Künstler, die Cannabis nicht verstecken

Vier dokumentierte Positionen aus Museen: Fred Tomaselli, Robert Arneson, botanische Zeichner und Dan Colen. Sachlich, mit Quellen und ohne Konsumbilder.

Text: Redaktion · 5 Minuten · Stand

KI-Agenten haben diesen Text nach festen Regeln recherchiert, geschrieben und geprüft. Verantwortlich: siehe Impressum.

In der bildenden Kunst ist Cannabis kein Geheimnis. Die Pflanze taucht als Material, als Motiv und als Reizwort auf, und Museen zeigen Werke, in denen sie offen vorkommt. Diese Liste stellt vier Positionen vor, die sich in Museums- und Galerieseiten dokumentieren lassen. Wir beschreiben, was die Quellen sagen, und wir beschreiben keine Bilder, die Konsum darstellen. Die Auswahl ist klein und verzichtet auf alles, was sich nicht belegen ließ. Sie ist keine Rangliste und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

1. Fred Tomaselli: Blätter im Harz

Fred Tomaselli wurde 1956 in Santa Monica geboren (Laguna Art Museum). Er arbeitet mit einer Technik, die das Brooklyn Museum so beschreibt: Er schneidet Bilder von Pflanzen, Vögeln, Mündern und Händen aus Feldführern und Magazinen aus. Er kombiniert sie mit Acrylfarbe und Fotocollage und bettet sie in Harz ein, zusammen mit Blättern, darunter Hanf und Datura. Das Museum nennt als Leitbild „lush gardens as sites of contemplation, loss, and possible redemption“, üppige Gärten als Orte der Betrachtung, des Verlusts und einer möglichen Erlösung. Die Ausstellung lief vom 8. Oktober 2010 bis zum 2. Januar 2011 unter der Kuratorin Eugenie Tsai (Brooklyn Museum).

Das Modern Art Museum of Fort Worth zeigte 2014 unter dem Titel „FOCUS“ Werke aus zehn Jahren. Genannt werden Hanfblätter neben Fotocollagen, bemalten Passagen und Bildern aus Feldführern, geschichtet auf Holzplatten und in dicke Harzschichten eingebettet. Als Beispiel führt das Museum „Flipper“ (2008) auf, 213 × 457 Zentimeter, aus Blättern, Fotocollage, Acryl und Harz auf Holz, aus der Sammlung Glenstone (Modern Art Museum of Fort Worth). 2024/25 folgte im Laguna Art Museum die Ausstellung „Second Nature“ mit fast 50 neuen und jüngeren Arbeiten, kuratiert von Rochelle Steiner. Themen sind laut Museum unter anderem die Pandemie und die Klimakrise, also keineswegs nur die Pflanze. Das Fort Worth Modern verweist außerdem auf eine Serie von Collagen aus der „New York Times“, die Tomaselli seit 2005 anfertigt.

Das Metropolitan Museum of Art erklärt in seinem Eintrag zu „Joshua“ (1992), warum Tomaselli Harz verwendet. Es gehe auf seine Zeit als Surfbrettbauer in Los Angeles in den 1970er- und 1980er-Jahren zurück (Met). Der Künstler beschreibt sich laut Met als „Maximalist“. Die Pflanze ist bei ihm also ein Werkstoff unter vielen, ein Bestandteil eines Bildes, in dem Natur, Muster und Material zusammenkommen.

2. Robert Arneson: das Selbstbildnis mit Sockel

Robert Arnesons „California Artist“ von 1982 ist ein Selbstbildnis aus glasiertem Steinzeug, das SFMOMA in seiner Sammlung führt. Laut Museum entstand es als Antwort auf den Angriff eines New Yorker Kritikers, der die „impoverished sensibility of the provincial cultural life of California“ beklagt hatte. Arneson zeigt sich als Oberkörper auf einem klassisch gedachten Sockel. An einer Ecke ist die Fassade weggebrochen und gibt Ziegel frei, in die sein Name eingeprägt ist. Das Museum liest das als Einwand gegen die Vorstellung, Ton tauge für Geschirr und Backstein, aber nicht für die Kunst. Am Sockel wachsen Marihuana-Pflanzen; auch sie deutet das Museum, wie weitere Requisiten dort, als ironisches Sinnbild eines vermeintlich verkommenen kalifornischen Lebensstils (SFMOMA).

