensatz, GDI-DE Geodatenkatalog) (öffnet in neuem Tab)
- Topographische Kartographie (Lexikon der Kartographie und Geomatik, Spektrum Akademischer Verlag, 2001) (öffnet in neuem Tab)
- History of swisstopo (Bundesamt für Landestopografie swisstopo) (öffnet in neuem Tab)
- Bundesamt für Landestopographie (Lexikon der Geowissenschaften, Spektrum Akademischer Verlag) (öffnet in neuem Tab)
- Peter Jud, Christian Baertschi: Relief (Historisches Lexikon der Schweiz, Version vom 29.06.2015) (öffnet in neuem Tab)