THC-Messung im Labor: GC, HPLC und EU-Methode

Den THC-Gehalt von Hanf bestimmen Labore per Gas- oder Flüssigchromatographie. Wie THCA eingerechnet wird und wie die EU-Methode für Nutzhanf abläuft.

Text: Redaktion · 8 Minuten · Stand

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Laut dem UNODC-Handbuch von 2009 und der EU-Methode von 2021 bestimmen Labore den THC-Gehalt von Hanf per Chromatographie: Ein Extrakt der getrockneten, gemahlenen Probe wird in seine Bestandteile getrennt und gegen einen Referenzstandard gemessen, per Gaschromatographie (GC) oder Flüssigchromatographie (HPLC). Weil die Pflanze THC überwiegend als Säure (THCA) enthält, rechnen Labore beide Formen zu einem „Gesamt-THC“ zusammen; bei der HPLC geschieht das rechnerisch mit dem Faktor 0,877. Für Nutzhanf schreibt die EU in Anhang I der Delegierten Verordnung (EU) 2022/126 ein festes Verfahren vor: Gaschromatographie mit Flammenionisationsdetektor, Ergebnis in Gramm THC je 100 Gramm Trockenmasse mit zwei Nachkommastellen.

Auf einen Blick

  • Die EU-Methode für Nutzhanf steht in Anhang I der Delegierten Verordnung (EU) 2022/126 vom 7. Dezember 2021 und arbeitet mit Gaschromatographie und Flammenionisationsdetektor (GC-FID).
  • Je Feld werden nach dieser Methode 50 Pflanzen (Verfahren A) oder 200 Pflanzen (Verfahren B) beprobt.
  • Das Ergebnis wird in Gramm Δ9-THC je 100 Gramm getrockneter Probe mit zwei Nachkommastellen angegeben; die Toleranz beträgt 0,03 Gramm je 100 Gramm.
  • Das US-Landwirtschaftsministerium definiert den Gesamtwert in seiner Regel von 2019 als Δ9-THC plus 87,7 Prozent des THCA-Gehalts.
  • Das UNODC-Handbuch „Recommended methods for the identification and analysis of cannabis and cannabis products“ erschien 2009, eine überarbeitete Fassung im März 2022.

Was misst ein Labor eigentlich?

Gemessen wird der Anteil von Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC) in der Trockenmasse, und zwar so, dass auch seine Vorstufe erfasst wird. In der Pflanze liegt THC nach dem Chemie-Lexikon von chemie.de überwiegend als Tetrahydrocannabinolsäure (THCA) vor, die enzymatisch aus Cannabigerolsäure entsteht. Unter Wärme und UV-Licht spaltet die Säure ihre Carboxylgruppe ab und wird zu THC; diesen Vorgang nennt die Chemie Decarboxylierung.

Der Wert für freies THC allein genügt deshalb nicht. Das UNODC-Handbuch von 2009 definiert „Total-THC“ als Summe aus THC und THCA (Abschnitt 5.4.1); die US-Regeln von 2019 verlangen dieselbe Summe, bezogen auf das Trockengewicht. Wie die Forschung Pflanzen nach Inhaltsstoffen ordnet, zeigt Chemotypen: Wie die Forschung Hanf ordnet.

Wie unterscheiden sich GC und HPLC?

Der Unterschied liegt in der Wärme: Die Gaschromatographie verdampft die Probe und wandelt THCA dabei in THC um, die Flüssigchromatographie lässt THCA intakt. So beschreibt es das US-Landwirtschaftsministerium in seiner Regel von 2019; bei der HPLC sei deshalb eine Umrechnung auf den gesamten möglichen THC-Gehalt nötig.

Ganz verlässlich ist die Umwandlung im Gerät nicht. Das UNODC-Handbuch hält fest, dass manche Injektorsysteme THCA beim Einspritzen vollständig decarboxylieren, andere nur schlecht, und dass eine höhere Temperatur THC im Glaseinsatz auch zersetzen kann (Abschnitt 5.4.1). Das Handbuch sieht deshalb vor der Messung einen eigenen, kontrollierten Umwandlungsschritt im Labor vor. Soll THCA getrennt bestimmt werden, wird der Extrakt nach dem Handbuch vor der GC silyliert, also chemisch geschützt.

