Bauhaus-Orte: Weimar, Dessau, Berlin
Das Bauhaus lag 1919 bis 1925 in Weimar, bis 1932 in Dessau und bis 1933 in Berlin. Bauhaus-Stätten in Weimar und Dessau sind seit 1996 Welterbe, Berlin nicht.
Das Bauhaus bestand nach den Angaben der Bauhaus Kooperation knapp vierzehn Jahre, von 1919 bis 1933. In dieser Zeit wechselte die Schule zweimal den Ort: von Weimar (1919 bis 1925) nach Dessau (1925 bis 1932) und weiter nach Berlin (1932 bis 1933). Wer ihr folgt, reist von Thüringen nach Sachsen-Anhalt und weiter nach Berlin. Dieser Guide hält sich an die Reihenfolge der Geschichte, nicht an eine Bewertung der Orte. Öffnungszeiten und Eintritt ändern sich; sie stehen bewusst nicht hier, sondern auf den Seiten der Häuser.
Das Welterbe als Klammer
Die UNESCO führt die Stätten unter dem Namen „Bauhaus and its Sites in Weimar, Dessau and Bernau“. In ihrem Erweiterungsbeschluss heißt es, die Bauhaus-Schule habe zwischen 1919 und 1933 ihren Sitz zuerst in Weimar und dann in Dessau gehabt. Die Weimarer und Dessauer Bauten stehen seit 1996 auf der Liste; so nennen es das Periodic-Reporting-Dokument der UNESCO, die Bauhaus-Universität Weimar und das Auswärtige Amt.
2017 beschloss das Welterbekomitee auf seiner 41. Sitzung eine Erweiterung. Hinzu kamen die Laubenganghäuser in Dessau und die Bundesschule des ADGB in Bernau bei Berlin. Seitdem trägt die Stätte Bernau im Namen. Die Kartenseite der UNESCO zählt elf Bestandteile: drei in Weimar, zwei Bauten und fünf Laubenganghäuser in Dessau, dazu die Schule in Bernau.
Berlin selbst gehört nicht dazu. Das Gebäude der letzten Bauhaus-Station existiert nicht mehr.
Weimar, 1919 bis 1925
In Weimar übernahm Walter Gropius 1919 die Leitung der ehemaligen Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst. Er verband sie mit der aufgelösten Kunstgewerbeschule und nannte das Ergebnis Staatliches Bauhaus in Weimar. So beschreibt es die Bauhaus Kooperation, ein Verbund der drei Bauhaus-Einrichtungen in Berlin, Dessau und Weimar. Kunst sollte nach dem Programm wieder eine soziale Aufgabe haben, die Trennung der handwerklichen Disziplinen sollte enden.
Die Schule arbeitete in Gebäuden, die Henry van de Velde entworfen hatte. Die Bauhaus-Universität Weimar datiert ihr heutiges Hauptgebäude auf 1911, damals als Ateliergebäude errichtet, und den Van-de-Velde-Bau auf 1905 und 1906. Die UNESCO führt beide als ehemalige Kunstschule und ehemalige Kunstgewerbeschule. Beide gehören heute zur Bauhaus-Universität, die sie auf ihrer Welterbe-Seite vorstellt.
Haus Am Horn
1923 entstand für die Bauhaus-Ausstellung jenes Jahres das Haus Am Horn. Entworfen hat es Georg Muche, gebaut wurde es unter der Leitung des Baubüros von Walter Gropius. Die Einrichtung stammt unter anderem von Marcel Breuer, Gunta Stölzl und László Moholy-Nagy. Gedacht war es als Versuchshaus für neue Materialien, Bauweisen und Techniken, zugeschnitten auf eine kleine Familie. Weitere Bauten hat das Staatliche Bauhaus in Weimar nach der Darstellung der Klassik Stiftung Weimar bei der Bauhaus Kooperation nicht verwirklicht.
Das Haus wurde 1998 und 1999 sowie 2018 und 2019 saniert, bei der ersten Sanierung verschwanden spätere Anbauten. Seit Mai 2019 zeigt dort eine Dauerausstellung die Geschichte des Gebäudes. Die Adresse lautet Am Horn 61.
