Woher der Geruch von Hanf kommt

Woher der Geruch von Hanf kommt: Terpene erklären ihn nur zum Teil. Die Forschung nennt auch Spuren anderer Stoffe, etwa flüchtige Schwefelverbindungen.

Text: Redaktion · 8 Minuten · Stand

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Faktencheck läuft. Einzelne Angaben in diesem Beitrag prüfen wir gerade noch einmal an den Quellen.

Laut einer Studie von Somchai Rice und Jacek Koziel (Iowa State University, 2015) erklären Terpene, die bekannten Duftstoffe der Pflanze, den typischen Geruch von Hanf nur zum Teil: Über einer ihrer Proben lösten nur 29 Prozent der flüchtigen Stoffe überhaupt eine Geruchswahrnehmung aus, und die charakteristischen Gerüche stammten nicht von den mengenmäßig vorherrschenden Stoffen. Seit 2021 werden zudem flüchtige Schwefelverbindungen wie 3-Methyl-2-buten-1-thiol als Schlüsselstoffe des Aromas beschrieben, zurückgehend auf ein Team um Iain Oswald in der Fachzeitschrift ACS Omega. Eine Untersuchung von 2025 an anderem Probenmaterial fand ebenfalls Schwefelverbindungen, bestätigte die Einzelbefunde aber nicht; ein Widerspruch sei das nach Angaben der Autoren nicht.

Auf einen Blick

  • Hanf bildet nach Booth und Kollegen (2017) in seinen Drüsenhaaren ein terpenreiches Harz; Terpene sind danach für einen großen Teil des Dufts der Blüten verantwortlich.
  • Rice und Koziel ordneten 2015 vorläufig 233 flüchtige Verbindungen aus dem Gasraum über Hanfproben zu, 1973 waren es nach ihrer Darstellung 20.
  • Für die Geruchswirkung zählt nach Rice und Koziel nicht die Menge eines Stoffs allein, sondern ihr Verhältnis zur Geruchsschwelle, der Konzentration, die die Hälfte der Menschen wahrnimmt.
  • Oswald und Kollegen beschrieben 2021 eine neue Familie prenylierter flüchtiger Schwefelverbindungen; untersucht wurden nach Angaben der American Chemical Society Blüten von 13 Sorten.
  • Isaacson und Kollegen fanden 2025 in 59 Proben 43 schwefelhaltige Signale, konnten 3-Methyl-2-buten-1-thiol aber nur vorläufig zuordnen.

Was erklären Terpene, und wo endet die Erklärung?

Terpene erklären viel vom Duft des Hanfs, aber nicht alles. Booth, Page und Bohlmann von der University of British Columbia schrieben 2017, die Pflanze bilde und speichere ein terpenreiches Harz in ihren Drüsenhaaren; diese Stoffe seien für einen großen Teil des Dufts der Blüten verantwortlich. Zu den Hauptbestandteilen zählen sie unter anderem β-Myrcen, Limonen, α-Pinen, β-Caryophyllen und α-Humulen. Was diese Drüsenhaare sind, erklärt unser Beitrag über Trichome, die Drüsenhaare der Pflanzen, und wie einzelne Terpene riechen, steht in Terpene erklärt.

Eine Übersichtsarbeit von Desaulniers Brousseau und Kollegen zählte 2021 mindestens 120 in Hanf nachgewiesene Terpene, deren Zusammensetzung von Erbanlagen, Umwelt und Entwicklungsstand abhängt. Andere Geruchsstoffe als Terpene kommen in ihr nicht vor.

Genau darin liegt die Grenze. Eine Messung erfasst nur, wonach sie sucht. Watts und Kollegen etwa werteten für ihre Arbeit in Nature Plants 2021 Messdaten von 297 Proben zu 40 Terpenen und Cannabinoiden neu aus; schwefelhaltige Stoffe kommen in der Arbeit nicht vor. Isaacson und Kollegen von der Oregon State University folgern 2025 aus ihren Messungen und Prüfgremien, die Terpenchemie allein sage das Sinnesprofil einer Probe nicht voraus (unsere Übersetzung).

Dieser Beitrag beschreibt Duftstoffe und Messmethoden. Über Wirkungen auf den Menschen und über die Beschaffenheit von Produkten sagt er nichts.

Wie arbeitet die Riechforschung?

Riechforschung verbindet ein Trenngerät mit der menschlichen Nase: Gaschromatographie mit Olfaktometrie. Bei Rice und Koziel nahm eine beschichtete Faser die flüchtigen Stoffe aus der Luft über den Proben auf, ein Verfahren namens Festphasen-Mikroextraktion; sie sammelte je nach Versuch 5 Minuten, eine Stunde oder 68 Stunden bei Raumtemperatur.