Nach der Übersicht von Pourseyed Lazarjani und Kollegen (2020) kann die HPLC saure und neutrale Formen ohne Derivatisierung bestimmen. Lutfun Nahar und Kollegen schreiben, der heiße Einlass eines Gaschromatographen decarboxyliere saure Cannabinoide unvollständig; in der Mehrzahl der Prüflabore werde die Flüssigchromatographie bevorzugt, auch weil sie ohne Derivatisierung auskommt, meist mit UV-Detektor.

Was bedeutet die Formel mit 0,877?

Die Formel rechnet einen gemessenen THCA-Wert in die THC-Menge um, die daraus entstehen kann: Gesamt-THC = THC + 0,877 × THCA. So steht sie im Leitfaden des Hanfprogramms von Missouri aus dem Jahr 2021; das US-Landwirtschaftsministerium spricht von Δ9-THC plus 87,7 Prozent des THCA.

Der Faktor folgt aus der Chemie. THC hat die Summenformel C21H30O2 und nach chemie.de eine molare Masse von 314,47 Gramm je Mol; THCA hat die Summenformel C22H30O4. Bei der Decarboxylierung geht ein Molekül Kohlendioxid verloren. Rechnet man dessen rund 44 Gramm je Mol hinzu, wiegt THCA rund 358,5 Gramm je Mol; 314,47 geteilt durch 358,5 ergibt 0,877 (unsere Rechnung). Die Formel braucht, wer THCA getrennt misst, typischerweise ein HPLC-Labor. Bei der GC steckt die Umwandlung schon in der Messung; das UNODC-Handbuch nennt dafür keinen Faktor.

Wie läuft die EU-Methode für Nutzhanf ab?

Die EU schreibt für Nutzhanf ein Verfahren von der Feldprobe bis zur Zahl vor, festgelegt in Anhang I der Delegierten Verordnung (EU) 2022/126. Nach Artikel 3 richten die Mitgliedstaaten ein System zur Bestimmung des THC-Gehalts in Hanfsorten ein und wenden dafür diese Methode an.

Probenahme. Verfahren A beginnt 20 Tage nach Blühbeginn und endet 10 Tage nach Blühende; geschnitten wird von jeder ausgewählten Pflanze ein 30 Zentimeter langes Stück mit mindestens einem weiblichen Blütenstand. Verfahren B gilt in den 10 Tagen nach Blühende und nimmt das obere Drittel jeder Pflanze. Beprobt werden 50 Pflanzen je Feld bei Verfahren A und 200 bei Verfahren B, nach einem systematischen Muster und nicht am Feldrand, wie die ältere Fassung der Methode in der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 809/2014 ausführt. Die Proben kommen ungequetscht in Stoff- oder Papierbeutel.

Trocknung und Aufbereitung. Die Trocknung beginnt spätestens 48 Stunden nach der Probenahme, bei unter 70 Grad Celsius, und läuft bis zum gleichbleibenden Gewicht und einer Feuchte von 8 bis 13 Prozent. Stängel und Samen über 2 Millimeter werden entfernt, der Rest wird gemahlen, bis er ein Sieb mit 1 Millimeter Maschenweite passiert.

Messung. 100 Milligramm Pulver werden mit 5 Millilitern Lösung extrahiert, die Squalan als inneren Standard enthält, 20 Minuten im Ultraschallbad behandelt und zentrifugiert. Den Überstand misst ein Gaschromatograph mit Flammenionisationsdetektor; kalibriert wird mit mindestens drei Punkten (Verfahren A) oder fünf (Verfahren B), darunter 0,04 und 0,50 Milligramm je Milliliter.

Ergebnis. Angegeben wird Gramm Δ9-THC je 100 Gramm Trockenprobe mit zwei Nachkommastellen, bei einer Toleranz von 0,03 Gramm je 100 Gramm. Bei Verfahren A genügt eine Bestimmung; liegt sie über dem Grenzwert, folgt eine zweite, und es zählt der Mittelwert. Bei Verfahren B zählt stets der Mittelwert zweier Bestimmungen.

Welche Folgen hat ein Messwert?

Der Messwert entscheidet über Förderung und Sorte, nicht nur über ein einzelnes Feld. Nach Artikel 2 der Delegierten Verordnung (EU) 2022/126 setzt die Agrarförderung zertifiziertes Saatgut von Sorten voraus, die am 15. März im gemeinsamen Sortenkatalog stehen und den Grenzwert nicht in zwei aufeinanderfolgenden Jahren überschritten haben. Liegt der Durchschnitt einer Sorte über dem Grenzwert, gilt im folgenden Jahr Verfahren B; geschieht das ein zweites Jahr in Folge, meldet der Mitgliedstaat die Sorte der Kommission, und ihr Anbau berechtigt dort nicht mehr zu Direktzahlungen (Artikel 3). Hanf muss nach Artikel 5 bis mindestens zehn Tage nach Blühende stehen bleiben, damit Kontrollen möglich sind.