Bauhaus-Museum Weimar
Das Bauhaus-Museum Weimar eröffnete die Klassik Stiftung am 6. April 2019. Die Architektin Heike Hanada erhielt den Auftrag 2012. Ihr Bau ist ein zurückhaltender Kubus aus Betonplatten, mit fünf Ebenen und rund 2.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Die Klassik Stiftung stellte das Museum unter den Leitsatz „Das Bauhaus kommt aus Weimar“. Die Ausstellung behandelt die erste Phase der Schule bis 1925. Sie stellt die Schule auch in den Zusammenhang der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus.
Der Ort erzählt davon mit. Das Museum steht am Weimarhallenpark, gegenüber dem ehemaligen Gauforum aus der NS-Zeit und neben dem Neuen Museum Weimar. Den Kern der Sammlung bilden Werkstattarbeiten, die Gropius nach dem Umzug der Schule der staatlichen Sammlung in Weimar überließ.
Warum die Schule ging
1924 gewann der rechtsgerichtete Thüringer Ordnungsbund die Mehrheit im Landtag. Das Budget des Bauhauses wurde sofort halbiert. Im Dezember traten Gropius und die Meister zurück, nach der Darstellung der Bauhaus Kooperation als Akt der Selbstbehauptung; die Stiftung Bauhaus Dessau nennt den 26. Dezember 1924 als Tag, an dem die Schule ihre Schließung erklärte. Zum 31. März 1925 endeten die Verträge der Lehrenden. Die Schule zog nach Dessau.
Dessau, 1925 bis 1932
In Dessau stellte die Stadt unter Oberbürgermeister Fritz Hesse ein Grundstück im Westen bereit. Gropius plante das neue Schulgebäude ab dem Frühjahr 1925, Ernst Neufert leitete den Bau. Eröffnet wurde es am 4. Dezember 1926, nach Angaben der Bauhaus Kooperation vor mehr als 1.000 Gästen.
Das Bauhausgebäude
Das Gebäude gliedert sich in Teile mit eigener Aufgabe: den Werkstattflügel mit den Lehrräumen, eine Brücke mit Verwaltung und Baubüro, die zum Flügel einer eigenständigen Berufsschule führt, und einen Flachbau mit Aula, Bühne und Mensa, der zum Atelierhaus mit Wohnungen für Studierende überleitet. Gropius hielt nach Angaben der Bauhaus Kooperation fest, man müsse um den Bau herumgehen, um seine räumliche Gestalt zu verstehen.
Daran kann sich ein Besuch halten. Im März 1945 traf eine Bombe das Gebäude, es brannte aus. Nach der Chronologie der Stiftung Bauhaus Dessau musste ein großer Teil der Glasfassade entfernt werden. 1976, zum 50. Jahrestag, wurde der Bau rekonstruiert. Seit 1994 hat dort die Stiftung Bauhaus Dessau ihren Sitz.
Die Meisterhäuser
Am selben Tag wie das Schulgebäude wurden die Meisterhäuser vorgestellt, nach Plänen von Gropius und finanziert von der Stadt. Die Direktoren wohnten im Einzelhaus, die Meister in drei Doppelhäusern mit je einem Atelier. Das Goethe-Institut nennt als Bewohner Lyonel Feininger, László Moholy-Nagy, Paul Klee, Wassily Kandinsky, Georg Muche und Oskar Schlemmer.
Auch die Meisterhäuser wurden im März 1945 bei einem Luftangriff zum Teil schwer beschädigt. Auf den Platz des zerstörten Direktorenhauses kam später ein einfaches Siedlerhaus. 2010 fiel die Entscheidung für eine „unscharfe Rekonstruktion“ durch das Berliner Büro Bruno Fioretti Marquez. Seit Mai 2014 sind die ergänzten Häuser zugänglich. Wer vor ihnen steht, sieht bewusst keine Kopie, sondern eine Annäherung an das Verlorene.