Anschließend trennte ein Gaschromatograph das Gemisch auf. Dafür waren eine unpolare und eine polare Trennsäule hintereinandergeschaltet. Am Ende teilte sich der Gasstrom im Verhältnis drei zu eins: Der größere Teil ging an eine Riechstelle, der kleinere an ein Massenspektrometer, das die Stoffe vorläufig bestimmte.

An der Riechstelle saß ein Mensch. Ein Prüfer, zuvor mit Geruchsstandards geschult, notierte, wann er etwas roch, wie er es beschreiben würde und wie stark es war, auf einer Skala von 0 (nicht vorhanden) bis 100 (intensiv). In einer Probe standen 179 bestimmten Verbindungen 53 solcher Ereignisse gegenüber.

Nach Rice und Koziel wuchs die Zahl der im Gasraum über Hanf nachgewiesenen Stoffe von 20 im Jahr 1973, beschrieben von Hood und Kollegen in Nature, auf die vorläufig 233 Verbindungen ihrer eigenen Arbeit.

Warum genügen winzige Mengen?

Ein Stoff muss nicht reichlich vorhanden sein, um einen Geruch zu prägen; es kommt darauf an, wie empfindlich die Nase auf ihn reagiert. Die Fachsprache nennt das die Geruchsschwelle: nach der Definition bei Rice und Koziel die Konzentration, bei der die Hälfte einer Bevölkerung einen Stoff wahrnimmt. Setzt man die gemessene Menge ins Verhältnis zu dieser Schwelle, erhält man den Geruchsaktivitätswert. Das Konzept geht nach den Autoren auf Patton und Josephson zurück, die 1957 eine Methode beschrieben, die Bedeutung flüchtiger Aromastoffe in Lebensmitteln zu bestimmen. In der Lebensmittelbranche wird es nach Rice und Koziel breit genutzt, etwa für das Aroma von Brot, Rindfleisch und Kaffee.

Für Hanf ergab diese Rechnung ein Bild, das der Terpenliste widerspricht. Nur 29 Prozent der Stoffe in der Luft über einer Probe lösten an der Riechstelle überhaupt eine Wahrnehmung aus. Stoffe mit starkem Geruch waren nach den Autoren nicht unbedingt die mengenmäßig vorherrschenden. Sie sprechen von „Nadeln im Heuhaufen“ (unsere Übersetzung). Für getrocknete Proben standen unter anderem Benzaldehyd, Myrcen, Decanal, Heptanal und Methylanthranilat oben auf ihrer Liste, für eine frische Probe Nonanal, Decanol und o-Cymol. Darunter sind mehrere Aldehyde, erkennbar an der Endung -al.

Die Rechnung hat eine Lücke, die die Autoren selbst benennen: Nur für 31 Prozent der 179 Verbindungen gab es veröffentlichte Geruchsschwellen.

Was ist 3-Methyl-2-buten-1-thiol?

3-Methyl-2-buten-1-thiol ist eine flüchtige Schwefelverbindung, die Iain Oswald und Kollegen 2021 in ACS Omega in Hanf beschrieben; Thiole, Schwefelverbindungen mit einer SH-Gruppe, zählen nach Isaacson und Kollegen zu den flüchtigen Schwefelverbindungen. Der Titel der Arbeit spricht von einer neuen Familie prenylierter flüchtiger Schwefelverbindungen, sichtbar geworden mit umfassender zweidimensionaler Gaschromatographie, also mit einer Trennung auf zwei unterschiedlichen Säulen.

Die Originalarbeit konnten wir nicht öffnen; wir kennen sie aus der Pressemitteilung der American Chemical Society vom 1. Dezember 2021 und aus der Darstellung von Isaacson und Kollegen. Nach der Pressemitteilung untersuchte das Team Blüten von 13 Sorten und fand in einer davon sieben flüchtige Schwefelverbindungen; fünf davon trugen eine Prenylgruppe und rochen nach Stinktier oder schwefelig. Ihr Gehalt stieg gegen Ende der Blütezeit, erreichte während der Nachbehandlung nach der Ernte einen Höchstwert und fiel nach zehn Tagen Lagerung deutlich ab. Nach Isaacson und Kollegen tragen prenylierte Verbindungen wie 3-Methyl-2-buten-1-thiol zu herzhaften Noten in Auszügen aus THC-dominantem Hanf bei.

Welche Stoffe außer Terpenen spielen mit?

Neben Terpenen prägen auch Ester, Aldehyde, Thiole und weitere flüchtige Stoffe das Sinnesprofil von Hanf. So fassen Isaacson und Kollegen die Literatur zusammen und stützen sich dabei auf vier Arbeiten, darunter zwei von Oswald und Kollegen. Die zweite, 2023 ebenfalls in ACS Omega erschienen, sagt schon im Titel, dass geringfügige, nicht-terpenoide flüchtige Stoffe die Aromaunterschiede bestimmter, als ungewöhnlich geltender Proben prägen. Eine Arbeit von Paryani und Kollegen von 2024 kommt nach ihrem Titel zu dem Schluss, dass die chemische Vielfalt jenseits der Terpene unterschiedliche Aromaeigenschaften vorhersagt.