Den Grenzwert legt Artikel 4 Absatz 4 der Verordnung (EU) 2021/2115 fest, auf den die Delegierte Verordnung verweist; diese Verordnung haben wir nicht geöffnet. Nach der Hanf-Seite der Europäischen Kommission muss die Sorte für die Agrarförderung unter 0,3 Prozent THC liegen. In Deutschland nimmt nach Angaben der BLE ihr Prüfdienst Proben vor Ort, und die Ernte darf erst beginnen, wenn die BLE sie freigibt. Das Konsumcannabisgesetz nennt in § 1 Nr. 9 dieselbe Grenze von 0,3 Prozent als eine der Bedingungen für Nutzhanf. Wer anbauen darf und wie die Anzeige funktioniert, erklärt Nutzhanf in Deutschland; den allgemeinen Rechtsrahmen finden Sie unter Was in Deutschland gilt. Stand: 15.10.2026, keine Rechtsberatung.

Wie genau ist eine solche Messung?

Jede Messung hat eine Unsicherheit, und die EU-Methode legt dafür nur eine feste Toleranz fest. S. Sgrò und Kollegen bemängeln 2021 in Analytical and Bioanalytical Chemistry (Eintrag im Repositorium der Universität Modena und Reggio Emilia), dass die Methode keine Präzisionsdaten in Abhängigkeit vom THC-Gehalt angibt. Sie schätzten die Messunsicherheit für Gehalte von 0,2 bis 1,0 Prozent und schlagen eine Entscheidungsregel vor: Eine Überschreitung sei erst dann zweifelsfrei, wenn der Mittelwert einer Doppelbestimmung den Grenzwert um rund 11 bis 15 Prozent übersteigt, je nach Grenzwert. Sie halten gemeinsame Validierungsstudien mehrerer Labore zur EU-Methode für nötig.

Die US-Regeln verlangen, dass Labore die Messunsicherheit mit dem Ergebnis angeben. Das UNODC-Handbuch betont, dass die kleine Teilprobe im Labor die Gesamtmenge repräsentieren muss (Abschnitt 5.1).

Häufige Fragen

Misst ein Labor THC oder THCA?

Ob ein Labor THC oder THCA misst, hängt vom Verfahren ab. Bei der Gaschromatographie geht THCA durch Wärme weitgehend in THC über, je nach Gerät unterschiedlich vollständig; die Flüssigchromatographie misst THC und THCA getrennt. Die US-Regeln verlangen ausdrücklich den Gesamtgehalt in der Trockenmasse; die EU-Methode gibt Δ9-THC je 100 Gramm Trockenprobe an.

Was bedeutet Gesamt-THC?

Gesamt-THC ist die Summe aus freiem THC und dem THC, das aus THCA entstehen kann. Misst ein Labor THCA getrennt, rechnet es mit der Formel THC + 0,877 × THCA. Der Faktor 0,877 ergibt sich aus dem Massenverlust durch das abgespaltene Kohlendioxid.

Wie prüft die EU den THC-Gehalt von Nutzhanf?

Nach Anhang I der Delegierten Verordnung (EU) 2022/126 werden für die EU-Prüfung 50 oder 200 Pflanzen je Feld beprobt, unter 70 Grad Celsius getrocknet, gemahlen und per GC-FID gemessen. Das Ergebnis steht in Gramm THC je 100 Gramm Trockenmasse mit zwei Nachkommastellen, die Toleranz beträgt 0,03 Gramm. Stand: 15.10.2026, keine Rechtsberatung.

Was wir nicht wissen

Anhang I der Delegierten Verordnung (EU) 2022/126 haben wir nur englisch gelesen; die deutsche Seite brach vor dem Anhang ab, die Delegierte Verordnung (EU) 2017/1155 war gesperrt; was 2017 an der Methode geändert wurde, wissen wir daher nicht. Vom UNODC-Handbuch kennen wir nur die Ausgabe von 2009, nicht die Überarbeitung von 2022. Die Studien von Sgrò und Pourseyed Lazarjani kennen wir nur aus Kurzfassungen. Die molare Masse von THCA haben wir aus der Summenformel errechnet. Die Primärnorm für den Grenzwert, Artikel 4 Absatz 4 der Verordnung (EU) 2021/2115, haben wir nicht geöffnet, ebenso wenig frühere Fassungen des Grenzwerts. Welche Labore die Proben der BLE untersuchen, geht aus der Pressemitteilung nicht hervor.