Bauhaus Museum Dessau und Törten
Im September 2019 eröffnete die Stiftung Bauhaus Dessau ein eigenes Museum. Es zeigt eine Sammlung, die nach ihren Angaben mehr als 50.000 Objekte umfasst. Entworfen hat den Bau das Büro Addenda Architects aus Barcelona: ein schlichter Glaskörper, in dem eine geschlossene „Black Box“ etwa fünf Meter über dem Erdgeschoss liegt. Dort werden lichtempfindliche Stücke gezeigt, so beschreibt es die Zeitschrift Dezeen.
In Dessau-Törten gehören die fünf Laubenganghäuser seit 2017 zum Welterbe. Im Zusammenhang mit der Stiftung nennt die Bauhaus Kooperation außerdem die Siedlung Törten mit dem Konsumgebäude sowie das historische Arbeitsamt.
Am 22. August 1932 beschloss der Stadtrat, das Bauhaus zum 1. Oktober zu schließen. So steht es in der Chronologie der Stiftung.
Berlin, 1932 bis 1933
Ludwig Mies van der Rohe, seit 1930 der dritte Direktor, führte die Schule als privates Institut nach Berlin. Ab Oktober 1932 arbeiteten Meister und Studierende in einer leerstehenden Telefonfabrik in Steglitz, in der Birkbuschstraße. Am 11. April 1933 durchsuchten Polizei und SA die Räume und versiegelten sie, 32 Studierende wurden festgenommen. Am 20. Juli 1933 beschlossen die Lehrenden die Auflösung. Eine Wiedereröffnung wäre nach den Angaben der Bauhaus Kooperation nur zu Bedingungen der neuen Machthaber möglich gewesen.
Das Fabrikgebäude steht nicht mehr. An der Birkbuschstraße 49 erinnert eine Gedenktafel an den Ort.
Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung
Die Sammlung in Berlin geht auf den Kunsthistoriker Hans Maria Wingler zurück, der ab 1960 den Nachlass der Schule weltweit zusammentrug. Der Bau an der Klingelhöferstraße entstand nach Plänen von Gropius, fertiggestellt wurde er 1979, seit 1997 steht er unter Denkmalschutz. Zum Bestand zählen rund 14.000 Architekturpläne, 12.000 grafische Blätter und 72.000 Fotografien sowie Teile des Nachlasses von Gropius.
Nach den Angaben der Bauhaus Kooperation und des Museumsportals Berlin, Stand 13.10.2026, ist das Museum geschlossen. Der Bestandsbau von Gropius wird denkmalgerecht saniert und soll künftig Archiv und Bibliothek aufnehmen. Daneben entsteht ein Neubau von Staab Architekten mit einem gläsernen Turm am Eingang. Bis dahin arbeitet das „Temporary Bauhaus-Archiv“ in der Knesebeckstraße in Charlottenburg; nach dem Museumsportal Berlin werden dort keine Originale der Sammlung gezeigt. Einen Termin für die Wiedereröffnung nennen die hier gelesenen Seiten nicht.
Die Reise in einem Zug
Weimar, Dessau, Berlin: In dieser Reihenfolge folgt man der Schule und ihren Brüchen. Weimar zeigt den Anfang und das eine gebaute Haus, Dessau das Ensemble aus Schule, Wohnhäusern und Siedlung, Berlin vor allem eine Leerstelle und ein Archiv im Umbau. Die Bundesschule in Bernau bei Berlin gehört seit 2017 ebenfalls zum Welterbe.
Häufige Fragen
Wo war das Bauhaus?
Das Bauhaus hatte nacheinander drei Orte: Weimar von 1919 bis 1925, Dessau von 1925 bis 1932 und Berlin von 1932 bis 1933. In Weimar führte Walter Gropius 1919 zwei Schulen zum Staatlichen Bauhaus zusammen, in Dessau wurde 1926 das neue Schulgebäude eröffnet. In Berlin arbeitete die Schule zuletzt als privates Institut unter Ludwig Mies van der Rohe in einer leerstehenden Telefonfabrik in Steglitz.
Welche Bauhaus-Stätten gehören zum UNESCO-Welterbe?
Fünf Bauhaus-Stätten in Weimar und Dessau stehen seit 1996 auf der Welterbeliste. 2017 kamen die Laubenganghäuser in Dessau und die Bundesschule des ADGB in Bernau bei Berlin hinzu; seitdem heißt die Stätte „Bauhaus and its Sites in Weimar, Dessau and Bernau“ und zählt elf Bestandteile. Berlin selbst gehört nicht dazu, das Gebäude der letzten Bauhaus-Station existiert nicht mehr.