Ein Vergleich aus der Natur findet sich bei Isaacson und Kollegen: Sie beschreiben Schwefelverbindungen, die nach tropischen Früchten riechen, darunter Thiole und prenylierte Schwefelverbindungen, und verweisen dafür auf die Arbeit von 2023. Zugleich halten sie fest, es gebe bislang wenig Forschung, die das Vorkommen solcher Stoffe mit bestimmten Aromen verbinde.

Was ergab eine Messung von 2025?

Die Messung fand Schwefelverbindungen, bestätigte die konkreten Befunde von Oswald und Kollegen aber nicht. Die Autoren sehen darin keinen Widerspruch: Oswald und Kollegen hatten Harzextrakte aus THC-dominantem Hanf untersucht, sie selbst nur CBD-dominante Blütenstände. Isaacson und Kollegen untersuchten 59 CBD-dominante Proben mit einem Gaschromatographen und einem gepulsten flammenphotometrischen Detektor. Sie fanden 43 schwefelhaltige Signale. Acht Stoffe ließen sich sicher bestimmen, darunter Dimethylsulfid und Schwefelwasserstoff; belastbar quantifizieren ließ sich nur Dimethylsulfid, mit im Mittel 1,98 ppm.

Für 3-Methyl-2-buten-1-thiol gab es eine vorläufige Übereinstimmung mit dem Vergleichsstoff, aber keine sichere Bestimmung, weil dieser Vergleichsstoff verunreinigt war. Ihr Prüfgremium beschrieb zudem 91 Proben mit einem eigenen Wortschatz aus 25 Begriffen; wie solche Wortschätze entstehen, zeigt Eine Sprache für Aromen.

Häufige Fragen

Warum riecht Hanf so typisch?

Terpene liefern nach Booth und Kollegen einen großen Teil des Dufts von Hanf. Messungen mit Gaschromatographie und menschlicher Nase zeigen aber, dass auch Stoffe in geringer Menge den Geruch prägen, wenn ihre Geruchsschwelle niedrig ist. Neuere Arbeiten nennen dafür unter anderem flüchtige Schwefelverbindungen, Ester und Aldehyde.

Was ist 3-Methyl-2-buten-1-thiol?

3-Methyl-2-buten-1-thiol ist eine flüchtige Schwefelverbindung, die Oswald und Kollegen 2021 als Teil einer neuen Familie prenylierter Schwefelverbindungen in Hanf beschrieben. Prenylierte Schwefelverbindungen wie diese tragen nach der Darstellung von Isaacson und Kollegen, die sich auf Oswald und Kollegen stützen, zu herzhaften Noten bei. Die eigene Messung von Isaacson und Kollegen (2025) konnte den Stoff nur vorläufig zuordnen.

Wie misst man einen Geruch?

Bei der Gaschromatographie mit Olfaktometrie trennt ein Gaschromatograph die flüchtigen Stoffe einer Probe, und der Gasstrom wird zwischen einem Massenspektrometer und einer Riechstelle geteilt. An der Riechstelle notiert ein geschulter Mensch, wann er etwas riecht, wie es riecht und wie stark.

Was wir nicht wissen

Die beiden Originalarbeiten von Oswald und Kollegen (2021 und 2023) konnten wir am 15. Oktober 2026 nicht öffnen; die Arbeit von 2021 kennen wir nur aus der Pressemitteilung der American Chemical Society. Ihre Methode im Einzelnen, Messwerte und mögliche Geruchsschwellen für 3-Methyl-2-buten-1-thiol kennen wir deshalb nicht. Ob die Arbeit von 2023 Einzelstoffe wie Indol oder Skatol nennt, konnten wir nicht prüfen. Auch die Arbeit von Paryani und Kollegen (2024) kennen wir nur aus Literaturangaben.

Vergleiche mit einzelnen Lebensmitteln, etwa mit Knoblauch oder Durian, fanden wir in keiner der geöffneten Quellen; wir ziehen sie nicht. Die Untersuchung von Rice und Koziel beruht auf den Notizen eines geschulten Prüfers und auf vorläufigen Bestimmungen, und für rund zwei Drittel der Stoffe fehlten Geruchsschwellen. Die Schwefelmessung von Isaacson und Kollegen umfasste nur CBD-dominante Proben. Ein Fachgespräch mit einer Aromachemikerin oder einem Aromachemiker steht aus. Der Forschungsstand ist in Bewegung; Beiträge veralten.

Hinweis: Dieser Beitrag informiert über Geschichte, Kultur und Forschungsstand und ruft weder zum Konsum noch zum Erwerb von Cannabis auf. Stand: 15.10.2026.

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