Hinweis: Dieser Beitrag informiert über Analytik, Recht und Forschungsstand und ruft weder zum Konsum noch zum Erwerb von Cannabis auf. Keine Rechtsberatung. Stand: 15.10.2026.

Quellen

  1. Delegierte Verordnung (EU) 2022/126 der Kommission vom 7. Dezember 2021, Artikel 2 bis 5 und Anhang I (Union method for the verification of hemp varieties and the determination of the Δ9-tetrahydrocannabinol content), englische Fassung (EUR-Lex) (öffnet in neuem Tab)eur-lex.europa.eu · abgerufen am
  2. Delegierte Verordnung (EU) 2022/126, deutsche Fassung, Artikel 2 bis 5 (EUR-Lex) (öffnet in neuem Tab)eur-lex.europa.eu · abgerufen am
  3. Durchführungsverordnung (EU) Nr. 809/2014, Anhang: Community method for the quantitative determination of Δ9-tetrahydrocannabinol content in hemp varieties (Archivfassung, legislation.gov.uk) (öffnet in neuem Tab)legislation.gov.uk · abgerufen am
  4. UNODC: Recommended methods for the identification and analysis of cannabis and cannabis products. Manual for use by national drug analysis laboratories (ST/NAR/40, Wien 2009, PDF über die Drugs and Alcohol Library des Health Research Board) (öffnet in neuem Tab)drugsandalcohol.ie · abgerufen am
  5. UNODC: Recommended methods for the identification and analysis of cannabis and cannabis products, ST/NAR/40/REV.1 (Ankündigungsseite, März 2022) (öffnet in neuem Tab)unodc.org · abgerufen am
  6. Sgrò, S., Lavezzi, B., Caprari, C. u. a. (2021): Delta9-THC determination by the EU official method: evaluation of measurement uncertainty and compliance assessment of hemp samples. Analytical and Bioanalytical Chemistry 413, 3399–3410 (Eintrag mit Kurzfassung, IRIS Universität Modena und Reggio Emilia) (öffnet in neuem Tab)iris.unimore.it · abgerufen am
  7. Pourseyed Lazarjani, M., Torres, S., Hooker, T. u. a. (2020): Methods for quantification of cannabinoids: a narrative review. Journal of Cannabis Research 2, 35 (Paperity) (öffnet in neuem Tab)paperity.org · abgerufen am
  8. Lutfun Nahar, Alev Onder, Satyajit D. Sarker: A review on the recent advances in HPLC, UHPLC and UPLC analyses of naturally occurring cannabinoids (2010–2019), Manuskript im Repositorium der Liverpool John Moores University (PDF) (öffnet in neuem Tab)researchonline.ljmu.ac.uk · abgerufen am
  9. US-Landwirtschaftsministerium, Agricultural Marketing Service: Establishment of a Domestic Hemp Production Program, Interim Final Rule (Federal Register, 31.10.2019, 84 FR 58522) (öffnet in neuem Tab)federalregister.gov · abgerufen am
  10. Missouri Department of Agriculture, Industrial Hemp Program: Certificate of Analysis Guide (PDF, März 2021) (öffnet in neuem Tab)agriculture.mo.gov · abgerufen am
  11. chemie.de Lexikon: Tetrahydrocannabinol (Summenformel, molare Masse, Biosynthese) (öffnet in neuem Tab)chemie.de · abgerufen am
  12. PubChemLite (Universität Luxemburg): Delta(9)-tetrahydrocannabinolic acid, CID 98523 (Summenformel) (öffnet in neuem Tab)pubchemlite.lcsb.uni.lu · abgerufen am
  13. Europäische Kommission, Generaldirektion Landwirtschaft: Hemp (Themenseite, ohne Datum) (öffnet in neuem Tab)agriculture.ec.europa.eu · abgerufen am
  14. Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE): Nutzhanfanbau 2025, weniger Betriebe bauen weniger an (Pressemitteilung, 29.09.2025) (öffnet in neuem Tab)ble.de · abgerufen am
  15. Konsumcannabisgesetz (KCanG), § 1 Begriffsbestimmungen, nichtamtliche Wiedergabe (lxgesetze.de) (öffnet in neuem Tab)lxgesetze.de · abgerufen am

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