Warum zog das Bauhaus von Weimar nach Dessau?
1924 gewann der rechtsgerichtete Thüringer Ordnungsbund die Mehrheit im Landtag, und das Budget des Bauhauses wurde halbiert. Im Dezember 1924 traten Gropius und die Meister zurück, zum 31. März 1925 endeten die Verträge der Lehrenden. In Dessau stellte die Stadt unter Oberbürgermeister Fritz Hesse ein Grundstück für die Schule bereit.
Was wir nicht wissen
Die eigene Website des Bauhaus-Archivs haben wir nicht geöffnet; den Stand von Neubau und Interim haben wir aus der Bauhaus Kooperation und dem Museumsportal Berlin übernommen. Zum Ende der Schule nennen die Quellen den Beschluss vom 20. Juli 1933 und eine Bekanntgabe am 10. August 1933. Wie viele Werkstattarbeiten Gropius 1925 in Weimar übergab, geben die Quellen unterschiedlich an.
Weiterlesen: Patina: wie Kupfer und Messing altern · Historische Seilereien: vier Orte in Europa · Uppsala: auf den Spuren von Linné
Stand: 13.10.2026. Quellen siehe unten.
Quellen
- Decision 41 COM 8B.33: Bauhaus and its Sites in Weimar and Dessau, extension (UNESCO World Heritage Centre) (öffnet in neuem Tab)
- Bauhaus and its Sites in Weimar, Dessau and Bernau: Maps, component parts (UNESCO World Heritage Centre) (öffnet in neuem Tab)
- Periodic Reporting: Bauhaus and its Sites in Weimar, Dessau and Bernau (UNESCO World Heritage Centre, Dokument 217175) (öffnet in neuem Tab)
- Executive Summary, Erweiterungsantrag Bauhaus-Stätten (UNESCO World Heritage Centre, Dokument 155924) (öffnet in neuem Tab)
- UNESCO-Welterbe (Bauhaus-Universität Weimar) (öffnet in neuem Tab)
- Minister of State Böhmer on the extension of the Bauhaus World Heritage site (Auswärtiges Amt, 9. Juli 2017) (öffnet in neuem Tab)
- What exactly was the Bauhaus? (Bauhaus Kooperation Berlin Dessau Weimar) (öffnet in neuem Tab)
- Bauhaus Weimar (Bauhaus Kooperation Berlin Dessau Weimar) (öffnet in neuem Tab)
- Bauhaus Berlin (Bauhaus Kooperation Berlin Dessau Weimar) (öffnet in neuem Tab)
- Chronologie (Stiftung Bauhaus Dessau) (öffnet in neuem Tab)
- Klassik Stiftung Weimar (Bauhaus Kooperation Berlin Dessau Weimar) (öffnet in neuem Tab)
- Haus Am Horn (Bauhaus Kooperation Berlin Dessau Weimar, Ortsseite) (öffnet in neuem Tab)
- Bauhaus Museum Weimar (Bauhaus Kooperation Berlin Dessau Weimar, Ortsseite) (öffnet in neuem Tab)
- Pressemitteilung zur Eröffnung des Bauhaus-Museums Weimar (Klassik Stiftung Weimar, 2019) (öffnet in neuem Tab)
- Bauhaus Building, Dessau (Bauhaus Kooperation Berlin Dessau Weimar) (öffnet in neuem Tab)
- Bauhaus Dessau Foundation (Bauhaus Kooperation Berlin Dessau Weimar) (öffnet in neuem Tab)
- Bauhaus-Meisterhäuser: Die Komplettierung (Goethe-Institut) (öffnet in neuem Tab)
- Bauhaus Museum Dessau by Addenda Architects (Dezeen, 11. September 2019) (öffnet in neuem Tab)
- Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung (Bauhaus Kooperation Berlin Dessau Weimar) (öffnet in neuem Tab)
- Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung (Museumsportal Berlin) (öffnet in neuem Tab)