Interessant ist der Ton. Kurator Gary Garrels sagt im Museumsbeitrag, Arneson habe gezeigt, dass Kunst intuitiv und erfahrungsgeprägt sein und Spaß machen könne und dass er es dennoch mit dem Handwerk ernst meine. Die Pflanze erscheint hier nicht als Bekenntnis, sondern als Klischee, das der Künstler offen ausstellt und damit entwaffnet. „California Artist“ ist eines von mehr als 100 Selbstbildnissen Arnesons. Der Bildhauer aus der Bay Area, so das Museum, nutzte das Selbstbildnis über zwanzig Jahre als Vehikel für seine Ideen und nahm dabei gern Entwicklungen der Avantgarde aufs Korn. Wer das Werk kennt, versteht die Pflanze am Sockel deshalb weniger als Aussage über Cannabis als über den Kunstbetrieb der frühen 1980er-Jahre.

3. Botanische Zeichnerinnen und Zeichner: „Cannabis, A Visual Perspective“

Nicht jede Beschäftigung mit der Pflanze ist ironisch oder provokant. Das CU Museum of Natural History der University of Colorado Boulder zeigte bis zum 20. Mai 2018 die Ausstellung „Cannabis: A Visual Perspective“ mit Arbeiten der Rocky Mountain Society of Botanical Artists (RMSBA), einer von einer Jury ausgewählten Sammlung botanischer Illustrationen in Aquarell, Buntstift, Druckverfahren und Mixed Media. Die Schau befasste sich mit der Vielfalt der Gattung Cannabis und mit den wissenschaftlichen Forschungen der Universität. Das Museum bezeichnet die Schau als die erste ihrer Art in den Vereinigten Staaten (CU Museum of Natural History).

Die Ausstellung zeigt, wie sachlich sich das Thema in der Kunst behandeln lässt: als genaue, ruhige Beobachtung einer Pflanze, verbunden mit dem Wissen einer Universität, ohne Pose und ohne Provokation.

4. Dan Colen: „Life Marijuana“

Die Saatchi Gallery in London führt den Künstler Dan Colen mit einer Reihe von Werken aus den Jahren 2004 bis 2007. Darunter ist „Life Marijuana“ (2006), eine Installation aus gemischten Materialien mit digitalen Drucken (Saatchi Gallery). Artnet ordnet die Arbeit 2015 als Hommage an Marihuana ein, mit einem vergrößerten Titelbild des Magazins „Life“ von 1969 (Artnet News). Mehr lässt sich aus den beiden Quellen nicht belegen, und mehr behaupten wir nicht.

Wie Museen darüber sprechen

Auffällig ist der Ton der Institutionen. Das Brooklyn Museum nennt die Blätter neben anderen Bildbestandteilen, das SFMOMA erklärt Arnesons Sockel als Ironie, das CU Museum stellt die Pflanze in den Zusammenhang botanischer Forschung. Das SFMOMA begleitet „California Artist“ zudem mit Gesprächsfragen für Besucher. Gefragt wird etwa, welche Geschichte über den Künstler oder seine Zeit im Werk erkennbar wird und was das Werk sagen würde, wenn es sprechen könnte (SFMOMA). Das ist das Gegenteil von Skandal: Die Pflanze wird eingeordnet, nicht ausgestellt, um zu provozieren. Diesen Ton nehmen wir uns zum Vorbild.

Was wir nicht zeigen

Wir haben Arbeiten weggelassen, die Konsum abbilden oder feiern, auch wenn sie in Listen anderer Medien stehen. Artnet nennt in seiner Übersicht von 2015 acht Namen; wir haben nur jene aufgenommen, die sich zusätzlich über Museums- oder Galerieseiten belegen ließen und deren Werke wir ohne Konsumbild beschreiben können. Das folgt den Regeln dieses Magazins: Objekte und Werke werden als Kunst betrachtet, nicht als Werbung. Ebenso fehlen Künstler, deren Bezug zu Cannabis sich nur aus Erzählungen, Galerietexten ohne Belege oder Vermutungen ergibt. Wer eine weitere Position mit Museumsquelle kennt, kann sie uns schicken; wir prüfen sie.

Stand: 30.09.2026. Alle Angaben beruhen auf den genannten Museums- und Galerieseiten, die am 30.09.2026 abgerufen wurden.

Weiterlesen

Die Sonntagsausgabe

Drei Objekte, ein Ort und eine Frage, mit Quelle und Stand-Datum. Jeden Sonntag.

Mehr über die Sonntagsausgabe

Sie erhalten eine E-Mail zur Bestätigung (Double-Opt-in). Abmelden ist jederzeit möglich.

CULTIVÉ

CULTIVÉ richtet sich an Erwachsene. Bitte bestätigen Sie, dass Sie mindestens 18 Jahre alt sind.

Seite verlassen

Wir speichern Ihre Bestätigung nur auf diesem Gerät.